MI6 und CIA in Libyen Libyscher Kommandeur fordert Entschuldigung

Die westlichen Geheimdienste CIA und MI6 sollen in Libyen unter Gadhafi gefoltert haben. Jetzt erwägt ein ehemaliger Häftling gegen die USA und Großbritannien zu klagen.

Der libysche Kommandant Abdel Hakim Belhaj

Der libysche Kommandant Abdel Hakim Belhaj

Ein Anführer der Truppen der libyschen Übergangsregierung hat von den USA und Großbritannien eine Entschuldigung gefordert, nachdem bekannt geworden war, dass die Geheimdienste beider Länder bei seiner Festnahme geholfen haben sollen. "Was mir passiert ist, war illegal und verdient eine Entschuldigung", sagte Abdel Hakim Belhaj am Sonntag der britischen BBC.

Der Zeitung The Guardian sagte Belhaj, er erwäge Klagen gegen beide Länder. Trotz allem werde die neue Führung des Landes mit den USA und Großbritannien aber künftig "geregelte Beziehungen" führen.

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Am Wochenende war bekannt geworden, dass der US-Geheimdienst CIA sowie die britischen Behörden Libyen bei der Gefangennahme und Überstellung Belhajs Hilfe angeboten haben sollen. Libyschen Geheimdienst-Dokumenten zufolge wurde er im Jahr 2004 in Bangkok gefasst und nach Libyen gebracht. Dort saß er nach eigenen Angaben sieben Jahre im Gefängnis und wurde "regelmäßig gefoltert".

China wollte Waffen an Gadhafi liefern

Unterdessen berichten Medien ebenfalls, dass China trotz eines Embargos noch in den letzten Wochen des Gadhafi-Regimes versucht hat, Waffen an Tripolis zu verkaufen. Es habe sich um Panzer, Raketenwerfer und Munition im Wert von 200 Millionen Dollar gehandelt, berichteten die New York Times und die kanadische Zeitung The Globe and Mail. Dies hätten Mitarbeiter des libyschen Übergangsrats am Sonntag mitgeteilt. Sie hätten sich dabei auf Unterlagen berufen, die von einem kanadischen Korrespondenten entdeckt worden seien. 



Die Dokumente in Arabisch, die auf der Website der Globe and Mail veröffentlicht wurden, seien authentisch, zitierte die New York Times Mitglieder des Übergangsrats. Diesen Angaben zufolge sollten die Waffen von staatlichen chinesischen Firmen über Südafrika oder Algerien an das Regime des langjährigen Machthabers Muammar al-Gadhafi geliefert werden.



Mitarbeiter des US-Außenministeriums und des Pentagon erklärten, sie wüssten nichts über einen solchen Handel und benötigten mehr Zeit, die Unterlagen zu prüfen. Ein Nato-Sprecher in Brüssel äußerte Zweifel an den Angaben, betonte aber, er kenne die Unterlagen nicht.

Arabische Staaten im Fokus
 
Leser-Kommentare
  1. Gefährlich, was der Mann da vorhat. Man beißt nicht die Hand, die einen streichelt. Damit kann er schnell sein politisches Ende besiegeln. Von noch Schlimmeren will ich gar nicht sprechen. So funktioniert heutzutage internationale Politik. Der Westen kooperiert mit Dikatoren, wenn es ihm von Nutzen ist (Saudi Arabien). So wird man schnell, wie Belhaj, zum Spielball zwischen den Mächten. Hier gibt es keine Moral. Nur das kalte Abwägen: Nützt er meinen Interessen, oder steht er ihnen im Wege. Der Westen hat in Libyen die Seite gewechselt, sein Glück. Das bedeutet aber nicht, dass er Belhaj einen Offenbarungseid leisten wird. Eine Entschuldigung wird es daher nicht geben. Warum auch: "Demokratien foltern nicht! Oder doch?"

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    • pinero
    • 05.09.2011 um 13:55 Uhr

    ...vielleicht aber auch das Gegenteil. Er könnte die jüngsten "Enthüllungen" auch nutzen, um seinen Einfluss innerhalb der neuen libyschen Führung zu stärken und sich moralisch unangreifbar zu machen.

    Die Tatsachen an sich sind ja seit Jahren bekannt, die enge Zusammenarbeit zwischen Libyen und den USA bei der Bekämpfung von Al-Qaida waren kein Geheimnis und von seiner eigenen Festnahme und Überstellung nach Libyen 2004 dürfte Belhaj auch vor dem jetzigen Auftauchen dieser Dokumente gewusst haben.

    Wenn er sich nun gezielt als Opfer darstellt, versucht er offenbar, sein Image zu polieren und seine Position zu festigen. Die Leute im Übergangsrat, die den Einfluss des Ex-Al-Qaida-Kommandeurs lieber heute als morgen zurückdrängen möchten, dürfen es nun noch schwerer haben.
    Es wäre daher um so wichtiger, dass die Roadmap mit freien Wahlen schnell umgesetzt wird, bevor Leute wie Belhaj sich in den neuen Machtstrukturen festbeißen können.

    • pinero
    • 05.09.2011 um 13:55 Uhr

    ...vielleicht aber auch das Gegenteil. Er könnte die jüngsten "Enthüllungen" auch nutzen, um seinen Einfluss innerhalb der neuen libyschen Führung zu stärken und sich moralisch unangreifbar zu machen.

    Die Tatsachen an sich sind ja seit Jahren bekannt, die enge Zusammenarbeit zwischen Libyen und den USA bei der Bekämpfung von Al-Qaida waren kein Geheimnis und von seiner eigenen Festnahme und Überstellung nach Libyen 2004 dürfte Belhaj auch vor dem jetzigen Auftauchen dieser Dokumente gewusst haben.

    Wenn er sich nun gezielt als Opfer darstellt, versucht er offenbar, sein Image zu polieren und seine Position zu festigen. Die Leute im Übergangsrat, die den Einfluss des Ex-Al-Qaida-Kommandeurs lieber heute als morgen zurückdrängen möchten, dürfen es nun noch schwerer haben.
    Es wäre daher um so wichtiger, dass die Roadmap mit freien Wahlen schnell umgesetzt wird, bevor Leute wie Belhaj sich in den neuen Machtstrukturen festbeißen können.

  2. ...bis sie nicht mehr gebraucht werden. Dann läßt man sie fallen, sein Land "befreien", ganz nebenbei die Ölquellen vor den "bösen islamistischen Terroristen" schützen und kontrollieren, angeblich die "Demokratie" versuchen einzuführen und und und...Trotzdem ist die Auslandspolitik der "Befreier" gescheitert und sie stehen überall, auch in der Innenpolitik vor dem Kollaps. Gut so!

  3. Bekannt ist die story schon seit letztem Montag http://www.atimes.com/ati...
    Was in der jetzigen ZEIT-Version fehlt, ist die Tätigkeit Belhajis in Afghanistan als Chef eines Al-Qaida camps

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    " Ten years after 9/11, it's hard not to imagine a certain decomposed skull in the bottom of the Arabian Sea boldly grinning to kingdom come."
    :-)
    Wie so oft sind es die Leserkommentare, die Licht in den verlautbarten Nebel bringen. Vielen Dank.

    Amerika wiederholt in Libyen seinen Afghanistanfehler aus den 80-er Jahren.
    Wer immer noch glaubt, daß der Feind meines Feindes mein Freund ist, hat's nicht besser verdient.

    Ich würde deshalb jenem, sogenannten "Kommandeur" dringend raten, gegen die USA und Großbritannien zu klagen. Das wäre doch ein echter Gaudi.

    " Ten years after 9/11, it's hard not to imagine a certain decomposed skull in the bottom of the Arabian Sea boldly grinning to kingdom come."
    :-)
    Wie so oft sind es die Leserkommentare, die Licht in den verlautbarten Nebel bringen. Vielen Dank.

    Amerika wiederholt in Libyen seinen Afghanistanfehler aus den 80-er Jahren.
    Wer immer noch glaubt, daß der Feind meines Feindes mein Freund ist, hat's nicht besser verdient.

    Ich würde deshalb jenem, sogenannten "Kommandeur" dringend raten, gegen die USA und Großbritannien zu klagen. Das wäre doch ein echter Gaudi.

  4. (also wenn das mit China sich bestätigen sollte, das wäre einfach unglaublich!)

    Ich kann den Frust und den Drang nach Gerechtigkeit und Genugtuung von Herrn Belhaj menschl. nachvollziehen, aber als Libyer sollte man nun versuchen die Vergangenheit dort zu belassen wo sie hingehört: ins Museum. Wenn jetzt alle ernsthaft aufarbeiten würden mit wem Gaddafi wann irgendwelche schmutzigen Geschäfte gemacht hat, dann könnte das eine positive Zusammenarbeit zwischen dem Westen und einem modernen demokratischen Libyen stark gefährden, zumindest wäre die "relation" vorbelastet.
    Und das man sich mit Diktatoren genau dann einlässt, wenn man sehr viel Kohle machen kann ist ja (leider) nichts neues.

    Man liest dann zum Beispiel Sachen wie Westerwelle sagt eine Milliarden Euro gehen zurück nach Libyen weil es das Geld vom Volk ist - dann ist man im ersten Moment stolz und glücklich, doch dann fragt man sich, wie zum Teufel sind die 1 Milliarde hier hergekommen und ist das wirklich alles?

    Eine Leser-Empfehlung
  5. Das muss man sich echt mal auf der Zunge zergehen lassen. Der Herr ist ein bekennender Islamist und war vor kurzem noch ein offizeller Terrorist. Er ist Mitglied der Libyan Islamic Fighting Group, was z.B. in England mit 10 Jahren Gefängnis bestraft wird:

    Under the United Kingdom's Terrorism Act 2000, being a member of a LIFG is punishable with a 10-year prison term.

    http://en.wikipedia.org/w...

    Abdelhakim Belhadj (Arabic: عبد الحكيم بالحاج ‎, nom de guerre Abu Abdallah Assadaq[1]) is the emir of the Libyan Islamic Fighting Group,[2][3] and a Libyan commander of the anti-Gaddafi forces in the civil war that started in 2011. He is a known Islamist fighter and veteran of the Soviet-Afghan war.[3] He was arrested in Thailand in 2004. Before being handed over to Libya, he was interrogated by the CIA.[

    http://en.wikipedia.org/w...

    Also vor kurzem war der Herr noch ein gesuchter Terrorist, jetzt ist er der Kommander der "liyschen Rebellen" in Tripolis. Und jetzt will er eine "Entschuldigung"?

    Mit was für Leuten hat sich die NATO da eingelassen?

    11 Leser-Empfehlungen
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    • Zack34
    • 05.09.2011 um 13:48 Uhr


    ... bestimmt "nicht gewusst". ;-)

    Aber schließlich: wer hat die Taliban in den 80er überhaupt erst aufgerüstet?

    darf ich sie freundlichst auf meinen vorstehenden Kommentar verweisen?

    Auch sie sollten Ihren Kompass mal wieder "einnorden" - auf wessen Seite stehen Sie eigentlich?

    In Ihrem Kommentar unterstützen Sie den CIA - und nicht den Mann, der gegen Geheimdienste klagen will.

    Ihr Schiff treibt führerlos - ohne Kompass - richtungslos geleitet durch Bauchgefühl und anhaltende Verwirrung.

    Mmmh - Pro - Gaddafi, Pro - Ahmadinejad und für den CIA!!

    Einfach großartig - bin begeistert - so langsam finde ich Gefallen an Ihren Kommentaren. LOL!!

    • K.Muck
    • 05.09.2011 um 23:01 Uhr

    5."Also vor kurzem war der Herr noch ein gesuchter Terrorist, jetzt ist er der Kommander der "liyschen Rebellen" in Tripolis. Und jetzt will er eine "Entschuldigung"?

    Da passt alles perfektbund jeder,der zwei und zwei zusammenzählen kann,weiß wie diese Geschichte weitergehen wird.

    • Zack34
    • 05.09.2011 um 13:48 Uhr


    ... bestimmt "nicht gewusst". ;-)

    Aber schließlich: wer hat die Taliban in den 80er überhaupt erst aufgerüstet?

    darf ich sie freundlichst auf meinen vorstehenden Kommentar verweisen?

    Auch sie sollten Ihren Kompass mal wieder "einnorden" - auf wessen Seite stehen Sie eigentlich?

    In Ihrem Kommentar unterstützen Sie den CIA - und nicht den Mann, der gegen Geheimdienste klagen will.

    Ihr Schiff treibt führerlos - ohne Kompass - richtungslos geleitet durch Bauchgefühl und anhaltende Verwirrung.

    Mmmh - Pro - Gaddafi, Pro - Ahmadinejad und für den CIA!!

    Einfach großartig - bin begeistert - so langsam finde ich Gefallen an Ihren Kommentaren. LOL!!

    • K.Muck
    • 05.09.2011 um 23:01 Uhr

    5."Also vor kurzem war der Herr noch ein gesuchter Terrorist, jetzt ist er der Kommander der "liyschen Rebellen" in Tripolis. Und jetzt will er eine "Entschuldigung"?

    Da passt alles perfektbund jeder,der zwei und zwei zusammenzählen kann,weiß wie diese Geschichte weitergehen wird.

  6. Dinge bekannt werden, aber wirklich ueberraschend ist das
    nur fuer die Naiven. Was jetzt interessiert ist wie sich
    die neuen Machthaber in Libyen verhalten. Im Namen der
    Demokratie lassen sich viele Schandtaten begehen - auch
    Diktatoren foltern nicht zum Spass sondern immer im hoeheren
    Interesse des Volkes!

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    die sich auf der einen Seite für den durchgeknallten Islamisten Ahmadinejad aus dem Iran einsetzen und meinen, anhand von Belhaj nun Propaganda für Gaddfi betreiben zu müssen.

    Sie haben wohl momentan etwas Schwierigkeiten sich zu positionieren? Lol!

    Nemen sie sich ein Beispiel an Belhaj: Der ist ehemals von Gaddfi als islamischer Kämpfer nach Afghanistan geschickt worden.
    Allerdings - im Gegensatz zu Ihnen - hat der nachgedacht und die Seiten gewechselt.

    Oder sind so naiv zu glauben, das eine Revolution wie in Libyen ohne ein breites Bündnis funktioniert?

    Wichtig ist, was hinterher dabei herauskommt - und noch wichtiger ist, das Leute wie Belhaj den Übergangsrat unterstützen.

    Nur Sie haben die Richtung verloren und sind offenbar verwirrt: Belhaj will gegen Geheimdienste klagen - normalerweise müßten Sie auf seiner Seite stehen. LOL!

    die sich auf der einen Seite für den durchgeknallten Islamisten Ahmadinejad aus dem Iran einsetzen und meinen, anhand von Belhaj nun Propaganda für Gaddfi betreiben zu müssen.

    Sie haben wohl momentan etwas Schwierigkeiten sich zu positionieren? Lol!

    Nemen sie sich ein Beispiel an Belhaj: Der ist ehemals von Gaddfi als islamischer Kämpfer nach Afghanistan geschickt worden.
    Allerdings - im Gegensatz zu Ihnen - hat der nachgedacht und die Seiten gewechselt.

    Oder sind so naiv zu glauben, das eine Revolution wie in Libyen ohne ein breites Bündnis funktioniert?

    Wichtig ist, was hinterher dabei herauskommt - und noch wichtiger ist, das Leute wie Belhaj den Übergangsrat unterstützen.

    Nur Sie haben die Richtung verloren und sind offenbar verwirrt: Belhaj will gegen Geheimdienste klagen - normalerweise müßten Sie auf seiner Seite stehen. LOL!

    • Zack34
    • 05.09.2011 um 13:48 Uhr


    ... bestimmt "nicht gewusst". ;-)

    Aber schließlich: wer hat die Taliban in den 80er überhaupt erst aufgerüstet?

    Antwort auf "Handlanger"
    • pinero
    • 05.09.2011 um 13:55 Uhr

    ...vielleicht aber auch das Gegenteil. Er könnte die jüngsten "Enthüllungen" auch nutzen, um seinen Einfluss innerhalb der neuen libyschen Führung zu stärken und sich moralisch unangreifbar zu machen.

    Die Tatsachen an sich sind ja seit Jahren bekannt, die enge Zusammenarbeit zwischen Libyen und den USA bei der Bekämpfung von Al-Qaida waren kein Geheimnis und von seiner eigenen Festnahme und Überstellung nach Libyen 2004 dürfte Belhaj auch vor dem jetzigen Auftauchen dieser Dokumente gewusst haben.

    Wenn er sich nun gezielt als Opfer darstellt, versucht er offenbar, sein Image zu polieren und seine Position zu festigen. Die Leute im Übergangsrat, die den Einfluss des Ex-Al-Qaida-Kommandeurs lieber heute als morgen zurückdrängen möchten, dürfen es nun noch schwerer haben.
    Es wäre daher um so wichtiger, dass die Roadmap mit freien Wahlen schnell umgesetzt wird, bevor Leute wie Belhaj sich in den neuen Machtstrukturen festbeißen können.

    Antwort auf "Er lebt gefährlich!"

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