Bei der zukünftigen Entwicklung Libyens will der derzeitige Regierungschef des Nationalen Übergangsrates, Mahmud Jibril, keine Führungsrolle mehr spielen. Er werde kein politisches Amt in der neuen Regierung übernehmen, sagte Jibril. Das Exekutivbüro des Übergangsrates werde seine Arbeit aber bis zur "völligen Befreiung" Libyens fortführen. 

Jibril ist für seine liberale Haltung bekannt und sieht sich im Übergangsrat dem Widerstand der Islamisten ausgesetzt. Der Rat hatte am Dienstag erklärt, die Bildung einer Übergangsregierung zu verschieben, bis das Land vollkommen unter Kontrolle sei. Der ursprüngliche Zeitplan der Rebellen sah vor, dass der Übergangsrat acht Monate lang bis zur Wahl einer verfassungsgebenden Versammlung regieren kann.

Gadhafis Sprecher festgenommen

Offenbar wurde der Sprecher Muammar al-Gadhafis von den Kämpfern der neuen libyschen Führung festgenommen. Regimegegner hätten Mussa Ibrahim am Donnerstag nahe Gadhafis Heimatstadt Sirte gefasst, sagte ein Kommandeur des Nationalen Übergangsrats. Er sei in Frauenkleidern unterwegs gewesen, hieß es.

Noch in der vergangenen Woche hatte Ibrahim laut dem syrischen Fernsehsender Arrai zum "Widerstand" aufgerufen und "qualitative Siege" der Gadhafi-Anhänger verkündet. Das etwa 360 Kilometer östlich der Hauptstadt Tripolis gelegene Sirte ist als eine der letzten Städte weitgehend unter Kontrolle der Anhänger Gadhafis. In der Hafenstadt liefern sich Truppen der neuen Führung und Gadhafi-Kämpfer seit Wochen heftige Gefechte.