Ungeachtet weltweiter Gnadenappelle ist der wegen Polizistenmordes verurteilte Afroamerikaner Troy Davis am späten Mittwochabend im US-Bundesstaat Georgia hingerichtet worden. Davis, der in den 20 Jahren in der Todeszelle stets seine Unschuld betont hatte, starb im Staatsgefängnis Jackson um 23.08 Uhr durch eine Giftspritze, teilte die Gefängnisverwaltung mit.

Bis zuletzt hatten die Anwälte des 42-Jährigen versucht, die Hinrichtung zu stoppen und als letztes Mittel den Obersten Gerichtshof in Washington angerufen. Die Vollstreckung des Todesurteils war damit zunächst weniger als anderthalb Stunden vor der für 19.00 Uhr geplanten Hinrichtung aufgehalten worden. Vier Stunden später wiesen die Richter den Antrag der Verteidigung endgültig ab.

Vor dem Gefängnis bekundeten derweil Hunderte Demonstranten ihre Unterstützung für den Todeskandidaten. Ein Großaufgebot von Polizisten in Kampfausrüstung beobachtete die Lage.

Der Fall Troy Davis gilt als einer der umstrittensten Justizfälle der USA. Davis war 1991 wegen der Ermordung eines weißen Polizisten zum Tode verurteilt worden, an seiner Täterschaft gibt es aber erhebliche Zweifel. Eine Tatwaffe, DNA-Spuren oder Fingerabdrücke, die auf ihn als Täter hingedeutet hätten, wurden nie gefunden. Sieben von neun Zeugen, die Davis im damaligen Mordprozess belastet hatten, zogen ihre Aussagen später zurück. Einige berichteten, sie seien von Polizisten zu den Aussagen gezwungen worden.

Zudem hatte Davis' Anwalt Brian Kammer in seinen Anträgen an die Gerichte geschrieben, dass neue Beweise zur Entlastung seines Mandanten vorlägen. Demzufolge tauchten neue Zeugen auf, nach deren Angaben sich ein anderer Mann zu der Tat bekannt hatte.

Davis hatte bereits dreimal kurz vor der Hinrichtung gestanden, jedes Mal wurde ihm jedoch wegen anhaltender Zweifel ein Aufschub gewährt. Gegen seine Exekution hatten sich zuletzt neben Papst Benedikt XVI. auch der ehemalige US-Präsident Jimmy Carter und zahlreiche Kongressmitglieder ausgesprochen. US-Präsident Barack Obama hatte eine Einmischung in den Fall abgelehnt.