Ein argentinischer Soldat auf dem Weg zum Einsatz in Port Stanley, Hauptstadt der Falklandinseln, April 1982 © DANIEL GARCIA/AFP/Getty Images

Für die Helden von einst gibt es nur noch heruntergekommene Wellblechhütten. In unmittelbarer Nähe des Casa Rosada, dem Amtssitz der argentinischen Präsidentin Christina Kirchner, haben die Veteranen des Falkland-Krieges ihr Lager aufgeschlagen. Hier im Herzen der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires pulsiert das Leben. Doch ihre Hütten wirken wie Relikte aus einer längst vergangenen Zeit. Fast 30 Jahre ist es her, dass die Welt wegen Argentinien und Großbritannien den Atem anhielt.

Die Länder führten 1982 einen Krieg um die Falklandinseln, eine kleine Inselgruppe unter britischer Verwaltung vor der Küste Südamerikas. Begeistert zogen die Argentinier seinerzeit in den Kampf, ihre Soldaten wurden wie Helden gefeiert, die dem britischen Empire tapfer die Stirn boten. Doch Argentinien verlor den Krieg, rund 1.000 Menschen starben in Wirren des tödlichen Konfliktes. Tragisch für die Soldaten: Nach der bitteren Niederlage wurden aus den Helden Versager, für die in der argentinischen Gesellschaft kein Platz mehr ist.

Tulio Fraboschi © Tobias Käufer

Im aktuellen Präsidentschaftswahlkampf ringen die argentinischen Veteranen des Krieges nun um politische Unterstützung, die Anerkennung der Gesellschaft und eine Kriegsversehrtenrente. Während die 1982 gefallenen Soldaten offiziell als Kriegsopfer anerkannt wurden, warten die Überlebenden bislang vergeblich auf eine Geste des Staates. Vor mehr als drei Jahren haben sie daher ihr Lager unweit des Präsidentenpalastes aufgeschlagen. Jetzt hoffen sie, dass das Thema von den politischen Kontrahenten im Rahmen der Präsidentschaftswahlen am 23. Oktober aufgenommen wird.

Tulio Fraboschi ist der Präsident des sogenannten Campamento toas plaza de mayo , des Zeltlagers auf einem der berühmtesten Plätze der Hauptstadt. Der Ex-Soldat will diesen Ort nicht mehr verlassen: "Ich kann nicht verstehen, wie die Politiker die Hymne singen können. Dass dieses Campo existiert, ist eine nationale Schande. Dieses Problem muss irgendwie gelöst werden", fordert er mit erzürnter Stimme. Von seinen Mitstreitern lässt er sich einen heißen Tee bringen, während draußen im kalten argentinischen Winter der Sturm die behelfsmäßigen Wände seiner Hütte erzittern lässt.

Tagsüber hausen die Langzeit-Demonstranten in notdürftig zusammengezimmerten Blechhütten, um Präsenz zu zeigen. Rund um ihre Unterkunft haben sie Spruchbanner und Plakate aufgehängt. Auf die werden vor allem Touristen aufmerksam, denn gleich gegenüber halten die Busse, die die Ausländer während ihrer Standrundfahrt ausspucken. Sie kommen eigentlich, um ein Foto von der Casa Rosada zu machen, und doch bleiben fast alle Touristen vor den Hütten der Veteranen stehen. Die Plakate, Flaggen und Banner verfehlen ihre Wirkung nicht.

Im eigenen Land stoßen die Veteranen dagegen auf wenig Sympathie. Tulio Fraboschi: "Einige Tageszeitungen haben über uns berichtet, aber das hat uns kaum weiter gebracht. Es gibt noch zu wenig Unterstützung und die Medien üben leider nur wenig Druck in dieser Angelegenheit aus." Mit Verlierern spricht offenbar niemand gern.