Libysche Rebellen sitzen am 31. August an einer Straße nach Sirte. © Filippo Monteforte/AFP/Getty Images

Der Nationale Übergangsrat in Libyen hat eigenen Angaben nach sein Ultimatum für die Kapitulation der Truppen des langjährigen Machthabers Muammar al-Gadhafi in dessen Geburtsort Sirte um eine Woche verlängert. Ursprünglich sollte die Frist für eine kampflose Übergabe der Küstenstadt in der Nacht zum Samstag ablaufen.

Der britische Sender BBC berichtete, den Stammesführern der Region sollte Zeit gegeben werden, um die Gadhafi-treuen Kämpfer dazu zu bewegen, die Waffen zu strecken. Neben Sirte halten Anhänger der alten Regierung noch einige Wüstenorte. Die militärische Kraft der Gadhafi-Truppen ist jedoch gebrochen.

Allerdings ist nicht klar, ob die von einem Sprecher des Rates verkündete Verlängerung tatsächlich offiziell gilt. Er wisse nichts von einer solchen Verlängerung, sagte der Militärbeauftragte des Übergangsrats, Omar el Hariri. Auch aus dem Umfeld anderer Mitglieder des Gremiums hieß es, von einem Aufschub sei nichts bekannt.

Die Rebellen, die bis auf Sirte und Sebha alle großen Städte des Landes unter ihre Kontrolle gebracht haben, vermuten, dass sich Gadhafi und sein Sohn Saif al-Islam in Bani Walid aufhalten.

Seit Tagen versuchen Stammesälteste, die Gadhafi-Truppen in der Stadt am Mittelmeer von einer Aufgabe zu überzeugen. Einer Einschätzung des arabischen Fernsehsenders Al-Jazeera nach ist die Bevölkerung gespalten. Eine Hälfte plädiere für Kampf und die andere für Kapitulation. Sirte ist die letzte libysche Stadt entlang der Küste von der Grenze zu Ägypten bis nach Tunesien, die noch nicht in Hand der Rebellen ist.

Die Aufständischen stecken in einer Zwickmühle. Einerseits hoffen sie darauf, dass nach einem Fall von Sirte auch die letzten Anhänger Gadhafis aufgeben. Andererseits wollen sie ein Blutvergießen und eine Zerstörung der Stadt vermeiden, um den späteren Versöhnungsprozess im Land nicht noch komplizierter zu machen.

Die Rebellen wollten sich auch nicht mit dem größten Stamm in Libyen, den Warfalla, anlegen, berichtete ein BBC-Korrespondent. Sie hätten Sorge, dass sich der Bürgerkrieg dann noch weiter hinziehen könnte.

Der abgetauchte Gadhafi gab sich weiter kämpferisch. Er sagte in einer Audio-Botschaft, die Al-Arabija sendete, die Stämme in den Städten Sirte und Bani Walid östlich von Tripolis würden weiterhin erbitterten Widerstand leisten. Sie seien schwer bewaffnet. Gadhafi wolle sich "niemals ergeben" und "den Kampf fortsetzen".