Nato-Einsatz : Libyen, eine humanitäre Intervention?

Der Nato-Einsatz in Libyen war ein Erfolg. Doch taugt er als Blaupause für humanitäre Interventionen? Ein Video-Streitgespräch mit Andrea Böhm und Ulrich Ladurner

Die ZEIT-Reporter Andrea Böhm und Ulrich Ladurner bereisen und recherchieren seit vielen Jahren internationale Brennpunkte. Ob auf dem Balkan, im Nahen und Mittleren Osten, in Afrika: Oft erleben sie auf ihren Reisen gewaltsam ausgetragene Konflikte, und oft stellt sich ihnen die Frage, ob und wie sich die internationale Gemeinschaft einmischen soll oder muss. Würde eine militärische Intervention von Außen den betroffenen Menschen helfen – oder ihre Lage womöglich komplizierter machen?  Warum wird in dem einem Konflikt – Beispiel Libyen – eingegriffen, im anderen – Syrien – nicht? Können militärische Interventionen überhaupt "humanitär" sein? Oder höhlen sie das Völkerrecht aus?

Ausgehend vom aktuellen Fall Libyen diskutieren Böhm und Ladurner auf ZEIT ONLINE das Konzept der humanitären Interventionen sowie die Folgen solcher Militäreinsätze in all ihren Konsequenzen. In den kommenden Wochen und Monaten werden sie sich hier in Form persönlicher Briefe und auch in kurzen Video-Statements des schwierigen Themas annehmen. Sie beginnen an dieser Stelle mit der Frage, ob der Einsatz in Libyen eine Blaupause für die Zukunft sein kann. 
 

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Kommentare

54 Kommentare Seite 1 von 9 Kommentieren

Ich finde den Standpunkt von Andrea Böhm stringenter

Es war wohl wirklich ausschlaggebend, dass mit Gadhafi keine sinnvolle Lösung des Konflikts mit seinem eigenen Volk mehr vorstellbar war, weil sich Gadhafi konsequent der Realität verweigerte.

Bei solchen Konfliktlagen ist es immer so, dass alles, was man tut, falsch ist. Wenn man nichts tut, ist das aber auch falsch.

Gaddafi blos repräsentatives Staatsoberhaupt?

Wie er selbst es leugnet, war Gaddafi faktisch repräsentatives, aber dennoch Staatsoberhaupt. So what, die "Queen" läuft auch frei herum. Die Funktionen hatten andere inne. ZB sein Justizminister. Anscheinend hat er blos eine Menge Ressourcen für Libyen im Ausland angelegt, die damit nicht von seinen Ministern und Drittländern verhökert werden konnten, wie sonst in Afrika üblich. Und sein Regime war wohl zu lax - man stelle sich vor, was in Katar oder Saudi A. passieren würde. Von daher hat man nie Massendemonstrationen gesehen, sondern es wurde von den Putschisten Anfang an Gewalt gesät. Es war mit Sicherheit vorher mit der Nato abgesprochen. Es ist also wirklich ein Gerücht, hier wäre es um eine humanitäre Sache gegangen.