Kaum etwas bereitet bekanntlich größeres Vergnügen, als darauf hinzuweisen, dass man das Unheil vorausgesehen und gewarnt habe. Die Schadenfreude, die in Großbritannien angesichts der Euro-Krise durchschimmert, mag kein schöner Zug sein. Aber sie lässt sich zumindest nachvollziehen. Viele skeptische Gemüter fühlen sich durch den Lauf der Ereignisse bestätigt: Der Euro ist ein Luftschloss, ersonnen von Träumern, so verliebt in ihren grandiosen Entwurf, dass sie die verhängnisvollen Mängel der Währungsunion geflissentlich übersahen.

Dem Argument muss man, wie widerstrebend auch immer, zustimmen. Ohne politische Union, ohne eine gemeinsame Fiskal- und Wirtschaftspolitik, war der Euro, mit seinem Leitzins für höchst unterschiedliche ökonomische Kulturen, Konjunkturlagen und Nationalstaaten, ein gefährliches Unterfangen.

Es waren nicht nur die notorisch skeptischen Briten, die in den neunziger Jahren schwere Bedenken hegten: Gerhard Schröder beispielsweise sprach sich 1997 während einer London-Visite gegen die "übereilte" Schaffung des Euro aus und wies warnend ("Wer steht dafür gerade?") auf die hohe Verschuldung Italiens hin. Schröder war seinerzeit Ministerpräsident Niedersachsens und noch nicht zum SPD-Kanzlerkandidaten gekürt worden. Als Bundeskanzler muss er dann den Schluss gezogen haben, dass der Euro-Zug nicht mehr aufzuhalten sei.

"Ein brennendes Haus ohne Notausgang"

In Großbritannien sind sich die meisten Politiker einig darin, dass das Land auf absehbare Zeit außerhalb der Euro-Zone bleiben wird, gerade dann, wenn es die 17 Staaten der Währungsunion wirklich schaffen sollten, ihre Wirtschafts- und Steuerpolitik zu integrieren und stärker zusammenzuwachsen. Genau das – mehr politische Integration der Euro-Zonen-Länder – mahnen Premier David Cameron und sein Schatzkanzler George Osborne an. Sie wissen, dass der Euro, dessen Krise noch nicht überstanden ist, auf Dauer nur so eine Chance hat. Die Währungsunion mag einem "brennenden Haus ohne Notausgang" gleichen, wie Außenminister William Hague sagt, aber ein stabiler, überlebensfähiger Euro liegt auch im Interesse Großbritanniens.

Das versucht David Cameron seinen Konservativen unablässig einzuhämmern. Zuletzt bei der Abstimmung über ein mögliches Referendum zum Austritt aus der EU, das die Regierung zum jetzigen Zeitpunkt unter allen Umständen verhindern will. Cameron kam mit einem blauen Auge davon, dank der Unterstützung von Labour. Doch offenbarte sich, wie ausgeprägt unter Hinterbänklern der Tories eine Haltung ist, für die die Bezeichnung europaskeptisch noch beschönigend ist. Man muss sie eher europafeindlich nennen.

Diese Hinterbänkler drängen auf den Austritt aus der EU, wissen sich im Aufwind der öffentlichen Abneigung gegen Europa, und wollen so schnell wie möglich per Referendum dieses Ziel erreichen. Der Schweiz und Norwegen gehe es schließlich gut außerhalb der EU, warum nicht auch Großbritannien, sagen sie. Andere Tories glauben, es sei nun zumindest die Stunde gekommen, von der EU bei künftigen Verhandlungen Konzessionen zu erzwingen und gewisse Rechte aus Brüssel zurückzuholen.