Wenige Stunden vor der geplanten Hinrichtung des Afroamerikaners Troy Davis haben der Europarat und das Europaparlament an die USA appelliert, das Urteil zu revidieren. Es gebe "ernste Zweifel" an der Schuld des Verurteilten, sagte der Generalsekretär des Europarats, Thorbjorn Jagland. Er forderte die zuständigen Behörden auf, "einen Weg zu finden, um Troy Davis das Leben zu retten". Auch der Präsident des Europaparlaments, Jerzy Buzek, kritisierte das Urteil. Für die Todesstrafe gebe es keine Rechtfertigung.

Trotz weltweiter Proteste soll Davis am Mittwochabend im Gefängnis der Stadt Jackson mit einer Giftspritze hingerichtet werden. Ein Justizausschuss im US-Bundesstaat Georgia hatte am Dienstag ein Gnadengesuch abgelehnt.

Experten hatten zuvor von einer "letzten Chance" für Davis gesprochen. Bereits dreimal hatte er kurz vor der Hinrichtung gestanden, jedes Mal wurde ihm wegen anhaltender Zweifel ein Aufschub gewährt. Am Ende befanden die Gerichte jedoch stets, der Todeskandidat habe seine Unschuldsbehauptung nicht überzeugend untermauern können.

Davis dürfe nicht hingerichtet werden, wenn es auch nur den leisesten Zweifel an seiner Täterschaft gebe, argumentieren Kritiker. Amnesty International sprach von einem "riesigen Rückschlag für die Menschenrechte in den USA". Davis sei unter "dubiosen Umständen" verurteilt worden. Der Begnadigungsausschuss solle seine Entscheidung überdenken.

Derweil forderte Davis seine Mitstreiter auf, den Widerstand gegen die Todesstrafe nicht aufzugeben. "Der Kampf für Gerechtigkeit endet nicht mit mir", schrieb der 42-Jährige in einer von Amnesty verbreiteten Botschaft. "Dieser Kampf ist für alle Troy Davise, die vor mir kamen und die nach mir kommen werden", schrieb er. "Ich bin guter Verfassung und voller Gebete und in Frieden. Aber ich werde bis zu meinem letzten Atemzug nicht aufhören zu kämpfen."

Davis soll 1989 den weißen Polizisten Mark McPhail ermordet haben und war deshalb zum Tode verurteilt worden. Er beteuert jedoch seine Unschuld. Eine Tatwaffe, DNA-Spuren oder Fingerabdrücke, die auf ihn als Täter hingedeutet hätten, wurden nie gefunden. Zudem hatten sieben der neun Zeugen seit dem Prozess im Jahr 1991 ihre Aussage widerrufen oder wesentlich abgeändert. Der Fall gilt daher als einer der umstrittensten seit der Wiedereinführung der Todesstrafe in den USA.

Zuvor hatten sich unter anderem auch Papst Benedikt XVI., der ehemalige US-Präsident Jimmy Carter, Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu und zahlreiche Kongressmitglieder gegen eine Hinrichtung Davis’ ausgesprochen.