Zum ersten Mal seit Beginn der Proteste gegen Präsident Baschar al-Assad haben Oppositionelle in Syrien einen Einsatz der Nato verlangt. Führende Vertreter der Protestbewegung in der syrischen Stadt Homs fordern nach Informationen der ZEIT ein sofortiges Eingreifen des westlichen Militärbündnisses. Eine Intervention von außen hatte die syrische Opposition bisher abgelehnt.

Organisatoren der Demonstrationen sagten einem Reporter der ZEIT, dass sich die humanitäre Lage in Homs dramatisch zugespitzt habe. Sie appellierten an den Westen, eine Flugverbotszone für die Zwei-Millionen-Metropole einzurichten. Das Assad-Regime geht seit Monaten mit großer Brutalität gegen die Stadtbevölkerung vor.

Ein hochrangiger Geheimdienstoffizier berichtete der ZEIT von 32 Massengräbern und 25 Schulen, die in der Stadt als provisorische Internierungslager dienten. Gegenwärtig seien 120.000 Menschen in ganz Syrien inhaftiert. Der ZEIT-Reporter beobachtete in Homs, wie syrische Sicherheitskräfte auf friedliche Demonstranten schossen. Vier von ihnen wurden getötet, 40 verletzt.

EU-Staaten legen Resolutionsentwurf im UN-Sicherheitsrat vor

Statt einer militärischen Intervention wollen die EU-Staaten im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen in einem neuen Resolutionsentwurf eine Reihe von Sanktionen gegen die Führungsriege in Syrien durchsetzen. In dem in New York vorgelegten Text forderten Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Portugal ein vollständiges Waffenembargo gegen die Regierung in Damaskus.

Im Resolutionsentwurf werden die "schweren und systematischen Menschenrechtsverletzungen" in Syrien verurteilt und ein Ende der Gewalt verlangt. Der Text sieht das Einfrieren der ausländischen Vermögenswerte von Staatschef Assad und ranghoher syrischer Vertreter sowie Reiseverbote vor. Auf der Liste stehen unter anderem Assads Bruder Maher, der die berüchtigte 4. Panzerdivision der syrischen Armee kommandiert, sowie Vizepräsident Faruk el Schara und Verteidigungsminister Dawud Radschiha. Gegen den syrischen Geheimdienst und drei mit Assads Regierung verbundene Firmen sollen ebenfalls Sanktionen verhängt werden.

Westlichen Diplomatenkreisen zufolge hoffen die EU-Staaten auf eine schnelle Abstimmung im Sicherheitsrat. Allerdings lehnen die Veto-Mächte Russland und China jegliche Einmischung in Syrien ab. Auch Indien, Brasilien und Südafrika äußerten Einwände. Die USA erklärten dagegen bereits ihre Bereitschaft, die Resolution zu unterstützen, in der keine militärischen Schritte gefordert werden. "Das syrische Volk hat sehr klar gemacht, dass es keine ausländische Militärintervention will", sagte die UN-Botschafterin der USA, Susan Rice.