UN-Antrag In Ramallah ist Hoffnung
Hunderte sahen in Ramallah die Rede von Mahmud Abbas bei der UN. Viele wünschen sich nun rasche Verhandlungen über einen eigenen Staat.
© Uriel Sinai/Getty Images

Palästinenser in Ramallah bei einer öffentlichen TV-Übertragung der Rede ihres Präsidenten Abbas vor der UN-Vollversammlung (23. September 2011)
Sie wollte gar nicht erst hingehen. Er unbedingt. "Ich finde diesen Schritt falsch", sagt Hanan, "er gibt Land auf, das uns gehört. Mehr, als er sollte. Ich will die Grenzen von '48, nicht von '67." Ihr Mann Bassam entgegnet: "Ich weiß nicht, was es nützt. Aber, er musste es tun. Nur so wird sich etwas ändern." Einig sind sich Hanan und Bassam Ghanyem an diesem Abend in Ramallah zumindest in einem: Ihre Töchter sollen später einmal sagen können "An diesem Tag, da waren wir dabei!"
Die weißen Plastikstühle auf dem Arafat-Platz sind schnell vergriffen, und noch immer arbeiten einige Männer auf der Bühne, damit nicht wieder geschieht, was gerade zwei Menschen verletzt hat. Die große Videoleinwand fiel um. Tänzer wirbeln als Vorprogramm über die Bühne, und stetig mehr Menschen strömen herbei. Hunderte, dicht gedrängt, wollen sehen, wie ihr Präsident Mahmud Abbas nicht einknickt. Dass er Tausende Kilometer von ihnen entfernt tut , wovon ihn Präsidenten, Premiers und eine Kanzlerin und Diplomaten vor allem der USA und der EU seit Wochen abhalten wollten: In New York will Abbas die Aufnahme von Palästina in die Vereinten Nationen beantragen, als 194. Staat. Noch bevor sich sein Volk mit Israel in Friedensverträgen auf die Grenzen eines solches Staates verständigt und geeinigt hat. Noch bevor das palästinensische Volk in allen Belangen überhaupt souverän agieren kann.
Für freie Sicht auf die Bühne setzen Väter ihre kleinen Söhne auf die Schultern, ihre größeren lassen ihre Beine lieber gleich über die Dachfirste der umliegenden mehrstöckigen Häuser baumeln. Fahnen mit der palästinensischen Flagge schwenken Generationen von Palästinensern nun von überall her über ihre Köpfe. Was der Antrag der palästinensischen Führung den Friedensprozess zwischen Israel und den Palästinensern befördern oder erschweren wird, das mögen die Frauen und Männer hier noch gar nicht voraussagen.
Der Besucherin Nadja Hajal reicht allein schon die Wirkung, die die Reise von Abbas nach New York erzeugt hat: "Wir Palästinenser packen unsere Zukunft endlich wieder an. Wir haben diese Initiative ergriffen und wieder auf die Agenda gesetzt. Und den USA setzen wie hiermit ein klares Nein entgegen." Jetzt müsse die UN endlich eine treibende Rolle einnehmen, sagt die 34-Jährige. Der US-Präsident Barack Obama hatte bereits sein Veto gegen die Anerkennung Palästinas angekündigt – manche in Ramallah machen auf Plakaten ihrer Enttäuschung darüber deutlich Luft: "Fuck Obama!"
Fouad Dublah ist auch zum Arafat-Platz gekommen. Der 23-Jährige will vor Abbas' Auftritt und vom Antrag auf staatliche Anerkennung gar nicht erst zu viel erwarten. "Wichtig ist, dass uns dieser Schritt hier wieder näher zusammengebracht hat. Und dass die Welt hoffentlich wieder mit uns fühlt" Noch ohne Ton erscheinen auf der Videoleinwand jetzt die Bilder: Zwei Männer reichen sich die Hände. Abbas und Ban Ki Moon, der Generalsekretär der Vereinten Nationen. Vor dem Logo der Vereinten Nationen. Blitzlichter prasseln auf sie ein. In Ramallah bricht der Jubel los. Abbas übergibt Ban Ki Moon den Antrag. Der Jubel ist noch lauter als zuvor.
- Datum 24.09.2011 - 14:33 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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In Ramallah ist Hoffnung. Wie schön. Kommt es darauf an? Israel hat verständlicherweise keine große Lust, mit Abbas zu verhandeln, weil der schon lange keine Prokura mehr hat. Was wiederum auch damit zusammenhängt, daß Israel schon lange Hamas gewählt hat, als es das Oslo-Friedensabkommen an der Wahlurne kippte.
[...]
Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf unsachliche Inhalte. Die Redaktion/er
AUCH darauf kommt es an !
...zu prophezeien wussten, dass im Anschluss an Abu Mazens Rede Gewalt im Westjordanland ausbrechen würde.
Welch ein Menschenbild haben wir von Palästinensern? An dem Tag, den jeder einzelne Palästinenser heiß ersehnt hat, wissen die Palästinenser nichts zu tun als gewalttätig zu sein. Selbst der Hinweis darauf, dass es in Ramallah friedlich geblieben ist, finde ich bedenklich! Der Tahrir-Platz, der für immer in meiner Erinnerung bleiben wird, hat gezeigt, dass das Bild, das die Massenmedien über Araber transponieren, von Grund auf, von Grund auf verzerrt ist. Angesichts dessen, dass die meisten Nahostexperten (Ironie bleibt nicht außen vor!), selbst mal in Nahost gewesen sind, frage ich mich immer wieder, welchen Vorteil sie sich versprechen, die Araber als gewalttätige Terroristen zu zeichnen!?
"Viele wünschen sich nun rasche Verhandlungen über einen eigenen Staat"
Ich wünsche mir ebenfalls rasche Verhandlungen, gern auf allerhöchster Ebene, so wie dies Israel bereits seit Jahren fordert, u. wie Netanjahu es gestern in seiner Rede vor der UN-Vollversammlung erneut ganz offen angestrebt hat, indem er Abbas vorschlug, dass man sich gleich im Anschluss an die Debatte in NY zusammen an einen Tisch setzen könne, um den durch palästinensische Verhandlungsverweigerung stockenden Friedensprozess endlich wieder in Gang zu bringen.
Natürlich ist Abbas nicht auf das neuerliche Verhandlungsangebot Netanjahus eingegangen.
Er u. die übrige PLO-Führungsspitze lehnen Verhandlungen mit Israel weiterhin strikt ab!
Wie aber soll es zu einem Friedensschluss im Rahmen einer Zweistaatenlösung kommen, wenn nicht durch israelisch-palästinensische Direktverhandlungen?
Durch ein einseitig antiisraelisches Diktat von Seiten der UNO, unter Bruch von deren eigenem Regelwerk?
Diese Rechnung von Abbas und seiner PLO wird letzlich nicht aufgehen, weil viele UN-Mitglieder den von Abbas eingeschlagenen palästinensischen Sonderweg insgeheim mit zunehmender Besorgnis betrachten, da er einen für viele Regierungen u. Mächte bedrohlichen Präzedenzfall schafft, wie man als nichtsstaatliche Bewegung die eigene Staatlichkeit auf umstrittenem Territorium gegen einen anderen Staat erreicht, mit den Mitteln von Terrorismus, Verhandlungsboykott u. dem zweckentfremdenden Missbrauch von UN-Regularien.
Lesen im Kaffeesatz?
Aus dem Nähkästchen geplaudert?
Oder Wunschdenken?
Wer etwas anderes behauptet ist nicht informiert oder
schreibt gegen besseres Wissen!
Sie verdrehen die Tatsachen - böswillig oder als Folge von Unwissen.
"Natürlich ist Abbas nicht auf das neuerliche Verhandlungsangebot Netanjahus eingegangen.
Er u. die übrige PLO-Führungsspitze lehnen Verhandlungen mit Israel weiterhin strikt ab!"
-> Fakt ist, dass Abbas als Vorbedingung das Ende des Völkerrechtswidrigen Siedlungsbaus verlangt. Dass ist eine legitime, auch von den USA und der EU unterstützte Position. Das wiederum lehnen die Israelis ab. Ein weiterer Punkt ist, dass seit Scharon Israel nicht mehr bereit ist, Ost-Jerusalem zurückzugeben. Scharon und jetzt Netanjahu sprechen von der ungeteilten Hauptstadt Jerusalem.
Lesen im Kaffeesatz?
Aus dem Nähkästchen geplaudert?
Oder Wunschdenken?
Wer etwas anderes behauptet ist nicht informiert oder
schreibt gegen besseres Wissen!
Sie verdrehen die Tatsachen - böswillig oder als Folge von Unwissen.
"Natürlich ist Abbas nicht auf das neuerliche Verhandlungsangebot Netanjahus eingegangen.
Er u. die übrige PLO-Führungsspitze lehnen Verhandlungen mit Israel weiterhin strikt ab!"
-> Fakt ist, dass Abbas als Vorbedingung das Ende des Völkerrechtswidrigen Siedlungsbaus verlangt. Dass ist eine legitime, auch von den USA und der EU unterstützte Position. Das wiederum lehnen die Israelis ab. Ein weiterer Punkt ist, dass seit Scharon Israel nicht mehr bereit ist, Ost-Jerusalem zurückzugeben. Scharon und jetzt Netanjahu sprechen von der ungeteilten Hauptstadt Jerusalem.
Lesen im Kaffeesatz?
Aus dem Nähkästchen geplaudert?
Oder Wunschdenken?
Bitte setzen Sie sich mittels Argumenten und inhaltlich mit den Äußerungen anderer Kommentatoren auseinander. Danke, die Redaktion/fk.
Bitte setzen Sie sich mittels Argumenten und inhaltlich mit den Äußerungen anderer Kommentatoren auseinander. Danke, die Redaktion/fk.
Wer etwas anderes behauptet ist nicht informiert oder
schreibt gegen besseres Wissen!
"Jetzt müsse die UN endlich eine treibende Rolle einnehmen, sagt die 34-Jährige." So ist es. Es kann ja wohl kaum sein, das in New York der Schwanz mit dem Hund wedelt.
Israel hat vielfache schlechte Erfahrungen mit bedingungslosen Zugeständnissen, vertrauend auf guten Willen und Friedensbereitschaft, die doch jedes Mal zu noch mehr Terror und Propaganda gegen Israel führten.
Eine Zustimmung zu einem Pal.Staat, kann von den einzigen Finanziers dieses Staats, zurecht von einer tragfähigen und belastbaren, endgültigen Friedenslösung abhängig gemacht werden.
Alles andere würde einem neuen Krieg gegen Israel nur Vorschub leisten. Ein Krieg, der nach allen bisherigen Erfahrungen mit Fatah, Hisbollah und Hamas, die Folge einer Anerkennung ohne Frieden nach sich zöge.
... der sollte sich mal fragen, wie er persönlich sich verhalten würde.
Seit dem Sechstagekrieg wird "verhandelt", oder "über Verhandlungen verhandelt" - und was genau haben diese Verhandlungen den Palästinensern gebracht?
Die Lage nach internationalem Recht, durch zahlreiche U.N.-Resolutionen festgestellt, wird ignoriert.
Israel macht, was es will. Immer wieder neue Resolutionen der U.N., die (den U.S.A. im Sicherheitsrat sei Dank) von Israel ignoriert werden.
Aus der militärische Okkupation wird eine staatliche Annektion; laut U.N. Charta (die auch Israel unterschrieben hat!) sind Annektierungen von Territorien illegal, aber hier eher egal.
So, Dekaden gehen dahin, es wird verhandelt, über Verhandlungen verhandelt, Unrecht perpetuiert und, nach Meinung vieler, damit auch legitimiert.
Was ist in all dieser Zeit für die Palästinenser dabei herumgekommen? Nüscht.
Irgendwann kann man doch nicht wirklich erwarten, das die Palästinenser bei dieser Farce (denn Verhandlungen zum Selbstzweck sind nichts anderes) weiter mitmachen!
Früher, im Kalten Krieg, da benötigte man einen der großen Zwei, die UDSSR oder die USA, als Freund in der U.N. Israel hatte immer einen, die Palästinenser nicht.
Heute schrumpft die Bedeutung der U.S.A. und die anderen Staaten der Welt reden ein Wörtchen mit. Und die sind evtl. nicht so einseitig voreingenommen und parteiisch wie die U.S.A.
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