US-Soldaten der Internationalen Schutztruppe Isaf patrouillieren in der süd-afghanischen Provinz Kandahar ein Dorfzentrum. © Romeo Cacad/AFP/Getty Images

Die Strategie der Nato gegen Taliban in Afghanistan wird in Pressemitteilungen erfolgreicher dargestellt, als sie tatsächlich ist. Dazu kommt eine Studie von den Forschern Alex Strick van Linschoten und Felix Kuehn für das Afghanistan Analysts Network, berichtet die britische Zeitung The Guardian.

Dem Bericht namens A Knock on the Door zufolge wurde die nächtliche gezielte Gefangennahme oder Tötung von hochrangigen Taliban-Mitglieder in Pressemitteilungen der Internationalen Schutztruppe Isaf als eine der effektivsten Methoden der militärischen Einheiten in Afghanistan präsentiert. Obwohl die Angriffe als besonders präzise Strategie auf die Befehlshaber der Taliban abzielen, starben bei jedem getöteten Anführer durchschnittlich acht andere Menschen. Insgesamt stellen die getöteten Anführer und Unterstützer nur fünf Prozent der Getöteten dar. Die Studie untersuchte 3.771 Pressemitteilungen der Isaf im Zeitraum vom 1. Dezember 2009 bis zum 30. September 2011. 

Pressemitteilungen seien irreführend

In den Mitteilungen sollten Berichte über die Anzahl der getöteten Anführer, Unterstützer und Rebellen den Erfolg der Mission zeigen. Bis zum Juni 2011 sei stetig über mehr Festnahmen und Tötungen berichtet worden, danach ging die Berichterstattung zurück.

Der Studie zufolge könnte dies mit der Ausreise von US-General David Patraeus aus Afghanistan zusammenhängen. Dabei seien die Informationen über Festnahmen und Tötungen nicht einheitlich gewesen. So sei in Informationen für US-amerikanische Medien die Zahl der gefangenen oder getöteten Taliban-Führer in einem längeren Zeitraum manchmal sehr viel höher gewesen als sich aus den täglichen Pressemitteilungen schließen ließ.

Auch bei den verwendeten Begriffen in den Mitteilungen kam es zu Ungenauigkeiten. So sollen die Wörter Anführer und Unterstützer manchmal synonym verwendet worden seien. Die Definition von einem Anführer "war so weit gefasst, dass sie sinnlos wurde", sagte Strick van Linschoten dem Guardian. Dies sei irreführend. "Dann wird angenommen, dass wir die Köpfe hinter den Taliban aus dem Gefecht ziehen, aber diese Behauptung wird der Realität nicht gerecht."