Religiöse Unruhen : Ägyptische Regierung verschärft Sicherheitsvorkehrungen

Zusätzliche Soldaten patrouillieren an Regierungsgebäuden nach der Straßenschlacht zwischen koptischen Christen und Soldaten. Die Regierung hält eine Notstandsitzung ab.

Die Situation in Kairo bleibt nach den schweren Ausschreitungen angespannt: Die ägyptischen Behörden haben die Sicherheitsvorkehrungen insgesamt erhöht. Rund um den Tahrir-Platz wurden Polizisten stationiert, zusätzliche Soldaten sollen vor dem Parlamentsgebäude und anderen zentralen Einrichtungen für Sicherheit sorgen.

Zahlreiche Personen, denen "Anstiftung zum Chaos" vorgeworfen wird, wurden festgenommen, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Mena.

Vor dem Koptischen Krankenhaus in der Innenstadt, in das die meisten Opfer der Ausschreitungen gebracht worden waren, protestierten erneut Tausende Kopten. Nach Angaben von Augenzeugen steckten sie ein Polizeifahrzeug in Brand. In einer koptischen Kirche soll im Laufe des Tages eine Trauerfeier für die getöteten Demonstranten stattfinden.

Bei einer Demonstration von koptischen Christen in Kairo waren am Sonntagabend mindestens 26 Menschen ums Leben gekommen. Bei den Zusammenstößen zwischen Kopten, Muslimen und Sicherheitskräften seien zudem mehr als 197 Menschen verletzt worden, so dass sie in Krankenhäusern behandelt werden mussten. Mehr als 150 weitere Menschen sollen leicht verletzt worden sein.

Demonstranten warfen Steine auf Polizisten und Soldaten und setzten Autos in Brand. Die Sicherheitskräfte gaben Schüsse in die Luft ab und setzten Tränengas ein, um die Menge auseinanderzutreiben. Die Behörden verhängten für die Nacht eine Ausgangssperre, die inzwischen aufgehoben wurde. Es waren die schwersten Ausschreitungen in Ägypten seit dem Sturz von Ex-Präsident Hosni Mubarak.

Seit Monaten mehren sich in Ägypten die Angriffe auf die Kopten, die bis zu zehn Prozent der Bevölkerung stellen. Sie klagen seit Langem über Diskriminierung und warnen, dass seit Mubaraks Sturz der Einfluss der Islamisten gestiegen sei.

Der ägyptische Regierungschef Essam Scharaf hat am Morgen eine Notstandsitzung für das ägyptische Kabinett einberufen. Scharaf sagte, das Land sei "in Gefahr". Er forderte Christen und Muslime zu "Zurückhaltung" auf. Es handele sich nicht um religiöse Auseinandersetzungen, sondern um den Versuch, "Chaos zu verursachen". Das Ziel des "Komplotts" sei, die für Ende November geplanten Wahlen zu behindern. Scharaf steht der nach dem Sturz Mubaraks eingesetzten Übergangsregierung vor, die eigentliche Macht liegt jedoch beim Militärrat. 

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Kommentare

363 Kommentare Seite 1 von 22 Kommentieren

Religionen

Schön, dass Religionen in einen Topf geworfen werden. Mindestens genauso und noch mehr Blut wurde auch in den letzten Jahrhunderten von den sogenannten "Aufgeklärten" verursacht: Hitler, Stalin, Machthaber in Südostasien, Afrika, aber auch Frankreich (Algerien...) ... hatte alles nichts mit Islam oder Christentum zu tun.
Also, was soll hier das Aufrechnen?
Und, egal wer nun mit Holzkreuzen auf Soldaten los ging (muss ja kein Kopte gewesen sein. - Egal, schlimm genug):
Christen werden in den islamischen Ländern nur allein verfolgt weil sie Christen sind. Sie wollen ihren Glauben leben und werden verfolgt. Menschen, welche zum Christentum übertreten, sind höchst gefärdet. Wem es interessiert: OpenDoors

sogenannte Aufgeklärte

Wer soll die denn "so genannt" haben? Die Ideologien die diese Männer vertreten haben, trennt durch ihren Alleinvertretungsanspruch und Dogmatismus nicht allzuviel von Religionen, im Gegenteil.

Mit der kantischen Definition von Aufklärung hat das rein gar nichts zu tun. Abgesehen davon, dass sich auch keiner dieser Menschschlächter dazu bekannt hat.

Hitler und Stalin als "Aufgekärte" zu bezeichnen ist nicht hinnehmbar, auch nicht mit Anführungszeichen oder Augenzwinkern. Es ist gleichwohl ein Anzeichen dafür auf was man als Verteidiger religösen "Denkens" zurückgreifen muss, um überhaupt "Argumente" zu finden.

@auctum

"Ansonsten muss ich wieder fragen warum das Ganze und was koptische Christen eigentlich sind."

Was koptische Christen eigentlich sind?

Sie sind die ursprünglichen Ägypter!

Denn vor der arabisch-islamischen Expansion (im 7. Jahrhundert. n. Chr.) waren nahezu alle Ägypter Kopten!

Die übrigen Bewohner Ägyptens waren Juden.

Mit der derzeit laufenden Vertreibung der einst unter islamischer Herrschaft in die Minderzahl gedrängten Kopten töten die glaubensfundamentalistisch verhetzten Teile der ägyptischen Gesellschaft also derzeit gerade ihre eigenen originären und vitalen Wurzeln ab(!), ohne deren Standfestigkeit und Versorgung mit Geist, Gebildetheit, Wissen und Fleiß sie selbst nicht mehr viel länger werden überleben -geschweige denn gedeihen- können!

Wieder einmal das Skandalisieren von Trivialitäten:

"...Denn vor der arabisch-islamischen Expansion (im 7. Jahrhundert. n. Chr.) waren nahezu alle Ägypter Kopten!..."

Gähn: Und was waren "nahezu alle Ägypter" vor der christlichen Expansion?

Dass die Kopten von den Byzantinern als Ketzer verfolgt wurden, lassen wir an dieser Stelle am besten auch gänzlich unerwähnt, nicht? Spannende hypothetische Frage: was wäre von diesen Kirchen heute eigentlich noch übrig, wenn die islamischen Großreiche nicht in Konkurrenz zu Ostrom aufgetreten wären? Wie der Katholizismus in der Tradition des westlichen Imperium Romanums wäre der Orient wohl einheitlich hellenisch-orthodox, womöglich mit einer orientalischen Variante eines antithetischen Protestantismus. Noch wahrscheinlicher ist, dass es dann irgendwann zu einer entscheidenden Konfrontationsphase zwischen Katholizismus und Orthodoxie gekommen wäre, in der wohl die Orthodoxie die Oberhand behalten hätte.

Gewaltsame Unterdrückung = Trivialität???

"Und was waren "nahezu alle Ägypter" vor der christlichen Expansion?"

Was wollen Sie mit "Expansion" suggerieren?

Der Apostel Markus hat in Ägypten eine Kirche gegründet. Ohne das Krummschwert.

Das Wort Kopte bedeutet Ägypter.

"Spannende hypothetische Frage: was wäre von diesen Kirchen heute eigentlich noch übrig, wenn die islamischen Großreiche nicht in Konkurrenz zu Ostrom aufgetreten wären?"

Meinen Sie das Ernst???

Sehen Sie, was übrig ist, lesen Sie, wie es den Kopten seit dem 7. Jahrhundert erging:
641: Die islamische-arabische Herschaft löst die oströmische (byzantinische) ab.
706: Die koptische Sprache (wichtigste Dialekte: Sahidisch und Bohairisch) wird durch die arabische Sprache ersetzt.
8.-9. Jh.: Niederschlagung von Koptenaufständen.
Ab 9. Jh.: Christen bilden in Ägypten nur noch eine Minderheit.
11. Jh.: Verlegung des Patriarchats nach Kairo.
1250: Mamlukenherrschaft: Massenübertritte zum Islam.
http://www.koptische-geme...

"Noch wahrscheinlicher ist, dass es dann irgendwann zu einer entscheidenden Konfrontationsphase zwischen Katholizismus und Orthodoxie gekommen wäre, in der wohl die Orthodoxie die Oberhand behalten hätte."

Wilde Spekulation. Die anderen orthodoxen Zweige gibt es noch.

Was unter islamischer Herrschaft mit Christen und anderen Religionen passiert ist, wissen wir. Unfassbar, dass es auch heute noch passiert.

Meine Solidarität und mein ganzes Mitgefühl

gilt den durch Muslime drangsalierten und terrorisierten Kopten, die tapfer gegen ihre Peiniger standhalten und nicht feige kapitulieren und ihre Auslöschung besiegeln.

Ich kenne persönliche Kopten und weiß, dass es friedliche und ehrenhafte Menschen sind, die nicht nur von den extremen Muslimen angefeindet werden, sondern auch generell von vielen gemäßigten Muslimen als nicht moralisch gleichwertig angesehen werden.

Bitte sehen Sie von Pauschalisierungen ab. Danke. Die Redaktion/wg

Euphemismus und Ignoranz

Da gerät ein Mob gewaltsamer Christen außer Rand und Band und sie reden von friedlichen Leuten? Also die Leute, die da randaliert haben waren sicher nicht friedlich. Und das darf man ganz sicher nicht mit einem Brandanschlag von irgendwelchen Muslimen entschuldigen.

Aber noch warte ich auf mehr Aufklärung. Was da so richtig passiert ist, scheint noch nicht geklärt.

In jedemfall wollte ich aber ihrer übereilten Positiven Meinung etwas kritisches entgegensetzen.

@Buh: Sie sind parteilich

und stehen auf Seite der Muslime!

Sie weisen immer in Ihren Kommentaren Kritik am Islam zurück. Deshalb denunzieren Sie hier auch den friedlichen Widerstand der Kopten.

Der Politologe Hamed Abdel-Samad hat in einem sehr interessanten Interview zur Lage folgendes geäußert:

"FOCUS Online: Der Jubel über den arabischen Frühling, den viele wie einen Befreiungsschlag von alten Strukturen empfinden, ist also verfrüht?.......Auf der anderen Seite haben islamistische Kräfte in den arabischen Staaten Aufwind. Das sind Zutaten für einen Weltkrieg."

weiter heißt es:
"FOCUS Online: Teilen Sie denn Befürchtungen nach denen Islamisten nun das entstandene Machtvakuum für sich einnehmen könnten?

Abdel-Samad: Die Angst vor Islamisten ist berechtigt. Sie sind unberechenbar und haben andere Prioritäten als Demokraten. Man muss sich Sorgen machen, wenn in Staaten wie Ägypten, Tunesien, Syrien und Marokko nicht sofort wieder eine politische Ordnung hergestellt wird, ......"

Man kann erkennen, dass die Strategie der radikalen Muslime darauf abzielt, durch den Terror gegen die Kopten, die Herausbildung und Entstehung von demokratischen Verhältnissen zu verhindern.

Die Radikalisierung der Moslems ist die Methode und es scheint, dass sie erfolgreich ist.

Ich weise

Gewaltverharmlosung und Parteilichkeit zurück. Und das mit Recht, wie ich finde.

Mich interessiert in dem Zusammenhang nicht was ein Politologe sagt. Hier haben nach bisherigen Erkenntnissen "friedliche" Kopten andere Menschen Gewalt angetan und in den Straßen randaliert. Das ist nicht in Ordnung. Das kritisieren des Brandanschlages und der generellen Behandlung der Kopten stehen da auf einem anderen Blatt. Unrecht kann nicht mit Unrecht gesühnt werden.

Ihre Argumentation erschließt sich mir nicht im Geringsten. Sie sind offensichtlich selbst ein Christ.

Bitte verzichten Sie auf Polemik. Danke, die Redaktion/mk

Es gibt wahrscheinlich

wenige Revolutionen die soviele Feinde hatten, wie der "Arabische Frühling".

Die Islamisten gehören, geht man denn von einer demokratisch-säkularen Stoßrichtung aus, sicher dazu. Sie sind aber längst nicht die einzigen. Was glauben Sie, was für elitäre Strukturen sich in Jahrzenten der Diktatur bilden. Und wie schätzen sie deren Interesse an einem Umbruch ein?

Zu guter letzt das Ausland. Anreiner, Nachbarn und der Westen sind dieser Bewegung ja alles andere als frenetisch gegenüber gestanden. Besonders als sie auf Ägypten übergriff.

[...]

Mir sieht das nach einem recht willkommenen Vorwand aus, selbst wenn der Auslöser nicht fingiert worden ist.

Gekürzt. Bitte bleiben Sie beim konkreten Thema. Danke, die Redaktion/mk

Ihre "bisherigen Erkenntnisse"

sind nichts als dreiste Behauptungen, gegen jede wahrscheinlichkeit und gegen jede Erfahrung aus der jüngsten vergangenheit, in der Kopten immer wieder angegriffen, terrorisiert und seitens Militär uns Polizei NICHT geschützt wurden. Aus diesem grunde, nach dem jüngsten Brandanschlag diese Demonstration gegen den "Marschall".
Sie sind offensichtlich indoktriniert durch das vom Militär kontrollierte ägyptische Fernsehen.
Die Sachlage stellt sich jedoch anders dar:

"Nach Schilderungen des ägyptischen Fernsehens schossen zuerst Demonstranten auf Soldaten und bewarfen sie mit Steinen. Außerdem seien mehrere Autos und Busse in Brand gesetzt worden. Dagegen berichteten koptische Demonstrationsteilnehmer den Reportern der Webseite almasryalyoum, dass zunächst sie beschossen worden seien, als ihr Marsch den Platz vor dem Fernsehgebäude erreicht habe. Zwei Panzerspähwagen der Armee seien mitten in die Menge gefahren, berichteten Augenzeugen. Dabei seien mehrere Demonstranten überrollt und getötet worden.... Auf Fernsehbildern war auch zu sehen, wie das Militärfahrzeug in die Menschenmenge raste."
http://www.sueddeutsche.d...

Hätten Sie vor 100 Jahren gelebt,

hätten Sie sich vermutlich auch bei den Kämpfen um Van und Musa Dagh über die Armenier empört. Wie kommen die dazu, sich mit Waffengewalt gegen ihre Verfolger zur Wehr zu setzen?

Daß hunderttausende Armenier bereits durch einen türkischen Mob erschlagen wurden, ist zwar tragisch, aber noch lange kein Grund, vom Prinzip der Gewaltlosigkeit abzurücken, nicht wahr?

- - -

Lieber sich ermorden und drangsalieren lassen und eine weiße Weste behalten? Verstehe ich Sie richtig, daß es das ist, was Sie von den Kopten verlangen?

Ansonsten gebe ich Ihnen Recht, daß man abschließend erst urteilen kann, wenn man die volle Wahrheit kennt. Theoretisch kann die offizielle Darstellung des ägyptischen Staatsfernsehens natürlich stimmen, daß mordlustige Kopten unschuldige, friedlich herumstehende Polizisten überfielen. Aber die Kopten wären angesichts ihrer Gesamtsituation schon ziemlich lebensmüde, sollte dies der Wahrheit entsprechen.

Im Übrigen sind Kopten nicht mit deutschen Katholiken oder Lutheranern identisch, falls Sie Probleme mit der hiesigen Kirche haben, und diese jetzt auf die koptische Religionsgemeinschaft in einem muslimisch dominierten Land projezieren. Da können die nichts für.

Das stimm ausnahmsweise:

"...Im Übrigen sind Kopten nicht mit deutschen Katholiken oder Lutheranern identisch,...."

Allerdings anders, als von Ihnen gemeint. Religiöser Fanatismus im Nahen Osten ist - entgegen aller gängigen Klischees - kein Alleinstellungsmerkmal des Islams. Radikalität, Fanatismus, Fundamentalismus und auch Gewaltbereitschaft gibt es dort genauso auch unter den orientalischen Christen, die man in der Tat nur schwerlich mit dem zeitgenössischen Christentum Mitteleuropas vergleichen kann.

Hat er Recht?

"Der Koran und die auf ihm fußende muselmanische Gesetzgebung reduzieren Geographie und Ethnographie der verschiedenen Völker auf die einfache und bequeme Zweiteilung in Gläubige und Ungläubige. Der Ungläubige ist 'harby', d.h. der Feind. Der Islam ächtet die Nation der Ungläubigen und schafft einen Zustand permanenter Feindschaft zwischen Muselmanen und Ungläubigen."

Karl Marx, Die Kriegserklärung - Zur Geschichte der orientalischen Frage

Mitgefühl schwindet mit dem Abstand,

genau wie die Toleranz.
So ist unsere Natur. Der Verstand kann aber dazu benutzt werden, eine Ausweitung der Empathie zu trainieren um des Friedens willens.
Soldaten werden bewußt verroht in der Ausbildung, die Tötungshemmung wird abtrainiert.
Auch kriegerische und Gewalt verherrlichende oder dauerbedrohte Gesellschaften erziehen ihre Jungen eher zum Draufschlagen, statt zu liebevollem Mitgefühl.

Jeder kann sich also fragen, welches sein Anteil ist am Unfrieden in der Welt und welchen Anteil dabei Kultur und Religion haben, die die Sozialisation der Menschen bestimmen.

@shkupjan

"Gilt Ihr Mitgefühl den auch für die täglich sterbende Muslime in Afghanistan und Irak,die von christlichen Soldaten terrorisiert und drangsaliert werden?"

Repräsentieren die von Pakistan einst gegründeten Taliban und deren (zumeist nichtafghanische) Al Qaida-Verbündeten in Afghanistan die afghanischen Muslime, oder waren und sind sie für die große Mehrzahl der zumeist muslimischen Afghanen fremdgesteuerte radikalislamistische Invasoren und brutale Unterdrücker?

Tragen "christlichen Soldaten" in Afghanistan die Hauptlast der verlustreichen Kämpfe gegen die Taliban und deren radikalislamistischen Verbündeten, oder sind es vor allem afghanische (also MUSLIMISCHE !) Soldaten, Polizisten und Stammesmilizionäre, welche mit großem Abstand die höchsten Verluste im Kampf gegen die dschihadistischen Eindringlinge von Taliban und Konsorten zu tragen haben?

Und kämpfen in der UN-mandatierten ISAF-Schutztruppe nicht auch viele Muslime mit, wie z.B. die Türken?

Gibt es nicht auch bei den Amerikanern, Briten, Franzosen, Niederländern, Kanadiern, und weiteren in Afghanistan eingesetzten Truppenkontingenten längst auch zahlreiche muslimische Soldaten?

Bei näherem Hinschauen ist es m.E. vollkommen unhaltbar, die Kämpfe in Afghanistan propagandistisch in einen Krieg von Christen gegen Muslime umfälschen zu wollen!

Nein, hat er nicht,

... einfach deswegen, weil diese klassische Einteilung verkennt, dass die bedeutsamsten islamischen Rechtsschulen zu jener Zeit schon lange das Konzept des "Gebietes/ Hauses des Vertrages" ausgearbeitet hatten. Mit diesem simplen theologischen Kniff löst sich übrigens auch die moderne hetzerische Panikmache islamophober Apologeten wie Raddatz schlicht in Luft auf.

@Fatih Ersoy

"Guckst Du hier: ..."

Was haben irgendwelche evangelikalen US-Glaubensfundamentalisten (deren älteste Gemeinschaften es erst seit einem Jahrhundert gibt) denn bittschön mit den Kopten zu tun (deren Kirche bereits im 3. Jahrhundert n. Chr. gegründet wurde), deren Religionsgemeinschaft zu den ältesten christlichen Gemeinschaften überhaupt zählt, und der vor der islamisch-arabischen Expansion fast alle Ägypter angehörten?

@Fatih Ersoy

"... weil diese klassische Einteilung verkennt, dass die bedeutsamsten islamischen Rechtsschulen zu jener Zeit schon lange das Konzept des "Gebietes/ Hauses des Vertrages" ausgearbeitet hatten. ..."

Nur die schafiitische Rechtsschule im Islam kennt neben Dar al-Islam und Dar al-Harb noch als dritte Kategorie "Das Haus des Vertrags":

"Von grundlegender Bedeutung für das klassisch-islamische Völkerrechtsverständnis ist die Einteilung der Welt in ein Haus des Islam (Dar al-Islam) und ein Haus des Krieges (Dar al-Harb). Während ersteres alle Gebiete unter islamischer Herrschaft bezeichnet, gilt jedes Land außerhalb des islamischen Herrschaftsbereichs als zum Haus des Krieges zugehörig. Es gilt als Pflicht der islamischen Gemeinschaft möglichst große Teile des Dar al-Harb auf militärischem Wege dem Dar al-Islam einzuverleiben.

Die schafiitische Rechtsschule nennt noch eine weitere Kategorie: Das Haus des Vertrags (Dar al-Ahd). Als solches gelten Gebiete, deren nicht-muslimische Bewohner ein Waffenstillstandsabkommen mit den Muslimen unter der Bedingung geschlossen haben, dass sie ihre Gebiete behalten und statt dessen jährlich einen bestimmten Geldbetrag oder eine bestimmte Anzahl an Gütern zahlen würden.

Als einzige der vier sunnitischen Rechtsschulen legt die hanafitische fest unter welchen Umständen ein zum Haus des Krieges zugehöriges Gebiet zum Haus des Islam zugehörig wird und umgekehrt. ..."

Quelle:
http://de.wikipedia.org/w...

Reden Sie doch keinen Unfug.

Natürlich kennt auch die hanafitische und damit größte der islamischen Rechtsschulen dieses Konzept seit Jahrhunderten. Hören Sie auf meinen Rat und bleiben Sie in solch heiklen Fragen von Wiki fern. Darauf könnten Sie übrigens auch ohne weiteres Hintergrundwissen von selber kommen, wenn Sie sich mal fragten, wie die osmanischen Sultane und Kalifen ansonsten unzählige Allianzen, Bündnisse und Verträge mit christlichen Herrschaftshäusern hätten eingehen können, angefangen bei Süleymans Bündnis mit Francois I. im 16. Jahrhundert bis hin zur deutsch-türkischen Waffenbruderschaft im Ersten Weltkrieg.

Wenn Sie sich die Mühe machen...

"...Was haben irgendwelche evangelikalen US-Glaubensfundamentalisten (deren älteste Gemeinschaften es erst seit einem Jahrhundert gibt) denn bittschön mit den Kopten zu tun ..."

... unten auf den link zu klicken, der zum Ausgangsbeitrag führt, auf den ich geantwortet habe, werden Sie sehen, dass hier behauptet wurde, dass die USA in Irak und Afghanistan Kriege im Namen von Demokratie und Menschenrechten begonnen hätten. In diesem Filmchen wird allerdings ersichtlich, dass nicht nur evangelikales Fußvolk diese Kriege im Bewusstsein erheblicher religiöser Implikationen befürwortet hat, sondern das zu diesen Kreisen auch führende und kriegsrelevante 4-Sterne-Pentagon-Generäle (!) gehörten.

@Fatih Ersoy

"... dass die USA in Irak und Afghanistan Kriege im Namen von Demokratie und Menschenrechten begonnen hätten ..."

Und was haben all diese Ihre Behauptungen über völlig andere Themen nun mit der immer unterträglicher werdenden Lage der Kopten in Ägypten zu tun, nach dem gestrigen erneuten Massaker an mindestens 24 von ihnen, an dem erstmals die ägyptische Armee aktiv und maßgeblich beteiligt war?

Kopten

sind nicht weniger Radikal als fundamentale Katholiken. Es ist ein Unding zu behaupten, man könne Sicherheitskräfte eines Landes, dass sich im Umbruch befindet, angreifen und in den Straßen randalieren, weil radikale Muslime eine Kirche angegriffen haben. Christen, wie ich sie in den Büchern kennen gelernt habe, bei meinen wenigen Ausflügen ins theologische Seminar meiner Uni, würde Gewalt ablehnen und nicht Gewalt mit Gegengewalt beantworten, zumal die Gegengewalt hier noch nicht einmal gegen die Verursache angewandt wurde.

Für Sie alle ist es Ok, wenn nach einem Angriff durch Muslime auf eine Kirche solche Ausschreitungen gegen Schutzkräfte stattfinden? Wann kritisieren Sie dann die radikale Rechte in Deutschland, die fast Wöchentlich Angriffe auf Asylheimen und Politiker-Büros startet. Dagegen macht unsere demokratische Polizei auch nichts. Niemand käme deshalb auf die Idee, dass die Asylanten und Politiker mit gleicher Gewalt antworten dürften.

Das Verhalten dieser radikalen Christen ist verabschäuungswürdig. Ich kritisiere es vehement und rate allen, die an Frieden und Demokratie interessiert sind, auf Angriffe mit kühlem Kopf zu reagieren.

Ich bin indoktiriniert?

Liebe Zeit Online Redaktion. Meinen Kommentar nennen Sie polemisch, aber wenn mir jemand Indoktrination unterstellt bleibt es unberührt von ihrer willkürlichen Beurteilung der hier niedergelgten Meinungen.

Zu Ihnen Herr Antweiler:

Ich habe im Leben noch kein Ägyptisches Fernsehen geschaut. Ich kann doch nicht mal die Sprache. An und für sich habe ich nur die Informationen, die ich aus der deutschen Press bekomme.

Ich finde nicht, dass die Kopten so reagieren dürfen. Das streut Salz in die Wunden und verschlimmert den Konflikt. Zudem sollte ein guter Christ doch gewaltlos bleiben. Die rechte Backe einhalten und so. Oder nicht?

Für weiteres lesen Sie meinen Kommetnar 357.

In Ihrem eigenen Zitat erwähnen Sie ja, dass das fernsehen die Autos, die in die Menge rasten auch gezeigt hat. Immerhin! Und weil die Lage so ungeklärt ist, habe ich stets darauf verwiesen, dass wir abwarten sollten und ich unter der Bedingung der genannten Annahmen, die Ausschreitungen der Kopten kritisiere.

Aber offenbar gilt in diesem Christenland nur dann das Gesetz, wenn es dem Christen dient. Schade nur, dass Sie das nicht auf Ägypten übertragen können.

Ich kann nur hoffen, dass diese radikalisierten Religionen sich endlich aus dem Staatsbetrieb raushalten. Religionen zerstören die Demokratien. Sie gehören bekämpft, und zwar auf eine Weise, die sie fördern und fordern, in gleicher Weise, so dass sie ausgeübt werden können ohne überhand zu gewinnen.

Dann lesen Sie

doch einfach die Englische Version der ägyptischen und arabischen freien Presse. Al Jazeera bietet sein Programm auch auf Englisch.
Dann würden Sie Ihre Einschätzung bezüglich der REAKTION der Kopten auch ändern müssen. Mittlerweile ist klar, das bezweifeln nur noch ägypt. Regierungsvertreter, dass kein Soldat ernsthaft verletzt wurde, OBWOHL die Kopten sogar diejenigen stellten, die mit dem Panzer durch die Menge gefahren sind.
Links gibt es im Beitrag der Zeit "Es geht nicht um Religion" in den Kommentaren jede Menge, bspw. : http://english.ahram.org....

"Bestialisch" mit Kreuzen Erschlagene, Fatih?

@Fatih Ersoy: "Die im Fernsehen ausgestrahlten Bilder zeigen einen fanatisierten Mob, der panikartig fliehende unbewaffnete Soldaten mitunter bestialisch erschlägt, nicht nur mit Holzkreuzen, sondern teils mit schweren Gesteinsbrocken."

Bei solch schwerwiegenden Beschuldigungen sollten Sie auch die Quelle konkret benennen, Fatih. Ein Beleg à la "Das habe ich im Fernsehen gesehen" ist doch etwas dürftig, wenn man behauptet, unbewaffnete Soldaten seien "bestialisch" erschlagen worden, "nicht nur mit Holzkreuzen". Sie beschuldigen Angehörige einer bestimmten Gruppe des Mordes. Deshalb die ganz einfache Frage: Wo wollen Sie gesehen haben, dass unbewaffnete Menschen bestialisch mit Holzkreuzen erschlagen wurden. Welcher Sender, zu welcher ungefähren Uhrzeit?

Und wer hier der "fanatisierte Mob" ist, ist auch noch ungeklärt. Tagesschau.de berichtet: "Tatsache ist, dass von Beginn an Schlägertrupps in Zivil mit Knüppeln auf Christen einprügeln." http://www.tagesschau.de/...

Wer in Ägypten aus welchem Interesse heraus "Schlägertrupps in Zivil" zur Anheizung des Konflikts losschickt, ist eine zentrale Frage. Und auch, wer davon profitiert, wenn Soldaten vor laufender Kamera angegriffen werden. Tagesschau.de gibt den Staatssender Nile TV wieder: "Die christlichen Demonstranten hätten sich auf die Gewalt vorbereitet. Sie müssten hart bestraft werden. Es sei Zeit dafür, die Notstandsgesetze gegen sie einzusetzen."

Wo sehen Sie hier einen Mord mithilfe eines Holzkreuzes?

"Heute morgen, Frühstücksfernsehen der ARD. Reicht Ihnen das?"

Wenn Sie das im ARD-Morgenmagazin gesehen haben wollen, ist das ja zumindest überprüfbar. Der Bericht aus dem Morgenmagazin ist in der Mediathek einsehbar: http://mediathek.daserste...

Nur kann ich nicht erkennen, wo hier zu sehen sein soll, dass unbewaffnete Soldaten mit Holzkreuzen bestialisch erschlagen werden? Wo soll es hier einen Mord vor laufender Kamera gegeben haben?

Der Bericht dauert 3:29 Minuten. Das einzige Szene mit einem Kreuz ist bei 0:25 min zu sehen. Dort sieht man eine Gruppe Zivilisten. Links im Bild sieht man jemanden, der mit einem langen Stock auf andere einschlägt. Auf der rechten Seite sieht man jemandem mit einem weißen Kreuz. Dieser schlägt mit dem Kreuz nach vorne ins Leere. Ob das eine Abwehrbewegung war oder er jemanden treffen wollte und einfach in die falsche Richtung schlägt, kann man aufgrund der Fernsehbilder nicht beurteilen.

Als Beleg für einen bestialischen Mord an unbewaffneten Menschen mittels Holzkreuzen (wie Sie ihn im Kommentar Nr. 4 behaupten) werden ihnen diese Bilder nicht dienen. Wenn Sie an einer anderen Stelle des Berichts einen bestialischen Mord beobachtet haben sollten, dann können Sie sicher auch die genaue Sendeminute benennen.

In Ihrem link ist die Szene nicht enthalten.

"...Als Beleg für einen bestialischen Mord an unbewaffneten Menschen mittels Holzkreuzen (wie Sie ihn im Kommentar Nr. 4 behaupten) werden ihnen diese Bilder nicht dienen. Wenn Sie an einer anderen Stelle des Berichts einen bestialischen Mord beobachtet haben sollten, dann können Sie sicher auch die genaue Sendeminute benennen...."

Machen Sie sich selbst die Mühe, danach zu suchen. Im ARD-Morgenmagazin war klar eine Szene zu sehen, in der Soldaten in eine Art Müll- oder Bauschuttcontainer getrieben wurden, während Teile des Mobs mit Holzkreuzen auf die wehrlosen Männer einschlugen, bis dann weitere Angehörige des Mobs mit Fuballgroßen Steinbrocken der Sache ein Ende bereiteten. Zwischen kurz vor sechs und kurz vor sieben war die Szene in etlichen der ausgestrahlten Beiträge zu sehen, danach habe ich den Fernseher ausgemacht und mich an den Rechner gesetzt.

@trumpeldor

"für starke Mägen

ist die fragliche Szene hier
http://www.ardmediathek.d...
gleich als erster Bildbeitrag zu sehen."

Sorry, aber "für starke Mägen" sind die mir vorliegenden Fotos und Videos von den ihn Haufen auf der Straße liegenden zerquetschen Totesopfern, die fast alle Kopten waren!

Sie wurden überrollt, als gepanzerte MTWs der Armee ohne jegliche Vorwarnung mit hoher Geschwindigkeit in die bis dahin friedliche Menge der Demonstranten rasten, was auch in den ersten Sekunden des ARD-Videos noch zu erkennen ist.

Diese Dokumente des gestrigen antichristlichen Massakers in Kairo sind dermaßen grausig anzuschauen, dass ich hier nicht auf sie verlinken möchte.

Von diesem Grauen unmittelbar und distanzlos ergriffen und überwältigt waren auch all jene Demonstranten, die den mörderischen Attacken des Militärs und des islamistischen Mobs entgangen waren, und die nun ihre Verwandten und Freunde tot, sterbend oder schwer verletzt auf der Straße liegen sahen.

Kein Wunder also, dass einige von Ihnen ihre Wut auf jene nicht mehr zügeln konnten, die sie für das Grauen vor ihren Augen verantwortlich machten, weil es die Armee war, die so mörderisch gegen die Kopten wütete.

Was im ARD-Video nur ganz am Anfang kurz zu sehen ist, ist z.B. hier ausführlicher (und wegen der Distanz zu Geschehen auch vorzeigbar) dokumentiert:

http://www.youtube.com/wa...

Die sind aber im Netz leicht ausfindig zu machen.

Wobei die Szene...

... in diesem Nachrichtenblock (wohl wegen der Zeit) kürzer gehalten ist, als in den Filmberichten während des MoMa. Warum sie offenkundig in den späteren Aufzeichnungen rausgeschnitten wurde, ist natürlich eine spannende Frage. Ebenso wie übrigens auch etliche andere Szenen, in denen wildeste Jagd- und Prügelszenen gegen nicht bewaffnete Uniformierte zu sehen waren. Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich die Stunde aufgezeichnet.

wo bin ich hier eigentlich?

Ist es seit neuestem verboten, einen Warnhinweis so zu formulieren, wie es dem eigenen Temperament entspricht?

Ich nenne solche Bilder etwas, was Menschen sich nur dann ansehen sollten, wenn sie einen "starken Magen" haben. Und zwar völlig unabhängig davon, wer da wen steinigt.

Oder noch anders gesagt: ich lasse mir von Ihnen nicht vorschreiben, wie ich Entsetzen äußere.

Wenn Sie meinen, dass ich dieses Entsetzen den Falschen zuteil werden ließ, dann sollten Sie vielleicht mal Ihren Humanismus-Begriff überprüfen!