US-WahlkampfEin frommer Texaner begeistert die Republikaner
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Rick Perry nutzt seine Religiosität

Perry ist ein streng gläubiger evangelikaler Christ – und er weiß seine Religiosität zu nutzen. Vor knapp einer Woche lud er 30.000 Anhänger im Footballstadion von Houston zum Gebet. Inständig bat der Farmersohn und zweifache Familienvater Gott um Hilfe für sein Land und um Weisheit für den Präsidenten. Eine unpolitische Veranstaltung – wie Perry es behauptete – war der siebenstündige Massengottesdienst natürlich nicht. Die Unterstützung der christlichen Rechten hat schon einmal einen Gouverneur aus Texas in das Amt des Präsidenten getragen. Sie sind noch immer ein großes Wählerpotenzial, das tief in der amerikanischen Mitte verankert ist. Wenn Perry verliert, dann sicher nicht, weil er zu religiös ist.

Finanzielle Probleme muss Perry trotz seines späten Einstiegs in das Kandidatenrennen nicht befürchten, auch wenn er beim Fundraising noch etwas hinter den Konkurrenten liegt. Seine drei Kampagnen für das Amt des Gouverneurs haben gezeigt: Der Mann hat keinerlei Schwierigkeiten, das notwendige Geld für einen Wahlkampf zusammenzubekommen. Beobachter glauben, er werde innerhalb weniger Wochen bis zu zehn Millionen Dollar einsammeln.

Vom Demokraten zum Republikaner

Zumal da Perry der ultrakonservativen Tea-Party-Bewegung nahe steht: Auch er fordert eine liberale Wirtschaftspolitik, ist strikt gegen Steuererhöhungen und für hartes Sparen bei den Staatsausgaben. Auch wenn Perry seine politische Karriere als Demokrat begann und später die Seiten wechselte, dürfte es ihm relativ leicht fallen, die Kernschicht republikanischer Wähler anzusprechen. Gleichzeitig hilft ihm, dass Mitt Romney zwar derzeit noch bessere Aussichten für eine Kandidatur hat, aber in den Augen vieler Parteianhänger zu farblos auftritt.

Für Barack Obama muss dies alles noch keine Gefahr bedeuten – der Wahlkampf ist noch lang. Würde Perry allerdings tatsächlich die Kandidatur gewinnen, könnte er einige Punkte machen. Vor allem eine fortdauernde Krise würde ihm in die Hände spielen.

Noch ist nicht absehbar, welche Themen die Wahl im November 2012 entscheiden werden. Doch gleichwie – Perry wird die Mitte überzeugen müssen. Seine Einstellungen zu Todesstrafe, gleichgeschlechtlicher Ehe und Abtreibung werden die Frage in den Vordergrund rücken, ob die USA nach George W. Bush wirklich schon bereit für einen weiteren gottesfürchtigen Texaner im Weißen Haus sind.

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Leserkommentare
  1. Beten können wir auch!

    Die Liste der republikanischen Kandidaten ist gruselig und ihr Auftreten im Wahlkampf auch.

    So lasst uns also auch beten, wie Perry es vorgemacht hat:

    Gott schütze Amerika vor solchen Präsidenten!

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    Hab gerade auf CNN gesehen, dass Michele Bachmann die Testwahlen in Iowa gewonnen. [...]
    Ich verstehe aber ihre Kritik nicht... ich kann mir, für den Rest der Welt, versteht sich, eigentlich gar nichts schöneres vorstellen, als eine jener Tea Party Damen als amerikanischen Präsidenten vorstellen.
    Das wäre mir zum Feiern mal wieder eine echt teure Flasche Champagner wert....

    Teil entfernt. Bitte argumentieren Sie sachlich. Danke. Die Redaktion/wg

    ....eigentlich kaum der Rede wert.

    • Batico
    • 13. August 2011 19:36 Uhr

    Ich frage mich: was kann es noch weniger geben als diese beiden Optionen ?

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    Vielleicht nur Jobs?

    am Rande.

    • keox
    • 14. August 2011 12:22 Uhr

    Wenn man davon ausgeht, daß der wahre Gott längst Mammon heißt, dann erscheint der alte Gott nur noch als Hilfsgott mit einer allerdings sehr wichtigen Funktion.

    Der alte (liebe) Gott gibt den Tröster für die Opfer des Mammon, so weit so schlecht.

    Allerdings nichts Neues, alle Religionen integrierten 'alte Götter' in ihr System, anders läßt sich keine breite Akzeptanz erreichen.

  2. Vielleicht nur Jobs?

    am Rande.

    Antwort auf "Jobs und Gott"
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    Entfernt. Bitte bemühen Sie sich um sachliche Beiträge. Danke. Die Redaktion/wg

  3. von Obama haben. Gebrochene Versprechen in großer Menge, und bei der Untersützung der Wall Street da weiter gemacht, wo Bush aufgehört hat.

    Aber nun vielleicht einen "Bush 3" wählen, würde das Land endgültig ruinieren.

  4. Aber das ist es wohl, wonach sich viele Menschen sehnen und das nicht nur in der Vereinigten Staaten: Hoffnung und Sicherheit.

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    • -myway-
    • 13. August 2011 20:25 Uhr

    "Aber das ist es wohl, wonach sich viele Menschen sehnen und das nicht nur in der Vereinigten Staaten: Hoffnung und Sicherheit."

    Sorry, aber wo bringt es denn Hoffnung und Sicherheit, wenn praktizierte gleichgeschlechtliche Liebe wieder strafbar wird, und Juden missioniert werden?

    Also ich sehne mich nich mehr danach, da waren wir schon vor 100 Jahren.

    • keox
    • 14. August 2011 12:25 Uhr

    Ich denke es muß richtigerweise heißen:

    Hoffnung AUF Sicherheit.

    • alex099
    • 13. August 2011 19:44 Uhr

    Vor kurzem hat ein anderer frommer Texaner die USA in die Schuldenkrise getrieben, die das Land jetzt ausbaden muss.

    Außerdem denke ich nicht, dass man nur fromm ist, wenn man ständig demonstrativ betet. Jesus zum Beispiel selber hat kritisiert, dass Leute ihre Frömmigkeit offen zur Schau stellen und dann keine Taten folgen lassen.

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    Ich bin mir oftmals nichtmal sicher, ob diese Leute wirklich fromm sind. Auf mich wirkt das immer wie ein Mäntelchen, dass man sich anlegt, um beim einfachen Volk zu punkten. So ähnlich ist es wohl auch bei unseren christlichen Parteien. An der Basis mag der Glaube noch eine Rolle spielen, aber doch offensichtlich nicht mehr an der Spitze. Denn wie oft werden Entscheidungen getroffen, die christlichen Werten und Idealen wie der Nächstenliebe fundamental entgegenstehen. Gläubigkeit ist nur ein Label mit dem man sich bei den entsprechenden Zielgruppen besser verkaufen kann.

    • lewis_
    • 14. August 2011 10:55 Uhr

    Beim ersten Teil muss ich Ihnen teilweise reinreden, denn der gute Dabbelju war nicht der einzige Präsident, der Amerika in die Krise geführt hat. Das waren auch vor allem Clinton und Bush senior. Und ehrlich gesagt führt Obama die Sache größtenteils weiter. Das Problem ist ein systeminhärentes, für dessen Lösung es auch ein massives Umdenken im Großteil der amer. Bevölkerung bedarf, egal ob sie Demokraten oder Republikaner wählen.

    Beim zweiten Teil stimme ich Ihnen zu. Man lese hierzu mal Mt 6:5-8 Eine Stelle, wo Jesus über die vermeintlich ultrareligiösen und (mosaisch-) gesetzestreuen Pharisäern spricht. Es gitb nicht grundsätzlich etwas gegen öffentliches beten zu sagen, es kommt auf die Herzenshaltung an. Jedoch kann ich mir nicht vorstellen, dass so eine Massenveranstaltung Perrys unbehaftet von seiner politischen Agenda gewesen sein soll. Selbst falls er dies nicht beabsichtigt hätte, so hätte ihm schon aus Gründen der Vernunft klar sein müssen, dass in seiner Position so eine Veranstaltung Blödsinn ist und es eigentlich nur geheuchelt verstanden werden kann.

  5. Seit zwei Jahrzehnten arbeiten die US-Amerikaner hart an der Relativierung ihrer Rolle in der Welt und sie haben dabei bereits große Fortschritte erzielt. Sie können keine zwei kleinen Kriege mehr gleichzeitig führen und werden sogar aus finanziellen Gründen gezwungen ihre Streitkräfte zu verkleinern, während China und Indien massiv aufrüsten.

    Ihr Anteil an der Weltwirtschaft schrumpft von Jahr zu Jahr und damit auch die Bedeutung, die von ihrer Entwicklung für den Rest der Welt ausgeht. Ob nun zehn Millionen, zwanzig Millionen oder dreißig Millionen Amerikaner keinen Job haben, ist für den Rest der Welt nicht wirklich von Bedeutung.

    Deshalb verwundert es schon sehr, das der Frage welcher Zwerg Nase auf Seiten der Republikaner in den nächsten Präsidentschaftswahlkampf in einem Jahr (!) geschickt wird, so eine große Aufmachung erhält. Viel wichtiger wäre es doch - gerade für Deutschland - mehr darüber zu erfahren wie die Machtverhältnisse in China sind und wer sich anschickt in Zukunft in Indien die Macht zu übernehmen. Zumindest hin und wieder darüber zu berichten wäre wichtiger, als Wasserstandsmeldungen aus der amerikanischen Provinz als weltpolitisch bedeutend verkaufen zu wollen.

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    • zappp
    • 15. August 2011 10:51 Uhr

    So ein naiv-religöser Hinterwäldler aus der Provinz könnte bald erneut Oberbefehlshaber der nachwievor mächtigsten Militärmaschine der Welt werden. Selbst wenn er diese Rolle nur spielt musse er eine Aussen- und Sicherheitspolitik machen, die mit dieser Rolle zusammenpasst, bzw. die sich mit den Interessen seiner Wahlkampffinanziers deckt. Solche Leute sind brandgefährlich, weil sie ihre persönlich-eigenwillige Auslegung der heiligen Schrift als nicht diskutierbare Axiome darstellen. Von "Du sollst nicht töten." bleibt dann nur ein millitantes Abtreibungsverbot übrig.

    Der von "W" Bush angezettelte Krieg im Irak mag Unrecht gewesen sein. Viel schlimmer ist, dass es ein Misserfolg war, verursacht durch eine grandiose, ideologisch bedingte Fehleinschätzung der Lage. Diese Fehleinschätzung hat "W" nicht alleine zu vertreten, sondern die Gesamtheit seiner Berater, konservative Thinktanks sowie hochkarätige Mitläufer wie Colin Powell. Vielleicht sehen "W"'s Wahlkampfspendes das ganze nicht als Misserfolg: lukrative Aufträge für die Rüstungsindustrie, mehr Geschäft für die Ölindustrie, vor allem aber durch die Verschuldung eingeschränkter Handlungsspielraum für den demokratischen Nachfolger.

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