Wladimir Putin kandidiert bei der russischen Präsidentenwahl im März des kommenden Jahres. Staatschef Dmitrij Medwedjew hatte seinen Vorgänger und derzeitigen Ministerpräsidenten auf dem heutigen Parteitag der Regierungspartei Einiges Russland in Moskau als Kandidaten für die Wahl 2012 vorgeschlagen. Putin sagte, er nehme den Vorschlag an. Medwedjew selbst soll nach den Worten Putins künftig Regierungschef des Landes werden und künftig innenpolitische Reformen vorantreiben.

"Was wir diesem Parteitag anbieten, ist eine tief durchdachte Lösung", sagte Medwedjew. Einiges Russland solle die Kandidatur des Parteichefs Putin für das Amt des Präsidenten des Landes unterstützen, sagte er vor rund 11.000 jubelnden Anhängern im Moskauer Luschniki-Stadion. Putin selbst sagte, es sei für ihn eine "große Ehre", bei den Wahlen anzutreten und kündigte ein umfangreiches Konjunkturprogramm an. So will er das wirtschaftlich angeschlagene Land wieder voranzubringen. Ein Sieg Putins im März 2012 gilt als sicher.

Medwedjew wird Geeintes Russland nun als Spitzenkandidat in die Parlamentswahl am 4. Dezember 2011 führen. "Ich bin sicher, dass Einiges Russland gewinnen wird", sagte Putin. Auf Grundlage dieser Unterstützung der Bevölkerung werde Medwedjew eine neue, junge, effektive und energische Mannschaft zusammenstellen können und die Regierung Russlands führen. Medwedjew sagte dazu, er sei bereit, künftig "praktische Arbeit" zu leisten, um das Land zu modernisieren. 

Die angekündigte Kandidatur von Putin für das russische Präsidentenamt stößt in Deutschland auf Zurückhaltung. "Dies zeigt, dass Russland noch ein gutes Stück von offenen, demokratischen Wettbewerben um das Präsidentenamt entfernt ist", sagte der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des Bundestages, Ruprecht Polenz. Zugleich betonte er, dass er bei einer Wahl des bisherigen Ministerpräsidenten Putin zum Präsidenten keine Richtungsänderung der russischen Politik erwarte. "In der realen Machtverteilung hatte Putin auch als Ministerpräsident Gewicht in Russland", sagte der CDU-Politiker.

Seit Monaten war über die Frage spekuliert worden, welcher der beiden Politiker bei den Wahlen antreten würde. Putin und Medwedjew hatten darüber bislang geschwiegen. Auf dem heutigen Parteitag betonte Putin, er und Medwedjew hätten sich "seit Langem, vor Jahren" in der Frage einer künftigen Rollenverteilung geeinigt.

Putin war von 2000 bis 2008 Staatschef und machte den Präsidentenposten für Medwedjew frei, da er nach zwei Legislaturperioden gemäß der Verfassung nicht noch einmal kandidieren durfte. Nach einer vierjährigen Pause ist eine erneute Kandidatur aber möglich. Als künftiger Präsident wäre Putin zudem noch mächtiger: Seit einer Verfassungsänderung beträgt die Amtszeit des Staatschefs sechs Jahre.