Der von den USA als einer der meistgesuchten Terroristen eingestufte radikale Islamist Anwar al-Awlaqi ist im Jemen getötet worden. Das teilte das Verteidigungsministerium des Landes in Sanaa mit. In einer ersten Reaktion sprach US-Präsident Barack Obama von einem Meilenstein im Kampf gegen den Terrorismus. Die Tötung al-Awlaqis sei ein weiterer Beweis dafür, dass es für die Al-Qaida und ihre Verbündeten keinen sicheren Hafen gebe.

Neben Al-Awlaqi seien weitere Al-Qaida-Kämpfer ums Leben gekommen, hieß es in der Mitteilung des jemenitischen Verteidigungsministeriums, in der jedoch keine Angaben zu den Todesumständen gemacht wurden. Nach Angaben von Stammesvertretern starb Al-Awlaqi bei einem Luftangriff auf zwei Fahrzeuge in der Wüstenprovinz Marib im Osten des Jemen.

Bereits seit einigen Tagen hätten US-Kampfjets die Region überflogen. Ein Stammesvertreter vermutete einen US-Drohnenangriff auf die Fahrzeuge, in denen unter anderem Al-Awlaqi saß. Er und zwei weitere Insassen seien sofort gestorben, als ihr Pick-up von einer Rakete getroffen worden sei.

Den Angaben zufolge ereignete sich der Luftangriff am Vormittag. Al-Awlaqi habe in den vergangenen Wochen häufiger seinen Aufenthaltsort im Jemen gewechselt. In die Provinz Marib müsse er "irgendwann während der vergangenen drei Wochen" gekommen sein, sagte ein Stammesvertreter. Demnach hatten die jemenitischen Sicherheitskräfte seither ihre Suche nach Al-Awlaqi in der Region verstärkt.

Anführer von al-Qaida auf der arabischen Halbinsel

Der in den USA geborene Al-Awlaqi galt als einer der Anführer von al-Qaida auf der arabischen Halbinsel. Er soll zu mehreren Anschlägen gegen die USA angestiftet haben. Unter anderem soll er mit dem palästinensischstämmigen US-Militärangehörigen Nidal Hasan in Verbindung gestanden haben, der im November 2009 im texanischen Fort Hood 13 Menschen erschoss.

Auch zu dem als Unterhosenbomber bekannten Nigerianer Umar Faruk Abdulmutallab soll er Kontakt gehabt haben. Dieser hatte an Weihnachten 2009 kurz vor der Landung einer Passagiermaschine am Flughafen von Detroit versucht, einen in seiner Unterhose versteckten Sprengsatz zu zünden. Der Prozess gegen Abdulmutallab soll in der kommenden Woche in Detroit beginnen.

Zuletzt hatten die USA Anfang Mai einen Angriff auf Al-Awlaqi ausgeführt, den Prediger jedoch verfehlt. Stammesvertreter sagten, er habe einen Raketenbeschuss seines Wagens in der südjemenitischen Provinz Schabwa unverletzt überlebt. Nach Angaben aus US-Regierungskreisen griffen die USA Al-Awlaqi damals mit Drohnen an. Anfang April 2010 hatte die US-Regierung ihn zur gezielten Tötung freigegeben, nachdem er in Videobotschaften zur Gewalt gegen die USA und US-Bürger aufgerufen hatte. Der Imam besaß neben der jemenitischen auch die US-Staatsbürgerschaft.