9/11 Al-Qaida setzt auf Einzelkämpfer

Zu großen Anschlägen ist al-Qaida zehn Jahre nach 9/11 nicht mehr fähig. Die Terrororganisation will jedoch mit Einzeltätern Angst schüren. Ein Gastbeitrag

Der getötete Al-Qaida-Chef Osama bin Laden auf einem Plakat im Gazastreifen

Der getötete Al-Qaida-Chef Osama bin Laden auf einem Plakat im Gazastreifen

Al-Qaida ist heute, zehn Jahre nach den Anschlägen vom 11. September 2001, so schwach nie zuvor. Nachrichtendienste und unabhängige Experten sind sich weitgehend einig, dass die Terrororganisation keine strategische Bedrohung mehr darstellt, also keine international koordinierten und groß angelegten Anschläge im Stil von 9/11 verüben kann.

Auch die gezielten Tötungen hochrangiger Führungskader in den letzten Monaten zeigen, wie angeschlagen die gefürchtete Mördertruppe ist. Daran ändern auch begrenzte Erfolge wie im Jemen nichts. Und auch al-Qaidas Propagandastory, die Geschichte vom gerechten, heiligen Verteidigungskrieg gegen die Juden und Kreuzfahrer, findet laut Umfragen zunehmend weniger Anhänger.

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Der Autor

Alexander Ritzmann ist Gastwissenschaftler am Brandenburgischen Institut für Gesellschaft und Sicherheit in Potsdam. Seine Schwerpunkte sind Extremismus, Terrorismus und Nationale Sicherheit.
 

Und trotzdem stehen gerade westliche Regierungen vor neuen Herausforderungen: Sie müssen einerseits mit inhaftierten Terroristen umgehen und andererseits jene große Mehrheit der Muslime unterstützen, die al-Qaidas Ideologie ablehnt. Und sie müssen al-Qaidas neuer Strategie der Einzelkämpfer etwas entgegensetzen.

Aus Sympathisanten sollen Einzeltäter werden

Al-Qaida musste schmerzhaft erkennen, dass Nachrichtendienste zentral gesteuerte Terrorzellen leichter ausspähen und bekämpfen können. Durch einen "Dschihad für Jedermann" soll die Steuerung von oben deshalb auf das notwendige Minimum reduziert werden. Al-Qaida zeigt stattdessen ihren willigen Anhängern via Propagandamedien, wie man eine Bombe in der Küche bastelt oder wie man einen Geländewagen mit Rasenmäher-Schneideblättern in eine Mordmaschine umbaut. Aus Anhängern sollen Einzeltäter werden, die nicht mehr in die Ausbildungslager reisen, sondern Anschläge im Westen vor der eigenen Haustür verüben.

Falls ein Einzeltäter sich vor seiner ersten Tat so verhält, wie von al-Qaida gefordert, also mit absolut niemandem über seine Pläne spricht, läuft der größte Teil der staatlichen Überwachungsmaßnahmen ins Leere. Eine erfolgreiche Anti-Einzeltäter-Strategie muss deshalb an der größten Schwäche dieser Lone-Wolf-Strategie ansetzen: der mangelnden Pro­fes­si­o­na­li­tät der Terroristen. Die meist fehlende oder unzureichende Ausbildung führte bisher häufig dazu, dass Einsame Wölfe beim Ausspähen des Anschlagsziels auffielen und rechtzeitig festgenommen werden konnten.

Zeitleiste
Was seit 9/11 geschah
Der 11. September 2001

Um 8.46 Uhr stürzt ein Passagierflugzeug in den Nordturm des World Trade Centers in New York. Als um 9.03 Uhr eine zweite Maschine den Südturm trifft, ist klar: Amerika wird angegriffen. In Washington rast um 9.37 Uhr ein weiteres Flugzeug ins Pentagon. Ein viertes, welches wohl das Kapitol treffen sollte, stürzt um 10.03 Uhr in der Nähe von Pittsburgh ab. Zu den Anschlägen bekennt sich al-Qaida. Mindestens 2989 Menschen sterben.
 

Krieg in Afghanistan

Am 7. Oktober 2001 beginnt der Krieg in Afghanistan. Er ist gegen die Taliban und al-Qaida gerichtet, die in Afghanistan Ausbildungslager unterhält. Der Einsatz stützt sich auf die UN-Resolution 1368. Ende 2001 beginnt die Isaf-Mission, ein friedenserzwingender Einsatz mit UN-Mandat, der bis heute andauert. Bislang fielen mehr als 2.700 Soldaten, darunter 53 deutsche. Noch viel höher ist die Zahl der getöteten Zivilisten; allein 2010 starben 2.777

Patriot Act

Als Reaktion auf die Terroranschläge vom 11. September sowie eine Anthrax-Anschlagsserie auf Nachrichtensender und Senatoren verabschiedet der US-Kongress am 25. Oktober 2001 ein neues Bundesgesetz. Die Abgeordneten nennen es "USA PATRIOT Act" (Uniting and Strengthening America by Providing Appropriate Tools Required to Intercept and Obstruct Terrorism Act): "Gesetz zur Stärkung und Einigung Amerikas durch Bereitstellung geeigneter Instrumente, um Terrorismus aufzuhalten und zu blockieren". Im November 2001 verschärft Bush das Bundesgesetz durch den Zusatz, dass Terrorverdächtige, die nicht die US-Staatsbürgerschaft besitzen, von nun an zu unbeschränkter Haft verurteilt werden können. Das Gesetz wurde seither mit zahlreichen Erweiterungen ausgestattet und ist noch heute gültig.

"Schuhbomber" gestoppt

Am 22. Dezember 2001 scheitert der Versuch des Briten Richard Reid, ein Flugzeug auf dem Weg von Paris nach Miami zum Absturz zu bringen. Die Menge an Plastiksprengstoff, die er dazu in seinem Schuh versteckte, hätte dafür ausgereicht. Doch als Reid den Sprengsatz zünden will, wird er überwältigt. Reid sagt später aus, im Namen von al-Qaida gehandelt zu haben. Er wird zu dreimal lebenslang plus 200 Jahren Haft verurteilt. 

Die Bundeswehr in Afghanistan

Mit der Schlacht um den Höhlenkomplex Tora Bora beginnt im Dezember 2001 der deutsche Afghanistan-Einsatz. Die Spezialkräfte leisten im Rahmen der Operation Enduring Freedom Aufklärungs- und Abriegelungsarbeiten. Im Januar 2002 beginnt für die Bundeswehr der Isaf-Einsatz. Im Juli 2005 übernimmt Deutschland die Führung des Regionalkommandos Nord. Rund 5.000 Bundeswehrsoldaten sind in Afghanistan stationiert

Guantánamo-Erweiterung

Im Januar 2002 lässt die Bush-Regierung den Marinestützpunkt Guantánamo Bay auf Kuba um ein Internierungslager erweitern. Dort werden Terrorverdächtige festgehalten – ohne Anklage und oft ohne Rechtsbeistand. Geständnisse werden bisweilen unter Folter oder ihrer Androhung erpresst. Im Januar 2009 verfügt Barack Obama die Schließung des Lagers. Der Plan scheitert. 171 Gefangene sind noch in Guantánamo.

Bombenanschlag auf Djerba

Am 11. April 2002 sterben durch einen Anschlag auf der tunesischen Insel Djerba 21 Touristen, darunter 14 Deutsche. Die Urlauber besuchen die al-Ghriba-Synagoge, als ein Lastwagen mit rund 5000 Litern Flüssiggas das Gebäude rammt und explodiert. Später bekennt sich al-Qaida zu dem Anschlag. Im Januar 2009 beginnt in Paris ein Prozess, unter anderem gegen den Deutschen Christian Ganczarski. Er wird zu 18 Jahren Haft verurteilt.

Ground Zero vom Schutt befreit

Die Räumung des Trümmerfeldes am Ground Zero wird im Mai 2002 nach acht Monaten Arbeit offiziell für beendet erklärt. Ausgewählte Überreste der zerstörten Türme, Autowracks und Flugzeugteile werden aufbewahrt. Gemeinden, Hilfsorganisationen und Privatpersonen können einzelne Erinnerungsstücke beantragen und ausstellen. Eines der Trümmerteile wird bald in Oberviechtach in der Oberpfalz stehen. 

Bombenanschläge auf Bali

Durch den bislang schwersten Terroranschlag in der indonesischen Geschichte werden auf der Insel Bali am 12. Oktober 2002 insgesamt 202 Menschen getötet. 209 Personen werden zum Teil schwer verletzt. Ein Selbstmordattentäter zündet eine Bombe direkt in einer Bar, eine Autobombe vor einem zweiten Lokal reißt weitere Menschen in den Tod. Zu der Tat bekennt sich die radikalislamistische Terrororganisation Jemaah Islamiyah.

Kriegsbeginn im Irak

George W. Bush stellt dem irakischen Präsidenten Saddam Hussein am 18. März 2003 ein Ultimatum, das Land zu verlassen. Als Hussein nicht reagiert, greift die so genannte Koalition der Willigen unter Führung der USA den Irak an. Es ist ein völkerrechtswidriger Krieg. Am 9. April nehmen die Streitkräfte die irakische Hauptstadt Bagdad ein. Seit 2003 starben im Irak fast 4.500 US-Soldaten und mehr als 100.000 Zivilisten. 

Anschlagsserie in Istanbul

Binnen einer Woche erschüttern zwei islamistisch motivierte Terroranschläge Istanbul. Am 15. November 2003 explodieren zwei Autobomben vor dem größten jüdischen Gotteshaus Neve Shalom und vor der Beth-Israel-Synagoge. Es sterben 24 Menschen, 240 werden verletzt. Fünf Tage später explodiert ein Kleinlaster vor einer britischen HSBC-Bank. 33 Menschen kommen ums Leben, 400 weitere werden verletzt.

Der Folterskandal von Abu Ghraib

Im Mai 2004 werden Fotos und Filme aus dem Militärgefängnis Abu Ghraib im Irak bekannt. US-amerikanische Geheimdienst- und Gefängnismitarbeiter quälten dort Gefangene mit brutalen Methoden. Das Gefängnis war bereits unter Saddam Hussein berüchtigt, nach der Besetzung wurde es von der US-Armee zum Teil als Basis umgebaut. Die Bilder aus Abu Ghraib fügen dem Ruf der USA vor allem in muslimischen Ländern erheblichen Schaden zu. 

Saddam Hussein wird festgenommen

In einem Erdloch in der Nähe seiner Heimatstadt Tikrit fassen amerikanische Besatzungstruppen den ehemaligen irakischen Machthaber Saddam Hussein. Nach Darstellung der USA hatte ihnen ein ehemaliger irakischer Geheimdienstler das Versteck des Diktators verraten. Saddam Hussein wird am 5. November 2006 in Bagdad zum Tode durch Erhängen verurteilt. Am 30. Dezember 2006 wird das Urteil in der Stadt al-Kadhimiya vollstreckt.

Anschläge auf Pendlerzüge in Madrid

Der islamistische Terrorismus erreicht Europa. Am 11. März 2004 kommen durch Bombenanschläge auf vollbesetzte Pendlerzüge in der spanischen Hauptstadt Madrid 191 Menschen ums Leben, mehr als 2.000 werden verletzt. Der damalige spanische Regierungschef José María Aznar hält eisern an der These fest, die Anschläge seien von baskischen Eta-Separatisten verübt worden. Seine Partei verliert die Wahl drei Tage später. 

Luftsicherheitsgesetz in Deutschland

Die Bundesregierung beschließt immer neue Anti-Terror-Gesetze. Das Luftsicherheitsgesetz vom Januar 2005 wird schon ein Jahr später durch das Bundesverfassungsgericht für verfassungswidrig erklärt. Ebenfalls vom höchsten deutschen Gericht kassiert wird die Regelung zur Vorratsdatenspeicherung. In Kraft sind dagegen weiterhin das Terrorismusbekämpfungsgesetz sowie die Neuregelung des BKA-Gesetzes. 

Anschläge auf die Londoner U-Bahn

Eine weitere europäische Metropole wird zum Ziel islamistischer Terroristen: In den frühen Morgenstunden des 7. Juli 2005 sprengen sich in London vier "Rucksackbomber" in die Luft – drei von ihnen in vollbesetzten U-Bahnzügen, einer in einem Doppeldeckerbus. Sie reißen 52 Menschen mit in den Tod und verletzen mehr als 700. Nur wenige Tage später, am 21. Juli, scheitert eine weitere Anschlagserie in der Londoner U-Bahn. Die Sprengsätze detonieren nicht.

Der Fall Murat Kurnaz

Ende 2005 wird der Fall des Guantánamo-Häftlings Murat Kurnaz bekannt. Der aus Bremen stammende Türke reiste kurz nach 9/11 nach Pakistan. Er gerät in US-Gefangenschaft, wird als Gotteskrieger beschuldigt und nach eigenen Angaben in Guantánamo gefoltert. Der Fall bringt den damaligen Außenminister Frank-Walter Steinmeier in Erklärungsnot, weil es bereits 2002 Angebote zur Freilassung Kurnaz' gab. Erst 2006 kommt er frei.

Terroranschläge auf Mumbais Nahverkehr

Mitten im Feierabendverkehr des 11. Juli 2006 erschüttern sechs Explosionen in Nahverkehrszügen die indische Millionenmetropole Mumbai. 209 Menschen sterben dabei, 714 werden verletzt. 2008 wird Mumbai nochmals Schauplatz eines Terroranschlags: Terroristen greifen mit Handgranaten und Schnellfeuerwaffen zehn Ziele in der Stadt an, besetzen das Luxushotel "Taj Mahal" und nehmen Geiseln. Fast 200 Menschen verlieren dabei ihr Leben.

Die "Kofferbomber" scheitern

Ein Konstruktionsfehler verhindert am 31. Juli 2006 zwei Bombenexplosionen in Deutschland. Die beiden Täter hatten am Kölner Hauptbahnhof Gepäckstücke, die mit Sprengsätzen präpariert waren, in zwei Regionalzügen deponiert. Die Zerstörungskraft der Bomben war vergleichbar mit denen, die 2005 in London eingesetzt wurden. Einer der Täter wird in Deutschland zu lebenslanger, der zweite in Beirut zu zwölf Jahren Haft verurteilt.

Die Sauerland-Gruppe fliegt auf

Am 4. September 2007 setzen Fahnder die vier Mitglieder einer deutschen Terrorzelle fest. Sie wird unter dem  Namen "Sauerland-Gruppe" bekannt, weil sie in dieser Region festgenommen wird. Im Dienst der Islamischen Dschihad Union (IJU) planten sie Anschläge auf US-Soldaten, dies geben sie später vor Gericht zu. Ihr Ziel sei der Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan gewesen. Sie werden zu teils langen Haftstrafen verurteilt.

Machtwechsel in den USA

Nach acht Jahren George W. Bush wählt Amerika am 2. November 2008 einen Neuanfang. Barack Obama erbt von seinem Vorgänger zwei Kriege. Jenen im Irak, gegen den er sich schon als Senator ausgesprochen hatte, will er möglichst rasch beenden. Im Laufe des Jahres 2010 lässt er die letzten Kampftruppen abziehen. Obama legt sein Augenmerk stattdessen mehr auf Afghanistan. Eine massive Truppenaufstockung auf 130.000 Soldaten soll die Wende bringen. Anfangs gelingt das Unterfangen, viele Taliban-Führer werden festgenommen oder getötet. Doch im Laufe des Jahres 2010 wird der Krieg blutiger denn je. Die Taliban vermeiden offene militärische Auseinandersetzungen. Stattdessen verüben sie Anschläge und legen Sprengfallen. Beobachter halten einen ausufernden Bürgerkrieg für möglich.

Der verhinderte "Unterhosenbomber"

Am 25. Dezember 2009 versucht der Nigerianer Umar Faruk Abdulmutallab, einen Airbus mit 289 Menschen an Bord auf dem Flug von Amsterdam nach Detroit in die Luft zu sprengen. 80 Gramm des hochexplosiven Sprengstoffes PETN hat er in seiner Unterhose versteckt. Er wird überwältigt, als er den Sprengsatz zünden will. Der Fall lenkt die Aufmerksamkeit auf Jemen, wo Abdulmutallab zum Al-Qaida-Kämpfer ausgebildet wurde.

WikiLeaks-Veröffentlichungen

Die Internetplattform WikiLeaks veröffentlicht am 25. Juli 2010 fast 92.000 Dokumente über den Krieg in Afghanistan. Die US-Regierung kritisiert die Veröffentlichung der Aktenstücke scharf. Insbesondere das amerikanisch-pakistanische Verhältnis wird in der Folge dadurch belastet. Am 23. Oktober 2010 veröffentlicht WikiLeaks rund 400.000 Dokumente aus dem Irak-Krieg sowie wenig später tausende Botschaftsdepschen.

Bomben in Frachtflugzeugen

In zwei Frachtflugzeugen aus dem Jemen finden Ermittler in Nottingham und Dubai am 29. Oktober 2010 Paketbomben, die die Maschinen über der Ostküste der USA zur Explosion bringen sollten. Al-Qaida bekennt sich dazu und verkündet, künftig verstärkt Frachtmaschinen attackieren zu wollen. Die vereitelten Attentate offenbaren eine Schwachstelle im Kampf gegen den Terror: den Luftfrachtverkehr. Zusätzliche Kontrollen sind die Folge

Anschlag am Frankfurter Flughafen

Ein radikalislamistischer Kosovare erschießt am 2. März 2011 auf dem Frankfurter Flughafen zwei US-Soldaten. Der 21 Jahre alte Mann zückt vor einem Militärbus der amerikanischen Luftwaffe plötzlich eine Pistole und feuert neun Mal auf die Insassen. Er tötet zwei Soldaten und verletzt zwei weitere schwer. Es ist der erste geglückte islamistische Terroranschlag in Deutschland. Ende August beginnt in Frankfurt der Prozess gegen den Attentäter. 

Das Ende der Jagd auf bin Laden

Am 2. Mai 2011 erschießen US-Navy-Seals Osama bin Laden in dessen Anwesen im pakistanischen Abbottabad. Barack Obama verfolgt die von ihm befohlene Aktion zusammen mit Außenministerin Hillary Clinton und Mitarbeitern live. Unmittelbar nach der Bekanntgabe von bin Ladens Tod versammeln sich Tausende Menschen vor dem Weißen Haus in Washington und am Ground Zero in New York, um den Tod des Terroristenführers zu feiern. 

Ein Lone Wolf ist also weniger durch Herkunft oder Aussehen zu erkennen als durch sein Verhalten. Zur wirkungsvollen Bekämpfung von Einzeltätern müssen deshalb eine aufmerksame Bevölkerung, klassische Polizeiarbeit und nachrichtendienstliche Aufklärung zusammenwirken – allerdings ohne dass dabei eine Atmosphäre von Diskriminierung oder ein Überwachungsstaat entsteht.

Neben der direkten Abwehr der Terrorbedrohung ist es entscheidend, an der psychischen Widerstandsfähigkeit von Bevölkerung, Politik und Medien gegenüber terroristischen Bedrohungen zu arbeiten. Ein Einsamer Wolf kann vergleichsweise nur wenige Menschen töten. Doch er schürt die Angst, dass jedermann zu jeder Zeit an jedem Ort zuschlagen kann, und übt so großen Druck auf Öffentlichkeit und Politik aus.

Ebenso wichtig ist künftig der Umgang mit bereits inhaftierten Terroristen. Denn anders als in den USA, wo verurteilte Terroristen meist jahrzehntelange oder de facto lebenslängliche Haftstrafen verbüßen, werden die selbsternannten Heiligen Krieger in Deutschland und anderen europäischen Staaten Europas oft nach einigen Jahren guter Führung wieder in jene Gesellschaft entlassen, die sie zuvor angegriffen haben. Darauf zu vertrauen, dass allein die Haftzeit aus Terroristen rechtstreue Bürger macht, ist naiv.

Bestehende Entradikalisierungsprogramme in islamischen Ländern versuchen, mit Hilfe von Ex-Terroristen, religiösen Autoritäten und aktiver Wiedereingliederungshilfe nach der Haftentlassung, die Extremisten zumindest zum Gewaltverzicht zu bringen. Damit sind zwar kurzfristige Sicherheitsgewinne möglich, langfristig wäre die Rückfallquote aber hoch.

Europäische Entradikalisierungsprogramme sollten deshalb versuchen, auch das Weltbild der Extremisten zu verändern. Sie könnten auf den klassischen Resozialisierungskonzepten aus dem Strafvollzug aufbauen und zum Beispiel mit den Erfahrungen des deutschen Exit-Programms für Rechtsextremisten angereichert werden. Dabei müssten die persönlichen Konflikte des Häftlings, sein Bedürfnis nach Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft, seine Angst vor der Komplexität der freien Welt und ganz praktische Ausbildungs- und Berufsfragen behandelt werden.

Die Mainstream-Muslime unterstützen

Al-Qaidas Ziel ist es von Anfang an gewesen, im Nahen Osten ein von ihr geführtes Regime zu errichten. So soll die Welt von der Überlegenheit der eigenen Ideologie überzeugt werden. Im Kampf um weltliche Vorherrschaft und religiöse Interpretationshoheit wollen die Extremisten dabei den Mainstream-Muslimen ihren Willen mit Gewalt aufzwingen. Der Westen ist in erster Linie deshalb Terrorziel, weil er diesen Ambitionen von al-Qaida im Weg steht.

Die Extremisten verfügen über Netzwerke, finanzielle Unterstützung und oft auch eine spezielle Ausbildung. Mainstream-Muslime sind seltener politisch aktiv, sondern kümmern sich um ihre Arbeit, ihre Familien – genauso wie Nicht-Muslime. Denjenigen, die sich aktiv für die Vereinbarkeit von Islam und Demokratie einsetzen, fehlt häufig ein belastbares Netzwerk, finanzielle Unterstützung und es mangelt an öffentlicher Aufmerksamkeit.

Gerade in Europa und Nordamerika sollten deshalb geeignete muslimische Multiplikatoren, beispielsweise Aktivisten, Unternehmer, Schriftsteller, Medienleute, Studenten und andere, die zu Meinungsführern in ihren Communitys werden könnten, viel stärker als bisher gezielt gefördert werden. Wenn vor allem Informanten gewonnen oder Sicherheitskooperationen aufgebaut werden, könnten al-Qaidas Ziele eher unterlaufen werden.

Osama bin Laden wird mit den Worten zitiert, dass die Menschen sich, sollten sie ein schwaches und ein starkes Pferd sehen, immer dem starken zuwenden. Wenn es in den kommenden Jahren gelingt, die beschriebenen Herausforderungen zu meistern und al-Qaida weiter zu marginalisieren, dann darf er gerne Recht behalten.

 
Leser-Kommentare
  1. ...derzeit eher Artikel wie dieser.

    Aber irgendwie muß man ja die nächsten 30 Jahre Kolonial-...ups, "Anti-Terror"-Kriege begründen.

    "Ich glaube nicht, dass man diesen Krieg gewinnen kann. Ich glaube, wir kämpfen immer weiter. Es ist eigentlich ein bisschen wie im Irak… Ja, es gab enorme Fortschritte im Irak. Aber es gibt nach wie vor furchtbare Anschläge im Irak, und man muss wachsam sein. Man muss am Ball bleiben. Dies ist die Art des Kampfs, den WIR FÜR DEN REST UNSERES LEBENS erleben werden und wohl auch noch unsere Kinder."

    General Petraeus

    http://www.spiegel.de/kul...

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    Unsere Regierungen terrorisieren uns mit diesem Meldungen, um uns gefügig zu machen. Macht sie das nicht zu Regimen? Wie sollen verängstigte Bürger eine Demokratie bilden? Das geht überhaupt nicht. Jemand mit dem Lauf an der Schläfe hat keine Wahl. Über den "11.Sept" denkt inszwischen jeder was er will - das ist auch gut so. Hier ein Ausschnitt aus einem US-TV-Film vom März'01, wie man sich den 11.Sept damals gedacht hat:
    http://www.youtube.com/wa...
    Irgendwie lustige Idee, nicht wahr?

    Dann paßt ja seine Aussage perfekt.

    Unsere Regierungen terrorisieren uns mit diesem Meldungen, um uns gefügig zu machen. Macht sie das nicht zu Regimen? Wie sollen verängstigte Bürger eine Demokratie bilden? Das geht überhaupt nicht. Jemand mit dem Lauf an der Schläfe hat keine Wahl. Über den "11.Sept" denkt inszwischen jeder was er will - das ist auch gut so. Hier ein Ausschnitt aus einem US-TV-Film vom März'01, wie man sich den 11.Sept damals gedacht hat:
    http://www.youtube.com/wa...
    Irgendwie lustige Idee, nicht wahr?

    Dann paßt ja seine Aussage perfekt.

  2. Die Mär vom gefaehrlichen Einzeltaeter hatten wir doch kuerzlich erst. Meinen Kommentar dazu finde ich nicht, muss es aus einer anderen Zeitung sein. Sieht aber wohl eher nach einer Medienkampagne/PR-Aktion aus, als nach einem zufaelligen Gastkommentar...

    Einzeltaeter sind keine Terroristen sondern eher verkannte Amoklaeufer. Geistig kranke oder einfach nur verzweifelte Leute. Vernuenftige Betreuung und Finanzierung der Kindergaerten, Schulen und Unis sind da das Mittel der Wahl. Es ist realitaetsfern zu meinen, dass wir jeden Jugendlichen auf seine gewaltaetigen Tendenzen hin ueberwachen koennten.

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    ... wenn er auf die "Terrororganisation" al Kaida abgesprochen wird? "Das ist Quatsch. Es gibt keine Terrororganisation al Kaida. Al Kaida ist ein Mythos der Amerikaner."

    Übrigens ist Scholl-Latour der fast einzige Araber-Kenner seit 10 Jahren, dessen Meinungen und Ansichten sich in der Rücksicht als stichhaltig erwiesen haben. Das ganze andere Journalisten- und Politiker-Gewäsch über 9/11, Osama bin Laden und al Kaida wurde durch den Lauf der Geschichte bestenfalls als Kommentare Ahnungsloser schlechterenfalls als Propaganda entlarvt.

    ... wenn er auf die "Terrororganisation" al Kaida abgesprochen wird? "Das ist Quatsch. Es gibt keine Terrororganisation al Kaida. Al Kaida ist ein Mythos der Amerikaner."

    Übrigens ist Scholl-Latour der fast einzige Araber-Kenner seit 10 Jahren, dessen Meinungen und Ansichten sich in der Rücksicht als stichhaltig erwiesen haben. Das ganze andere Journalisten- und Politiker-Gewäsch über 9/11, Osama bin Laden und al Kaida wurde durch den Lauf der Geschichte bestenfalls als Kommentare Ahnungsloser schlechterenfalls als Propaganda entlarvt.

  3. 3. .....

    An beide Vorgänger. Auch ein einzelner Mensch kann zur Bedrohung werden. Das haben wir in Frankfurt vor kurzem geseehn, als ein islamistischer Kosovo-Albaner grundlos unschuldige US-Amerikaner töten wollte. Da hatte man noch das Glück, dass seine Waffe klempte. Dieses Glück könnten wir das nächste mal nicht haben. Und zu pepe. Ja, das ist ein Terrorist auch wenn er alleine ist. Ein Amokläufer ist was anders. Ein Amokläufer kämpft nicht gegen das bestehende politische System. Deswegen war der Terrorist in Norwegen ein Terrorist und kein Amokläufer. Während psychisch kranke Schüler die in der Schule ihre Mitschüler töten, ganz sicher keine Terroristen sind.

  4. Der 11.September 2001 wird immer wieder als Ausgangspunkt des sogenannten "war on terror" propagiert, obwohl viele Aussagen von Mitgliedern der Bush-Regierung bezüglich dieses Schicksalstages nachweislich nicht der Wahrheit entsprachen:

    „Nobody in our government at least, and I don't the think the prior government, could envisage flying air planes into buildings (George W.Bush)

    „I don't think anybody could have predicted that ... they would try to use an airplane as a missile, a hijacked airplane as a missile." (Condoleezza Rice)

    „There were no warning signs that I'm aware of that would indicate this type of operation in the country." (FBI Director Robert Mueller)

    Eine umfangreiche Sammlung von Zeitungs-und Onlineartikeln über die Verwicklungen westlicher Geheimdienste im muslimischen Extremismus, die Vertuschungen der US-Regierung nach den Anschlägen, das Vorabwissen diverser Nachrichtendienste, die Behinderung der 9/11 Commission und die physikalisch schwer vermittelbaren Einstürze der 3 WTC-Gebäude, findet sich hier:

    http://machtelite.wordpre...

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    Ich dachte, dass sowas nur 16-Jährige Kids an Hauptschulen noch glauben. Ich habe das damals sogar wirklich geglaubt.

    Ich dachte, dass sowas nur 16-Jährige Kids an Hauptschulen noch glauben. Ich habe das damals sogar wirklich geglaubt.

  5. 5. .....

    Ich dachte, dass sowas nur 16-Jährige Kids an Hauptschulen noch glauben. Ich habe das damals sogar wirklich geglaubt.

    Eine Leser-Empfehlung
  6. Unsere Regierungen terrorisieren uns mit diesem Meldungen, um uns gefügig zu machen. Macht sie das nicht zu Regimen? Wie sollen verängstigte Bürger eine Demokratie bilden? Das geht überhaupt nicht. Jemand mit dem Lauf an der Schläfe hat keine Wahl. Über den "11.Sept" denkt inszwischen jeder was er will - das ist auch gut so. Hier ein Ausschnitt aus einem US-TV-Film vom März'01, wie man sich den 11.Sept damals gedacht hat:
    http://www.youtube.com/wa...
    Irgendwie lustige Idee, nicht wahr?

    Antwort auf ""Angst schüren"..."
  7. Al Quaida war nie mehr als ein paar versprengte Eizeltäter, die es einige Male geschafft haben, mit sehr begrenzten Mitteln riesige mediale Wirkung zu entfalten. Der Rest ist reine Kriegspropaganda unserer Politiker, allen voran Bush und Konsorten.
    Ab und zu wird es auch in Zukunft vereinzelt Terror geben, damit muss die Welt leider leben. Die effektivste Waffe dagegen ist, eine gewisse Gleichgültigkeit an den Tag zu legen.
    Infolge der politischen Ausschlachtung von Terrorattentaten sind hunderttausende unschuldige Menschen in Afghanistan, Pakistan, Irak etc. umgebracht worden. Die sollten nicht vergessen werden.

  8. Wenn es wirklich so viele Terroristen in Deutschland geben würde, wie Politik und Medien glauben machen, würden uns täglich Bomben um die Ohren fliegen.
    In Berlin kann man gerade sehen, wieviel Schaden schon eine (vermeintlich kleine) Gruppe von mutmaßlichen Linken anrichten kann.

    Was lernt man daraus? Der Terror in Deutschland ist eine vernachlässigbare Gefahr; Ärztepfusch durch Überlastung, Verkehrsunfälle, Depression - all diese Dinge bringen Jahr für Jahr tausendfach mehr Menschen um ihr Leben, als der "Terror".
    Doch Gelder und Medieninteresse erlangen diese Themen kaum bis gar nicht.

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    und inwieweit der Krieg in Afghanistan uns vor Terrorismus geschützt hat, hat mir auch noch keiner erklärt.

    Terrorismus ist schließlich nichts, wofür man große Strukturen oder enorme Geldmittel bräuchte; ein Abiturwissen mit Leistungskurs Chemie und eine gewisse Fanatisierung gepaart mit Hoffnungslosigkeit reicht da schon aus, wie man an Brevik sehen mußte.

    Wir geben auch hunderte Milliarden pro Jahr in die Forschung aus, damit unsere Autos sicherer sind, damit es weniger Opfer bei Autounfällen gibt. Bisher mit mäßigen Erfolg, aber es gibt tatsächlich weniger Todesopfer, obwohl es mehr Verkehrt gibt.

    Wieso sollten wir auf andere Gefahren nicht achten? Sollen wir etwa alles ignorieren, weil es viele Gefahren gibt?

    Und Medieninteresse erlangen auch Autounfälle. Ich wünsche sogar, es würde weniger Interesse erlangen. Lokalzeitungen sind voll mit so einem Zeug.

    und inwieweit der Krieg in Afghanistan uns vor Terrorismus geschützt hat, hat mir auch noch keiner erklärt.

    Terrorismus ist schließlich nichts, wofür man große Strukturen oder enorme Geldmittel bräuchte; ein Abiturwissen mit Leistungskurs Chemie und eine gewisse Fanatisierung gepaart mit Hoffnungslosigkeit reicht da schon aus, wie man an Brevik sehen mußte.

    Wir geben auch hunderte Milliarden pro Jahr in die Forschung aus, damit unsere Autos sicherer sind, damit es weniger Opfer bei Autounfällen gibt. Bisher mit mäßigen Erfolg, aber es gibt tatsächlich weniger Todesopfer, obwohl es mehr Verkehrt gibt.

    Wieso sollten wir auf andere Gefahren nicht achten? Sollen wir etwa alles ignorieren, weil es viele Gefahren gibt?

    Und Medieninteresse erlangen auch Autounfälle. Ich wünsche sogar, es würde weniger Interesse erlangen. Lokalzeitungen sind voll mit so einem Zeug.

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