Wangari Maathai Das Lächeln Kenias
Für den Naturschutz ging Wangari Maathai ins Gefängnis. Ihr eiserner Wille eckte an, sie riskierte ihre Familie, ihr Haus. Nachruf auf die Friedensnobelpreisträgerin
Kinder toben über das Gras. Die Eltern sitzen daneben unter Bäumen. Mitten in Nairobi, das ehrwürdige Parlamentsgebäude im Blick, links davon die Hochhäuser der Banken und direkt vor sich eine sechsspurige Straße, die von morgens bis abends von Autos verstopft ist, sind die Menschen wie aus ihrer Welt gehoben. Der Uhuru Park ist der öffentliche Garten in Kenias dramatisch wachsender Hauptstadt, ein grünes Idyll im Häusermeer.
Dass sie sich an jedem Wochenende hier vom Stress des Überlebens erholen können, das verdanken die Kenianer vor allem einer Frau: Wangari Maathai. Ohne ihren Einsatz stünde in diesem Freiheitspark heute auch ein Hochhaus und Nairobi hätte gar keinen Grünstreifen in der Innenstadt mehr.
Als Wangari Maathai den Protest gegen das Bauprojekt anführte, hatte sie schon mehrfach Bekanntschaft mit den Knüppeln der Polizei des autokratischen Präsidenten Daniel arap Moi gemacht. Es war auch nicht das einzige Anliegen, das die Kenianerin ins Gefängnis brachte. Es war auch nicht das letzte Mal, dass sie mit der Staatsmacht aneinandergeriet, weil sie Bäume retten wollte. Dass der Karura Wald nahe Nairobi heute noch existiert, und der Verkauf dieses öffentlichen Landes durch korrupte Politiker gestoppt wurde, auch das gehört zu Maathais Erfolgen.
Bereits als 16-Jährige im Gefängnis
Sie war eine der ersten Umweltaktivistinnen Afrikas. Dafür erhielt Wangari Maathai 2004 den Friedensnobelpreis – 20 Jahre nachdem die Right Livelihood Foundation sie bereits mit dem Alternativen Nobelpreis geehrt hatte. Soziales Elend und die Vernichtung der Umwelt hingen für sie eng miteinander zusammen. So nutzte Maathai den Uhuru Park für eine ihrer spektakulärsten Aktionen: Ein Jahr lang half sie den Müttern politischer Gefangener bei einer Freilassungs-Kampagne. Niemand in Kenia hat vergessen, wie die Frauen sich im Uhuru Park auszogen. Der Protest war erfolgreich: Moi ließ 51 junge Männer gehen. Und aus dem Kikuyu-Mädchen, dessen Vater vier Frauen und mehr als zehn Kinder hatte, wurde eine Volksheldin.
Ihre erste Erfahrung mit dem Verlust der Freiheit reichte allerdings bis in die 1950er Jahre zurück. Als 16-jährige Schülerin war sie zwei Tage in einem Gefangenenlager der britischen Kolonialregierung. Tausende Kikuyus wurden während des Mau-Mau-Aufstandes in solchen Lagern gehalten, viele starben.
"Warum geht Wangari nicht in die Schule?"
Wangari Maathai wurde 1940 in einem kleinen Dorf im zentralen Hochland Kenias geboren. In ihrer Autobiographie Unbowed beschreibt sie, wie ihr älterer Bruder und ihre Mutter durch eine einfache Frage ihr Leben veränderten. Ihr Bruder wollte wissen: "Warum geht Wangari nicht in die Schule?" Die Mutter antwortete, dafür gebe es "eigentlich keinen Grund".
Fortan durfte das Mädchen in die Dorfschule knapp vier Kilometer entfernt. Sie lernte gern und gut. So gut, dass die Mutter trotz der relativ hohen Schulgebühren entschied, sie auf ein katholisches Mädcheninternat zu schicken. 1960, nach Abschluss ihrer Schullaufbahn, sei sie "zur richtigen Zeit am richtigen Ort" gewesen, sagte Maathai später: Sie gehörte zu den 300 Kenianern, die der damalige Präsident John F. Kennedy zur Ausbildung in die USA eingeladen hatte. Sie besuchte ein College in Kansas. Über Amerika schreibt sie in ihrem Buch: "Nach New York City zu kommen, war wie auf dem Mond zu landen." Vier Jahre blieb sie in Atchison, bevor sie an der Universität Pittsburgh Biologie studierte.
Als Maathai 1966 nach Kenia zurückkehrte, war die Kolonialzeit schon drei Jahre vorbei. Und Nairobi eine grüne Großstadt mit etwa einer halben Million Einwohner, einer regelmäßigen Müllabfuhr und überschaubarem Verkehrsaufkommen. Heute leben mindestens fünf Millionen Menschen in Nairobi, eine Müllabfuhr gibt es erst seit einigen Jahren wieder, und das auch nur in einigen Stadtteilen. Wer zur Arbeit fahren will, muss viel Zeit mitbringen. Alle Straßen sind verstopft.
- Datum 26.09.2011 - 20:10 Uhr
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- Quelle Tagesspiegel
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Es ist schön zu sehen, dass Menschen tatsächlich mit grossem Mut für ihre Sache einstehen können. Sich mit all seiner Kraft für seine edlen Werte einzusetzen zeugt von einem grossen Charakter.
"Er argumentierte, Wangari sei "zu gebildet, zu stark, zu erfolgreich, zu dickköpfig und zu schwer unter Kontrolle zu halten""
Ich persönlich bin begeistert von solchen Frauen.
...werden die "Guten" dieser Welt geknechtet und verfolgt, überall. Doch nur die wenigsten erhalten eine adäquate Ehrung.
Wangari Maathai kann und wird Vorbild für viele Mädchen und Frauen sein, da bin ich sehr sicher.
Auch als 1. Frau in Afrika den Friedensnobelpreis bekommen zu haben, ehrt sie und wird anderen Frauen Mut geben, wenn Wangari Maathai auch an anderer Stelle bei den "umstrittenen" Nobelpreisträgern aufgeführt wird. Sie soll geäußert haben, dass das Aidsvirus in westl. Labors zur Ausrottung der Schwarzen gezüchtet worden sei, was bisher nicht widerlegt worden - sondern eher vergessen - ist.
Vor Jahren habe ich irgendwo gelesen, dass es durch "Blutpanscherei" (billiges Blut und hohe Gewinne )von Menschen- und Rhesusaffenblut zu dieser Erkrankung gekommen sei, denn erst danch fand man das Virus beim erkrankten Menschen und bei gesunden Affen.
Insofern war die Vermutung von Maathai nicht so abwegig.
Sie deswegen aber bei den "umstrittenen" zu plazieren, halte ich für übertrieben.
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