Wie dürfen Saudi-Arabiens Frauen das verstehen? Am Samstag versprach ihnen der saudische König, dass sie in vier Jahren endlich wählen dürfen . Bei der Kommunalwahl am heutigen Donnerstag sind die Männer noch unter sich. Vier Tage später verurteilte ein Gericht eine Frau zu Peitschenhieben, weil sie es wagte, Auto zu fahren. Abdallah pfiff die Richter zurück. Geht es nun voran oder zurück in Saudi-Arabien? Oder beides?

Die "Rechte" der Frauen in Saudi-Arabien scheinen so etwas wie ein Widerspruch in sich zu sein. Sie sind beschränkt wie kaum irgendwo anders auf der Welt. Doch gerade die Saudis diskutieren ständig über die peinliche Geschlechtertrennung in ihrem Land. Ob Frauen fahren, reisen, erben, wählen dürfen – darüber zoffen sich die saudischen Männer seit Langem. Dabei geht es gar nicht immer um die Frauen an sich, sondern oft genug um die Macht im Lande.

König Abdallah hat sich seit der Inthronisierung 2005 einen Ruf als Reformer gemacht. Es ist kein Zufall, dass gerade er den Frauen für die nächste Kommunalwahl 2015 das Wahlrecht in Aussicht stellt. Das passt zu seiner Linie, die engen Zügel in der saudischen Geschlechterpolitik Stück für Stück zu lockern. Unter Abdallah checken Frauen endlich ohne männliche Begleitung in Hotels ein. Unter Abdallah drängen sie aus den abgeschotteten Familiensektionen der Restaurants heraus und setzen sich in den öffentlichen Raum, wo früher nur Männer saßen. Sie treten mit unverhülltem Gesicht im Fernsehen auf. Gehen auf die König-Abdallah-Universität – nicht getrennt von den männlichen Studenten. Für westliche Betrachter mögen dies Winzigkeiten sein. Doch in Saudi-Arabien wissen viele Frauen, was sie an diesem König haben.

Unangenehm war jedoch, dass Abdallah seit der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres wie abgetaucht schien. Eine Rückenkrankheit zwang ihn lange ins Krankenhaus. Als er zu Jahresbeginn die Arbeit wieder aufnahm, brach alsbald der Arabische Frühling aus. Saudi-Arabien ging in Abwehrhaltung, Abdallah ließ die Konservativen machen und jeden Protest im Keim ersticken. Nun kommt nach Monaten das erste klare Signal, dass der 87-Jährige seine Reformagenda nicht begraben hat .

Das Wahlrecht ist nicht die einzige Neuerung. Wichtiger ist vielleicht sogar, dass in dem Beratungsgremium Madschlis al-Schura, einer Art Ersatzparlament mit beschränkten Rechten, in spätestens zwei Jahren Frauen sitzen werden. Noch wird die Schura vom König ernannt. So hat er darauf den meisten Einfluss. Abdallah begründet seine Neuerung mit dem Koran. Das ist im Land der Heiligen Stätten des Islam wichtig – auch um den Gegnern den Wind aus den Segeln zu nehmen.