MilitärjuntaLebenslänglich für argentinischen "Todesengel"

Der frühere Junta-Offizier Alfredo Astiz ist wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit verurteilt worden. Er war in der ehemaligen Marine-Schule ESMA tätig. von AFP und dpa

Der ehemalige argentinische Marine-Offizier Alfredo Astiz in einem Gericht in Buenos Aires (Archiv)

Der ehemalige argentinische Marine-Offizier Alfredo Astiz in einem Gericht in Buenos Aires (Archiv)  |  © Juan Mabromata/AFP/Getty Images

Der als "Todesengel" bekannte frühere Junta-Offizier Alfredo Astiz ist in Argentinien zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Astiz wurde für schuldig befunden,  Entführungen, Folter und Morde während der letzten argentinischen Militärdiktatur zwischen 1976 und 1983 begangen zu haben, sagte der Vorsitzende Richter Daniel Obligado in Buenos Aires.

Zusammen mit Astiz standen 17 weitere ehemalige Armeeangehörige vor Gericht. Insgesamt wurden ihnen fast 100 Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorgeworfen. Elf frühere Offiziere erhielten ebenfalls jeweils lebenslänglich. Vier ehemalige Offiziere wurden zu Haftstrafen zwischen 18 und 25 Jahren verurteilt, zwei wurden freigesprochen. Auch der frühere Außenminister Oscar Montes wurde zu lebenslänglich verurteilt.

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Nach der Urteilsverlesung riefen Angehörige: "Mörder, Mörder". Unterstützer der Angeklagten sangen dagegen die argentinische Nationalhymne.

Amnestiegesetz ist nichtig

In dem vor zwei Jahren begonnenen Prozess ging es um Entführungen, Folterungen und Morde von Gegnern der Diktatur in der ehemaligen Marineingenieursschule ESMA in Buenos Aires. Astiz wurde unter anderem für die Entführungen der beiden französischen Nonnen Alice Domon und Léonie Duquet im Dezember 1977 mitverantwortlich gemacht. Mit den Französinnen wurden zehn weitere Aktivistinnen entführt, darunter die Gründerin der Menschenrechtsorganisation Mütter der Plaza de Mayo. Es wird angenommen, dass Duquet und vier Argentinierinnen lebend aus einem Flugzeug ins Meer geworfen wurden. Ihre Leichen wurden 2005 auf einem Seefriedhof mit namenlosen Gräbern entdeckt. Anwohner hatten die Toten gefunden, als sie an Land gespült wurden.

In der ESMA wurden etwa 4.500 Menschen illegal gefangen gehalten und gefoltert. Ein Großteil dieser politischen Häftlinge wurde in sogenannten Todesflügen von Marineflugzeugen aus lebend über den Rio de la Plata abgeworfen. Die ehemalige Marineschule ist heute Museum und Gedenkstätte.

Ein französisches Gericht hatte Astiz bereits 1990 in Abwesenheit zu lebenslanger Haft verurteilt, Italien verurteilte ihn im Jahr 2007. Auch ein argentinisches Gericht hatte Astiz nach dem Ende der Militärherrschaft für schuldig befunden. Ende der 1980er Jahre jedoch wurden unter dem peronistischen Präsidenten Carlos Menem Amnestiegesetze erlassen, von denen Astiz profitierte. Der Oberste Gerichtshof des Landes erklärte den Gnadenerlass später aber für nichtig.

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    • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, dpa
    • Schlagworte Carlos Menem | Entführung | Gedenkstätte | Gericht | Nationalhymne | Argentinien
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