Eine Sitzung des UN-Sicherheitsrats in New York © Stan Honda/AFP/Getty Images

Die Gewalt des syrischen Regimes gegen die eigene Bevölkerung hat nach Einschätzung der Vereinten Nationen eine neue Dimension erreicht. Seit Beginn des Konflikts seien mehr als 1.500 Zivilisten getötet worden, sagte Oscar Fernandez-Taranco, der stellvertretende Leiter der politischen Abteilung der UN.

In der von Deutschland beantragten Sondersitzung des UN-Gremiums in New York sprach Fernandez-Taranco von einer "alarmierenden Eskalation" der Gewalt in Syrien. Der Militäreinsatz am Sonntag in der Stadt Hama habe nach glaubwürdigen Berichten bis zu 140 Menschen das Leben gekostet.

Das Militär schieße wahllos auf Zivilisten, sagte der Argentinier nach Angaben westlicher Diplomaten. Mehr als 12.000 Menschen seien inzwischen von Militär und Geheimdiensten als politische Gefangene inhaftiert worden. Mindestens 3.000 Menschen seien verschwunden, darunter auch Kinder.

Die Militäroffensive ging am Montagabend nach Angaben von Aktivisten weiter. In Hama wurden mindesten zwei Menschen getötet. Dutzende seien verletzt worden. Der heftige Beschuss habe nach den Abendgebeten begonnen.

Clinton fordert Verurteilung der Führung in Syrien

Vor der Sitzung des UN-Sicherheitsrats hatte US-Außenministerin Hillary Clinton das Gremium zu einer Verurteilung der syrischen Führung aufgefordert. Diejenigen Mitglieder, die bislang jede Aufforderung an Präsident Baschar al-Assad blockiert hätten, müssten "ihre Positionen überdenken". "Wir rufen die internationale Gemeinschaft auf, sich in dieser kritischen Zeit hinter das syrische Volk zu stellen", sagte sie.

Clintons Appell richtete sich an die beiden ständigen Mitglieder des Rates und Vetostaaten Russland und China, die eine Resolution zu Syrien ablehnen. Für eine solche setzen sich Deutschland, die USA, Großbritannien, Frankreich und Portugal ein. Das Treffen endete am Montag ohne konkrete Ergebnisse oder eine Stellungnahme des Sicherheitsrates.

Aus Diplomatenkreisen verlautete, dass die westlichen Länder ihren Resolutionsentwurf überarbeiteten. Darin wird unter anderem ein Ende der Gewalt gegen Regierungsgegner und den Zugang der Vereinten Nationen zu den Protesthochburgen des Landes gefordert. Der Entwurf könnte demnach heute debattiert werden. Angesichts der zunehmenden Gewalt könnten die Vetostaaten Russland und China ihre Ablehnung gegen eine Resolution nach Einschätzung von Diplomaten aufgeben.