Religiöse UnruhenÄgyptische Regierung verschärft Sicherheitsvorkehrungen

Zusätzliche Soldaten patrouillieren an Regierungsgebäuden nach der Straßenschlacht zwischen koptischen Christen und Soldaten. Die Regierung hält eine Notstandsitzung ab. von AFP und dpa

Die Situation in Kairo bleibt nach den schweren Ausschreitungen angespannt: Die ägyptischen Behörden haben die Sicherheitsvorkehrungen insgesamt erhöht. Rund um den Tahrir-Platz wurden Polizisten stationiert, zusätzliche Soldaten sollen vor dem Parlamentsgebäude und anderen zentralen Einrichtungen für Sicherheit sorgen.

Zahlreiche Personen, denen "Anstiftung zum Chaos" vorgeworfen wird, wurden festgenommen, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Mena.

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Vor dem Koptischen Krankenhaus in der Innenstadt, in das die meisten Opfer der Ausschreitungen gebracht worden waren, protestierten erneut Tausende Kopten. Nach Angaben von Augenzeugen steckten sie ein Polizeifahrzeug in Brand. In einer koptischen Kirche soll im Laufe des Tages eine Trauerfeier für die getöteten Demonstranten stattfinden.

Bei einer Demonstration von koptischen Christen in Kairo waren am Sonntagabend mindestens 26 Menschen ums Leben gekommen. Bei den Zusammenstößen zwischen Kopten, Muslimen und Sicherheitskräften seien zudem mehr als 197 Menschen verletzt worden, so dass sie in Krankenhäusern behandelt werden mussten. Mehr als 150 weitere Menschen sollen leicht verletzt worden sein.

Demonstranten warfen Steine auf Polizisten und Soldaten und setzten Autos in Brand. Die Sicherheitskräfte gaben Schüsse in die Luft ab und setzten Tränengas ein, um die Menge auseinanderzutreiben. Die Behörden verhängten für die Nacht eine Ausgangssperre, die inzwischen aufgehoben wurde. Es waren die schwersten Ausschreitungen in Ägypten seit dem Sturz von Ex-Präsident Hosni Mubarak.

Seit Monaten mehren sich in Ägypten die Angriffe auf die Kopten, die bis zu zehn Prozent der Bevölkerung stellen. Sie klagen seit Langem über Diskriminierung und warnen, dass seit Mubaraks Sturz der Einfluss der Islamisten gestiegen sei.

Der ägyptische Regierungschef Essam Scharaf hat am Morgen eine Notstandsitzung für das ägyptische Kabinett einberufen. Scharaf sagte, das Land sei "in Gefahr". Er forderte Christen und Muslime zu "Zurückhaltung" auf. Es handele sich nicht um religiöse Auseinandersetzungen, sondern um den Versuch, "Chaos zu verursachen". Das Ziel des "Komplotts" sei, die für Ende November geplanten Wahlen zu behindern. Scharaf steht der nach dem Sturz Mubaraks eingesetzten Übergangsregierung vor, die eigentliche Macht liegt jedoch beim Militärrat. 

Leserkommentare
  1. Entfernt. Bitte verzichten Sie auf unsachliche Spekulationen und Vermutungen. Danke. Die Redaktion/sh

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    • auctum
    • 10. Oktober 2011 7:55 Uhr

    Malen Sie mir doch bitte nicht den "Teufel" an die Wand.

    Ansonsten muss ich wieder fragen warum das Ganze und was koptische Christen eigentlich sind.
    Und muss Nummer 4 von Buh voll und ganz zustimmen, Religionen haben fast nie zu etwas positiven geführt

  2. gilt den durch Muslime drangsalierten und terrorisierten Kopten, die tapfer gegen ihre Peiniger standhalten und nicht feige kapitulieren und ihre Auslöschung besiegeln.

    Ich kenne persönliche Kopten und weiß, dass es friedliche und ehrenhafte Menschen sind, die nicht nur von den extremen Muslimen angefeindet werden, sondern auch generell von vielen gemäßigten Muslimen als nicht moralisch gleichwertig angesehen werden.

    Bitte sehen Sie von Pauschalisierungen ab. Danke. Die Redaktion/wg

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    • Buh
    • 10. Oktober 2011 7:51 Uhr

    Da gerät ein Mob gewaltsamer Christen außer Rand und Band und sie reden von friedlichen Leuten? Also die Leute, die da randaliert haben waren sicher nicht friedlich. Und das darf man ganz sicher nicht mit einem Brandanschlag von irgendwelchen Muslimen entschuldigen.

    Aber noch warte ich auf mehr Aufklärung. Was da so richtig passiert ist, scheint noch nicht geklärt.

    In jedemfall wollte ich aber ihrer übereilten Positiven Meinung etwas kritisches entgegensetzen.

    Gilt Ihr Mitgefühl den auch für die täglich sterbende Muslime in Afghanistan und Irak,die von christlichen Soldaten terrorisiert und drangsaliert werden?

  3. ...wieviele der Toten Soldaten sind. Die im Fernsehen ausgestrahlten Bilder zeigen einen fanatisierten Mob, der panikartig fliehende unbewaffnete Soldaten mitunter bestialisch erschlägt, nicht nur mit Holzkreuzen, sondern teils mit schweren Gesteinsbrocken.

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    @Fatih Ersoy: "Die im Fernsehen ausgestrahlten Bilder zeigen einen fanatisierten Mob, der panikartig fliehende unbewaffnete Soldaten mitunter bestialisch erschlägt, nicht nur mit Holzkreuzen, sondern teils mit schweren Gesteinsbrocken."

    Bei solch schwerwiegenden Beschuldigungen sollten Sie auch die Quelle konkret benennen, Fatih. Ein Beleg à la "Das habe ich im Fernsehen gesehen" ist doch etwas dürftig, wenn man behauptet, unbewaffnete Soldaten seien "bestialisch" erschlagen worden, "nicht nur mit Holzkreuzen". Sie beschuldigen Angehörige einer bestimmten Gruppe des Mordes. Deshalb die ganz einfache Frage: Wo wollen Sie gesehen haben, dass unbewaffnete Menschen bestialisch mit Holzkreuzen erschlagen wurden. Welcher Sender, zu welcher ungefähren Uhrzeit?

    Und wer hier der "fanatisierte Mob" ist, ist auch noch ungeklärt. Tagesschau.de berichtet: "Tatsache ist, dass von Beginn an Schlägertrupps in Zivil mit Knüppeln auf Christen einprügeln." http://www.tagesschau.de/...

    Wer in Ägypten aus welchem Interesse heraus "Schlägertrupps in Zivil" zur Anheizung des Konflikts losschickt, ist eine zentrale Frage. Und auch, wer davon profitiert, wenn Soldaten vor laufender Kamera angegriffen werden. Tagesschau.de gibt den Staatssender Nile TV wieder: "Die christlichen Demonstranten hätten sich auf die Gewalt vorbereitet. Sie müssten hart bestraft werden. Es sei Zeit dafür, die Notstandsgesetze gegen sie einzusetzen."

    • Tandris
    • 10. Oktober 2011 14:26 Uhr

    Entfernt wegen diskrimnierendem Inhalt. Die Redaktion/lv

    Und wer solls glauben

    • Buh
    • 10. Oktober 2011 7:48 Uhr

    [...]Wer Frieden will bekennt sich zur Religionsfreiheit und zum Gebot der demokratischen Diskussion an dem jeder in dem Land lebenden teilnehmen dürfen muss.

    Gekürzt. Bitte achten Sie auf Ihre Wortwahl. Danke, die Redaktion/mk

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    Wenn die "Religionen" hier nicht als Identitätsfaktor herhalten könnten ginge es eben um hellhäutig gegen dunkelhäutig, Straßengang 1 gegen Straßengang 2, oder alliierter Atheistenverband gegen Verband aliierter Atheisten.

    Wer sich schlagen will, tut das immer nur um seinerselbst Willen, nie um Gottes Willen.

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Pauschalisierungen. Danke. Die Redaktion/ag

    • Buh
    • 10. Oktober 2011 7:51 Uhr

    Da gerät ein Mob gewaltsamer Christen außer Rand und Band und sie reden von friedlichen Leuten? Also die Leute, die da randaliert haben waren sicher nicht friedlich. Und das darf man ganz sicher nicht mit einem Brandanschlag von irgendwelchen Muslimen entschuldigen.

    Aber noch warte ich auf mehr Aufklärung. Was da so richtig passiert ist, scheint noch nicht geklärt.

    In jedemfall wollte ich aber ihrer übereilten Positiven Meinung etwas kritisches entgegensetzen.

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    • haarry
    • 10. Oktober 2011 9:07 Uhr

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Pauschalisierungen. Danke. Die Redaktion/ag

    und stehen auf Seite der Muslime!

    Sie weisen immer in Ihren Kommentaren Kritik am Islam zurück. Deshalb denunzieren Sie hier auch den friedlichen Widerstand der Kopten.

    Der Politologe Hamed Abdel-Samad hat in einem sehr interessanten Interview zur Lage folgendes geäußert:

    "FOCUS Online: Der Jubel über den arabischen Frühling, den viele wie einen Befreiungsschlag von alten Strukturen empfinden, ist also verfrüht?.......Auf der anderen Seite haben islamistische Kräfte in den arabischen Staaten Aufwind. Das sind Zutaten für einen Weltkrieg."

    weiter heißt es:
    "FOCUS Online: Teilen Sie denn Befürchtungen nach denen Islamisten nun das entstandene Machtvakuum für sich einnehmen könnten?

    Abdel-Samad: Die Angst vor Islamisten ist berechtigt. Sie sind unberechenbar und haben andere Prioritäten als Demokraten. Man muss sich Sorgen machen, wenn in Staaten wie Ägypten, Tunesien, Syrien und Marokko nicht sofort wieder eine politische Ordnung hergestellt wird, ......"

    Man kann erkennen, dass die Strategie der radikalen Muslime darauf abzielt, durch den Terror gegen die Kopten, die Herausbildung und Entstehung von demokratischen Verhältnissen zu verhindern.

    Die Radikalisierung der Moslems ist die Methode und es scheint, dass sie erfolgreich ist.

    "...Und das darf man ganz sicher nicht mit einem Brandanschlag von irgendwelchen Muslimen entschuldigen."

    Nein, irgendwelche Muslime dürfen schon tun was sie wollen. Die Angegriffenen müssen mit ihrer Reaktion mal gaaaanz vorsichtig sein. Es könnten schließlich irgendwelche Muslime zu schaden kommen.

    Bitte verzichten Sie auf Pauschalisierungen und Unterstellungen. Danke, die Redaktion/mk

    " In jedemfall wollte ich aber ihrer übereilten Positiven Meinung etwas kritisches entgegensetzen."

    " ihre uebereilte positive meinung..." liebe Buh, werden sie vom verband muslimischer trolle finanziert oder sind sie einfach nur penetrant unhoeflich ?
    lg, realpirate

    • auctum
    • 10. Oktober 2011 7:55 Uhr

    Malen Sie mir doch bitte nicht den "Teufel" an die Wand.

    Ansonsten muss ich wieder fragen warum das Ganze und was koptische Christen eigentlich sind.
    Und muss Nummer 4 von Buh voll und ganz zustimmen, Religionen haben fast nie zu etwas positiven geführt

    Antwort auf "schrecklich"
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    Schön, dass Religionen in einen Topf geworfen werden. Mindestens genauso und noch mehr Blut wurde auch in den letzten Jahrhunderten von den sogenannten "Aufgeklärten" verursacht: Hitler, Stalin, Machthaber in Südostasien, Afrika, aber auch Frankreich (Algerien...) ... hatte alles nichts mit Islam oder Christentum zu tun.
    Also, was soll hier das Aufrechnen?
    Und, egal wer nun mit Holzkreuzen auf Soldaten los ging (muss ja kein Kopte gewesen sein. - Egal, schlimm genug):
    Christen werden in den islamischen Ländern nur allein verfolgt weil sie Christen sind. Sie wollen ihren Glauben leben und werden verfolgt. Menschen, welche zum Christentum übertreten, sind höchst gefärdet. Wem es interessiert: OpenDoors

    "Ansonsten muss ich wieder fragen warum das Ganze und was koptische Christen eigentlich sind."

    Was koptische Christen eigentlich sind?

    Sie sind die ursprünglichen Ägypter!

    Denn vor der arabisch-islamischen Expansion (im 7. Jahrhundert. n. Chr.) waren nahezu alle Ägypter Kopten!

    Die übrigen Bewohner Ägyptens waren Juden.

    Mit der derzeit laufenden Vertreibung der einst unter islamischer Herrschaft in die Minderzahl gedrängten Kopten töten die glaubensfundamentalistisch verhetzten Teile der ägyptischen Gesellschaft also derzeit gerade ihre eigenen originären und vitalen Wurzeln ab(!), ohne deren Standfestigkeit und Versorgung mit Geist, Gebildetheit, Wissen und Fleiß sie selbst nicht mehr viel länger werden überleben -geschweige denn gedeihen- können!

  4. als würde die von Facebook und Twitter herbeigeführte Befreiung so langsam in Demokratie umschlagen.

    Nur in Libyen wehrt man sich noch gegen die Flugverbotszonenüberwachung.

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    > Es scheint so, als würde die von Facebook
    > und Twitter herbeigeführte Befreiung so
    > langsam in Demokratie umschlagen.

    > Nur in Libyen wehrt man sich noch gegen
    > die Flugverbotszonenüberwachung.

    Und die NPD mit ihrem Hohngelächter über die Mühsal und die Anfälligkeit der Demokratie ist natürlich nicht weit. Oder ist das die SED? Egal.

  5. Die Medienberichte aus Kairo sind bezüglich der aktiven Mittäterschaft koptischer Demonstranten sehr zurückhaltend. Es soll Augenzeugen und Videoberichte geben, die Szenen festhalten, wonach koptische Teilnehmer den Polizisten die persönliche Waffe entwendeten.

    Dies kommt einer Einschätzung ausländischer Diplomaten nahe, welche schon früher auf eine aktive Rolle der Kopten bei den verschiedenen blutigen Krawallen hingewiesen haben.

    Kopten sind tiefgläubig und friedfertig. Auch Fussballfans sind friedliche Zuschauer... Aber eben nicht alle... Auch im religiösen Bereich gibt es Hooligans.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, dpa
  • Schlagworte Guido Westerwelle | FDP | Hosni Mubarak | Ausgangssperre | Behörde | Brand
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