Terrorverdacht : "Warum sollte Iran so ein Risiko auf sich nehmen?"

Der ehemalige CIA-Agent Robert Baer glaubt nicht, dass Irans Führung an den Attentatsplänen in den USA beteiligt war. Dafür seien sie zu stümperhaft, sagt er im Interview.
Die saudi-arabische Botschaft in Washington D.C. © Jewel Samad/AFP/Getty Images

ZEIT ONLINE: Herr Baer, Iran hat die Anschuldigung, an einem Mordkomplott gegen den saudischen Botschafter in Washington beteiligt gewesen zu sein, als "Erfindung" bezeichnet. Was halten Sie davon?

Robert Baer: Ich denke nicht, dass die US-Regierung den Vorfall frei erfunden hat. Allerdings habe ich starke Zweifel, dass die Regierung in Teheran an den Attentatsplänen direkt beteiligt war, oder diese gebilligt hat. Viel eher hat das Weiße Haus einem stümperhaften Plan aufgebauscht, so scheint es mir.

ZEIT ONLINE: Sie teilen also die Skepsis zahlreicher Nahost-und Iran-Experten an der offiziellen Darstellung dieses Falls?

Robert Baer

ist einer der profiliertesten Nahost-Experten der USA. Der ehemalige CIA-Agent war in den 1980er und 1990er Jahren in Syrien und im Libanon operativ tätig. Elemente seines Buches See No Evil dienten als Vorlage für den Film Syriana (2005) mit George Clooney.
 

Baer: Ich halte die Terrorplanung, so wie sie dargestellt wird, für sehr unglaubwürdig. Falls daran etwa wahr sein sollte, würde das alles, was wir über heute über Iran wissen, in Frage stellen. Sicher, Teheran hat eine Menge Gründe, über die USA und Saudi-Arabien zornig zu sein. Denken wir nur an die Serie von Morden und Attentaten auf iranische Atom-Experten oder die Installierung des Stuxnet-Wurmes. Dafür machte Iran die USA und Israel verantwortlich. Und der saudische König hat ja nachweislich die USA dazu aufgefordert, Iran zu bombardieren ...

ZEIT ONLINE: ... Zudem war Iran in der Vergangenheit zweifellos an Terror-und Mordanschlägen in Europa und anderswo beteiligt.

Baer: Ja, aber diese Anschläge wurden von Verbündeten Teherans ausgeführt. Und das iranische Regime bemühte sich immer, seine Fingerabdrücke zu beseitigen. Iran hat auch niemals versucht, einen Anschlag in den USA selbst auszuführen.

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Kommentare

71 Kommentare Seite 1 von 10 Kommentieren

@Harzer / Casus belli

Iran steht schon lange auf der Abschussliste, schon seit Bush, wenn mich nicht alles täuscht, und Obama, der ja nichts weiter als "Bush Reloaded" ist, nur noch tyrannischer, braucht dringend einen Krieg, um von den ganzen anderen Problemen abzulenken, um wiedergewählt zu werden bzw. irgendwie im Amt zu bleiben, um seine Agenda (bzw. die seiner Berater) weiter durchziehen zu können. Es könnte durchaus sein, dass es ein false flag ist, nur vorgeschoben, um einen Kriegsgrund zu haben. In dem Kontext sähe ich aber eher Israel mit von der Partie, falls es zu Bombardements kommt, weniger Saudi-Arabien. Aber kommt es zu einem Angriff? Wenn, dann müssen sie es schnell machen. So oder so haben sie aufgrund dieses Vorfalls jetzt die Möglichkeit, den Iranern alles mögliche in die Schuhe zu schieben.

Zu westlich gedacht

Vorsicht vor diesem Gedankengang: "Die Iraner werden es nicht gewesen sein, weil es unvernünftig ist".
Wenn ich - aus islamistischer Perspektive argumentiert - Allahs Willen auf meiner Seite habe (bzw. zu haben glaube), dann winkt mir als höchste Belohnung der unmittelbare Einzug ins Paradies.
Diese Überlegung ist für rationale Westeuropäer/Nordamerikaner schwer nachvollziehbar, aber es ist leider so. Warum sonst wäre der Kampf gegen Suizidattentäter so schwer?
Wer nichts mehr zu verlieren hat (außer seinem irdischen Leben), dafür aber alles im Himmel zu gewinnen, denjenigen stoppen Sie mal mit Vernunftargumenten!

ganz recht

bloß anders, als Sie wahrscheinlich meinen. Zu westlich gedacht ist der bequeme Mythos der irrationalen Barbaren, die grundsätzliche Unterschätzung des Gegners - häufig bei gleichzeitig maßloser Überschätzung seiner Absichten und Möglichkeiten. Diese Torheit der Regierenden, um einen gängigen Buchtitel zu zitieren, hat im Westen eine sehr lange Tradition. Für einen besseren Einblick in mittelöstliche Realpolitik sei dieses Werk empfohlen:
http://www.amazon.com/Tre...

Ja vielleicht,

weil USA, Europa und Israel mit der Auslöschung von Iran bedrohen?
Rings um Iran haben sich amerikanische und Nato Militärbasen gebildet. Die warten nur noch auf das Start Kommando.

Irak und Afghanistan sind nicht gerade eine Werbung dafür, USA Glaubwürdigkeit zu schenken.

Traurig das Ganze.
Kann nur hoffen, dass über diplomatische Wege weiterhin eine Lösung gesucht wird.

der Iran bedroht Israel nicht mit Auslöschung

er bezieht aber Position für die Palästinenser. Er legt sich auch nicht einfach so mit Saudi Arabien an sondern unterstützt die dort diskriminierte schiitische Minderheit. Was die Bedrohung und Hetze betrifft auch eher umgekehrt ein Schuh draus. Der Iran wird sanktioniert und ihm wird ständig mit Krieg gedroht. Von Leuten, die nicht nur bellen sondern bekanntermaßen früher oder später Nägel mit Köpfen machen. Wie viele Militärschläge gingen noch gleich vom Iran aus und wie viele von Israel und den USA?

@Freiheitsfreund

"Wenn ich - aus islamistischer Perspektive argumentiert - Allahs Willen auf meiner Seite habe (bzw. zu haben glaube), dann winkt mir als höchste Belohnung der unmittelbare Einzug ins Paradies."

Dann zeigen Sie mir mal bitte, wo es im Islam seinen Platz hat, dass ich mit dem unmittelbaren Einzug ins Paradies belohnt werde, wenn ich den saudischen Botschafter umbringe?

Wenn Sie es nicht können, dann sind Sie ein Lügner und Hetzer gegen den Islam.

Der Iran hat nichts zu verlieren?

Also bitte, dass soll Iht Argument sein?
Also der Iran hat viel zu verlieren: Millionen von Menschen, Öl und Gas etc...
Also wenn die USA mit dieser Story davon kommen, dann ist unsere Welt wircklich verloren! Wollen Sie ein zweites Irak? Wissen Sie eig. wie viele Staaten von den USA seit dem 2. Weltkrieg angegriffen wurden? über 25 Staaten... (Quelle: Noam Chomsky) Sie sollten sich informieren, um endlich aufzuwachen!

gute Cowboys und böse Indianer

Die amerikanische Öffentlichkeit und der Kongress sollten mehr Informationen einfordern, bevor irgendwelche übereilten Aktionen getroffen werden.

Warum sollten sie? Wenn das Märchen viel schöner ist als die wahre Geschichte. Und seit wann spielt die Wahrheit eine Rolle? Der Iran weigert sich, nach den Pfeife der USA zu tanzen. Das reicht doch völlig aus. Märchenonkel Murdoch und seine Kollegen der europäischen Presse stricken schon eine Geschichte draus.

Nur dumm, dass die Bürger garnicht mehr so auf Märchen stehen mit guten Cowboys und bösen Indianern. Sachliteratur ist gerade im Kommen. Auch Reality Formate erfreuen sich steigender Beliebtheit. Gerade läuft eine in dutzenden Städten der USA.

Profi

Eine wohltuend sachliche, kühle Analyse eines Profis - ganz im Gegensatz zur alarmistischen Aufgeregtheit des veröffentlichten Mainstreams, dem offenbar keine Ente zu blöd ist.
Herr Baer bringt es auf den Punkt:
Dieser Attentatsplan ist zu simpel und zu amateurhaft, um von iranischen Profis zu stammen. Ort, Ziel und Beteiligte sind für iranische Aktionen ungewöhnlich bis nutzlos.
Profiteure dieses Plans wären nur die USA und Saudi Arabien.

Das sind alles Dinge, auf die ein halbwegs gebildeter Zeitungsleser nach 10 Minuten Nachdenken von selbst kommen kann. Ich verstehe nicht, warum das für die meisten Zeitungsschreiber so schwierig ist;)

Jedenfalls ist diese Posse ein weiteres Beispiel für die prinzipielle Verlogenheit, für die grundsätzliche Unglaubwürdigkeit amerikanischer Außenpolitik.
Denen kann man im wörtlichen Sinn kein einziges Wort glauben.