Starke Panzerverbände der syrischen Armee sind ins Zentrum der Rebellenhochburg Hama eingerückt und haben den zentralen Orontes-Platz besetzt. Wie Zeugen berichteten, war die 700.000-Einwohner-Stadt zuvor mit Granaten beschossen worden. Mehrere Viertel seien getroffen worden, regelmäßig seien Explosionen und Gewehrfeuer zu hören gewesen. Auch ins Zentrum der im Nordosten Syriens gelegenen Stadt Deir al-Zor sind offenbar Panzerkolonnen eingefahren.

Aus Hama kommen nur noch wenige Nachrichten. Die Behörden hatten vor der Erstürmung der Stadt sämtliche Telefonleitungen gekappt, teilten Menschenrechtler in Beirut mit. Auch via Internet gibt es keine Verbindung mehr. Seit dem Wochenende schießen syrische Soldaten in Hama auf Oppositionelle. Dabei sind laut Menschenrechtsaktivisten mindestens 100 Menschen getötet worden.

Die Panzer seien vom Süden vorgerückt, sagte ein Anwohner per Satellitentelefon gegenüber Reuters. Sie seien von Einheiten wie den Schabbiha-Milizen, die Präsident Baschar el Assad treu sind, begleitet worden. "Alle Kommunikationswege sind abgeschnitten", berichtete der Anwohner. "Das Regime nutzt es aus, dass die Medien sich auf den Prozessbeginn gegen Hosni Mubarak konzentrieren, um Hama fertigzumachen."

Angeblich 200 Panzer in Ölstadt Deir al-Zor

Rami Abdur Rahman von der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte sagte AFP, etwa 100 Panzer und Truppentransporter seien an dem Angriff auf Hama beteiligt gewesen, während die Ölstadt Deir al-Zor von etwa 200 Panzern belagert worden sei. Ein anderer Bürgerrechtler sprach von einem "wahren Krieg".

Rahmans Angaben zufolge wurden in der Stadt Rakka im Nordosten Syriens zwei Protestierer erschossen. Auch in der Küstenstadt Dschableh sei ein Demonstrant getötet worden. Das Staatsfernsehen zeigte ein Amateurvideo, auf dem zu sehen ist, wie Leichen von einer Brücke in einen Fluss geworfen werden. Es handele sich um von Regierungsgegnern getötete Sicherheitskräfte. Menschenrechtler sagten dagegen, die Opfer seien von der Armee getötete Gegner des Regimes. Eine unabhängige Bestätigung dafür gab es nicht, da ausländische Journalisten seit Beginn des Aufstands in Syrien nicht mehr frei reisen dürfen.

Deutschland verlangt "sehr klare Sprache" im Sicherheitsrat

Der Staatsminister im Auswärtigen Amt, Werner Hoyer (CDU), sagte dem Fernsehsender Al Dschasira, die Eskalation der Gewaltanwendung habe auch bisher skeptische Länder dazu gebracht, darüber nachzudenken, "ob nicht der Weltsicherheitsrat eine sehr klare Sprache gegenüber dem Regime in Damaskus wählen sollte". Er hoffe, dass sich der UN-Sicherheitsrat zu einer Verurteilung der Gewalt in Syrien durchringe.

In New York verhandelten die Mitglieder des Sicherheitsrates am Mittwoch über einen UN-Resolutionsentwurf westlicher Staaten. Nach Angaben von Diplomaten liegen die Positionen noch weit auseinander. Russland und China fordern, dass neben der syrischen Regierung auch die Oppositionsbewegung zum Gewaltverzicht aufgefordert werde. Westliche Staaten argumentieren, man könne das Vorgehen beider Seiten nicht gleichsetzen.