Entwicklungshilfe Planlos in Afghanistan

Zehn Jahre Afghanistan-Krieg, zehn Jahre verfehlte Entwicklungshilfe am Hindukusch - und noch immer fehlt der internationalen Gemeinschaft ein Konzept. Ein Gastbeitrag

Ein US-Soldat kontrolliert einen Afghanen in der Nähe von Bangi.

Ein US-Soldat kontrolliert einen Afghanen in der Nähe von Bangi.

Vor fast zehn Jahren, am 7. Oktober 2001, begann der Krieg in Afghanistan, fast ebenso lange unterstützt die internationale Gemeinschaft das Land mit Entwicklungshilfe. Doch trotz aller Bemühungen: Afghanistan ist auch heute weder politisch stabil, noch wirtschaftlich tragfähig. Sicherheit gibt es nicht einmal mehr in der Nähe des Hauptquartiers der Internationalen Schutztruppe Isaf und der US-Botschaft in Kabul. Das haben die Gefechte zwischen Aufständischen und Sicherheitskräften kürzlich einmal mehr gezeigt.

Die Strategie der internationalen Gemeinschaft hat großen Anteil an dieser ernüchternden Bilanz. So wurden beispielsweise viele Hilfeleistungen an kurzfristige militärische Ziele und Zeitvorgaben gekoppelt, weil die Geldgeber rasche Fortschritte vorweisen wollten. Auch in der US-Aufstandsbekämpfungsdoktrin ist diese Strategie verankert: Hilfsmaßnahmen sollen militärische Gewinne konsolidieren, so sieht es die Richtlinie vor. Das Konzept war nicht nur überwiegend erfolglos, sondern auch kontraproduktiv.

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Gabriela Keseberg Dávalos

ist Senior Communications Officer bei der International Crisis Group.

Zwar konnten durch schnell wirkende Stabilisierungsprojekte – zivil oder militärisch geführt – manche Gebiete von den Taliban zurückerobert werden. Vertrauen in der Bevölkerung entstand dadurch nicht. Im Gegenteil: Auch nichtstaatliche Organisationen kamen dadurch in Bedrängnis, denn die Strategie unterschied nicht zwischen bedarfsorientierter Hilfe und militärischen Anstrengungen. NGOs mussten sich den Vorwurf gefallen lassen, Teil der Militärkampagne zu sein, ihre Neutralität und Unabhängigkeit wurde infrage gestellt.

Sophie Desoulieres

ist Analystin für Südasien.

Die Vermischung militärischer und ziviler Aufgaben hatte schon 2002 begonnen. Damals gründeten die USA sogenannte Provincial Reconstruction Teams (PRTs), die dem Militär eine führende Rolle bei der Wiederaufbauhilfe in unsicheren Gebieten einräumten. Unklar blieb aber schon seinerzeit, unter welchen Bedingungen und zu welchem Zeitpunkt die Führungsrolle bei Wiederaufbauprojekten vom Militär auf zivile Stellen übergehen sollte. Auch darüber, wann sich die PRTs ganz zurückziehen sollten, gab es keinerlei Vorgaben – ein folgenreicher Fehler.

Denn längst ist die internationale Gemeinschaft dabei, ihren Truppenrückzug zu planen. Gut möglich, dass dann Fördermittel und Zivilpersonal im gleichen Tempo wie die militärische Präsenz abgebaut werden. Das würde die Überwachung und Nachhaltigkeit etwaiger Aufbau- und Entwicklungserfolge massiv gefährden.

Leser-Kommentare
  1. Überflüssig.
    Unsere Regierung hat weder die Kraft noch die Möglichkeit strukturierte Konzepte zu entwickeln.
    Da gibt es in unserer Gesellschaft zu wenig Fortschrittsantrieb. Solange wir uns mit uns selbst begnügen und auf die Schulter klopfen, sind wir nicht in der Lage gesellschaftl. komplizierte Fälle zu lösen. Da sollten wir schon einmal einen Entwicklungsprozess in den eigenen Reihen anschmeißen. Wissen ist genug da, aber die Politik kann nicht mehr leisten, als sich selbst zu verwalten.

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    Ich stimme Ihnen voll und ganz zu, wir sind mit unseren bisherigen Denkmustern am Ende!
    Die ungelösten Konflikte auf dem Balkan, Irak und Afghanistan zeigen, dass wir mit unserer Politik AM ENDE sind.

    Nur in den NGOs gibt es noch den Hoffnungsschimmer vernünftigen Handelns. Es ist bitter, dass in unseren "Demokration" gerade die NICHTregierungsorganisationen die beste Arbeit leisten.

    Warum ist das so?

    Weil Handeln nach Werten anstatt Egoismus fast nur noch in den NGOs stattfindet während die Hauptakteure in Politik und Wirtschaft den Egoismus als einzig geltende Maxime vorleben.

    Doch genau dieser Egoismus lässt uns scheitern, immer wieder, mit grausamer Zuverlässigkeit.

    Ich stimme Ihnen voll und ganz zu, wir sind mit unseren bisherigen Denkmustern am Ende!
    Die ungelösten Konflikte auf dem Balkan, Irak und Afghanistan zeigen, dass wir mit unserer Politik AM ENDE sind.

    Nur in den NGOs gibt es noch den Hoffnungsschimmer vernünftigen Handelns. Es ist bitter, dass in unseren "Demokration" gerade die NICHTregierungsorganisationen die beste Arbeit leisten.

    Warum ist das so?

    Weil Handeln nach Werten anstatt Egoismus fast nur noch in den NGOs stattfindet während die Hauptakteure in Politik und Wirtschaft den Egoismus als einzig geltende Maxime vorleben.

    Doch genau dieser Egoismus lässt uns scheitern, immer wieder, mit grausamer Zuverlässigkeit.

  2. Ich stimme Ihnen voll und ganz zu, wir sind mit unseren bisherigen Denkmustern am Ende!
    Die ungelösten Konflikte auf dem Balkan, Irak und Afghanistan zeigen, dass wir mit unserer Politik AM ENDE sind.

    Nur in den NGOs gibt es noch den Hoffnungsschimmer vernünftigen Handelns. Es ist bitter, dass in unseren "Demokration" gerade die NICHTregierungsorganisationen die beste Arbeit leisten.

    Warum ist das so?

    Weil Handeln nach Werten anstatt Egoismus fast nur noch in den NGOs stattfindet während die Hauptakteure in Politik und Wirtschaft den Egoismus als einzig geltende Maxime vorleben.

    Doch genau dieser Egoismus lässt uns scheitern, immer wieder, mit grausamer Zuverlässigkeit.

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  3. Beispiele für Handeln nach Werten, das übrigens die EINZIGE Maxime für ein erfülltes Dasein ist, gibt es aber weiterhin. Aber im Staat, im öffentlich kontrollierten Leben nimmt es beständig ab.

    Die Parallelstrukturen der NGOs, gemeinnütziger Vereine, Stiftungen fangen einen Teil des durch Egoismus und Barbarei entstandenen Schadens ab. Leider nur ein kleiner Teil.

    Was für persönliche Folgen hat das?
    Immer mehr wende ich mich vom Staatensystem ab weil es mehr und mehr versagt.

  4. Sogenannte Entwicklungsländer wirtschaftlich abhängig von internationalen Konzernen zu halten ist doch gerade der Sinn der Sache! Und Deutschland ist seit Amtsantritt unseres neoliberalen "Feldniebels" in dieser internationalen Disziplin endlich unter den Spitzenreitern.

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    Sagen Sie doch mal, was gemacht werden soll und inwiefern
    Herr Niebel eine schlechtere Politik macht als die rote
    Heide?

    - Vetternwirtschaft statt kompetenter Fachleute: Um FDP Schergen ein Pöstchen zu organisieren hat er das gesamte Ministerium umgekrempelt und Kompetenz durch Parteibuch ersetzt - vorteilhaft?
    - Hilfsaktionen NICHT mit der BW koppeln: Denn dadurch entsteht bei denjenigen, denen geholfen werden soll der Eindruck, als würden sie mit dem gegnerischen Militärs (aus Sicht von z.B. Taliban) kollaborieren. Wer logisch denkt ahnt, dass das für die Betroffenen sehr unvorteilhaft ausgehen kann
    - lokale geographische und topographische Gegebenheiten ausnutzen und so helfen einen Binnenmarkt und evt. sogar eine bescheidene Exportwirtschaft aufzubauen (z.B. durch Hanf, eine der wenigen Nutzpflanzen, die in Afghanistan überall wächst, zur Herstellung von klimafreundlichem Papier usw.usf.)
    - energieautarke Kleinstlogistik, z.B. Elektro-Rikschaws mit Solardächern, so dass auch entfernte Dörfer kleine Mengen ihrer Waren zum nächstgelegenen Markt fahren können, ohne in die gleiche Abhängigkeit der Mineralölindustrie zu geraten, wie wir es ihnen vorgemacht haben.
    Und ich habe noch nicht einmal einen Plan von Entwicklungshilfe! Allerdings haben Sie natürlich in einem Punkt Recht: Unter keiner Regierung wird Entwicklungspolitik für die "Kunden" gemacht, sondern immer und ausschließlich zum Vorteil der deutschen Wirtschaft. In punkto "Niebelbashing" stimme ich Ihnen also gerne zu.

    Sagen Sie doch mal, was gemacht werden soll und inwiefern
    Herr Niebel eine schlechtere Politik macht als die rote
    Heide?

    - Vetternwirtschaft statt kompetenter Fachleute: Um FDP Schergen ein Pöstchen zu organisieren hat er das gesamte Ministerium umgekrempelt und Kompetenz durch Parteibuch ersetzt - vorteilhaft?
    - Hilfsaktionen NICHT mit der BW koppeln: Denn dadurch entsteht bei denjenigen, denen geholfen werden soll der Eindruck, als würden sie mit dem gegnerischen Militärs (aus Sicht von z.B. Taliban) kollaborieren. Wer logisch denkt ahnt, dass das für die Betroffenen sehr unvorteilhaft ausgehen kann
    - lokale geographische und topographische Gegebenheiten ausnutzen und so helfen einen Binnenmarkt und evt. sogar eine bescheidene Exportwirtschaft aufzubauen (z.B. durch Hanf, eine der wenigen Nutzpflanzen, die in Afghanistan überall wächst, zur Herstellung von klimafreundlichem Papier usw.usf.)
    - energieautarke Kleinstlogistik, z.B. Elektro-Rikschaws mit Solardächern, so dass auch entfernte Dörfer kleine Mengen ihrer Waren zum nächstgelegenen Markt fahren können, ohne in die gleiche Abhängigkeit der Mineralölindustrie zu geraten, wie wir es ihnen vorgemacht haben.
    Und ich habe noch nicht einmal einen Plan von Entwicklungshilfe! Allerdings haben Sie natürlich in einem Punkt Recht: Unter keiner Regierung wird Entwicklungspolitik für die "Kunden" gemacht, sondern immer und ausschließlich zum Vorteil der deutschen Wirtschaft. In punkto "Niebelbashing" stimme ich Ihnen also gerne zu.

  5. ...das war alles nur Blendwerk.

    Amerika, im speziellen die Profitruppe um Cheney, wollte die Rache für billiges Geld. Also wurden fröhlich all die Warlords angeheuert, die damals soviel Anarchie angerichtet hatten, das die Taliban überhaupt erst hoch kommen konnten.

    Bis Amerika gerafft hatte das die Pakistanis sie nur am Nasenring spazieren führen war es zu spät.

    Amerika hat sich in zwei überflüssigen Kriegen ruiniert und die Europäer haben für solch eitles Tun auch kein Geld mehr.

    Strategisch ist das Interesse an Afghanistan ohnehin begrenzt, das eigentliche Problem ist der pakistanisch-indische Konflikt.
    Wird der gelöst, löst sich Afghanistan von selbst, da Pakistan dann dort keine strategische Unruhe mehr erzeugt.

    Die Autoren meinen es gut, aber sind blind für das eigentliche Problem.

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    Sie nehmen den Artikel zu ernst... checken sie einfach mal wer hinter "International Crisis Group" steckt... US Politiker und sogar Wesley Clark, ein Mann dessen Beruf "Krieg" ist.

    Solche Leute könnten nie verstehen, dass man mit einer militärischen Invasion keine Freiheit oder Entwicklung, gar in ein mittlealterliches Land, bringen kann...

    Solche Herrschaften sind es auch nicht gewöhnt, dass man ihre "guten" Absichten hinterfragt und als die pure Heuchelei sieht, die sie nun mal sind. Sie werden dazu in Beiträgen aus solchen Quellen nichts finden...

    Zeitverschwendung......

    Sie nehmen den Artikel zu ernst... checken sie einfach mal wer hinter "International Crisis Group" steckt... US Politiker und sogar Wesley Clark, ein Mann dessen Beruf "Krieg" ist.

    Solche Leute könnten nie verstehen, dass man mit einer militärischen Invasion keine Freiheit oder Entwicklung, gar in ein mittlealterliches Land, bringen kann...

    Solche Herrschaften sind es auch nicht gewöhnt, dass man ihre "guten" Absichten hinterfragt und als die pure Heuchelei sieht, die sie nun mal sind. Sie werden dazu in Beiträgen aus solchen Quellen nichts finden...

    Zeitverschwendung......

  6. Wiederaufbau? Mit welchen Zielen? Welche Infrastruktur? Welche Gesamtziele für die Regionen?

    Planlos in Afghanistan

    Eine Leser-Empfehlung
  7. Sie nehmen den Artikel zu ernst... checken sie einfach mal wer hinter "International Crisis Group" steckt... US Politiker und sogar Wesley Clark, ein Mann dessen Beruf "Krieg" ist.

    Solche Leute könnten nie verstehen, dass man mit einer militärischen Invasion keine Freiheit oder Entwicklung, gar in ein mittlealterliches Land, bringen kann...

    Solche Herrschaften sind es auch nicht gewöhnt, dass man ihre "guten" Absichten hinterfragt und als die pure Heuchelei sieht, die sie nun mal sind. Sie werden dazu in Beiträgen aus solchen Quellen nichts finden...

    Zeitverschwendung......

  8. Es ist schon nach 12. Alle im Artikel genannten Punkte sind seit langem bekannt. Es wurde nicht akzeptiert, das Entwicklunghilfe hilft, Probleme zu lösen. Die Taliban wurden als rein militärisches Problem verstanden. Diese Sichtweise muss scheitern.
    Die positive Seite ist, dass der Westen akzeptiert hat, dass er Afghanistan nicht beherrschen kann. Nach dem Abzug dürfen sich die Afghanen wieder allein um ihre Probleme kümmern. Vielleicht sind dann die meisten glücklicher, in Afghanistan und im Westen.

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