Direkte Demokratie: Offene SPD-Vorwahlen wird es 2013 nicht geben
Frankreichs Sozialisten haben die offenen Vorwahlen ihres Präsidentschaftsbewerbers ungeahnten Zulauf gebracht. Ein Vorbild für Deutschland? Gastbeitrag
Wir erleben eine neue Form der Politisierung in Europa. Sie passt zu einer Gesellschaft, die stärker individualisiert ist als in den vergangenen Jahrzehnten. Diese Politisierung äußert sich teils lokal, beispielsweise im Streit um Stuttgart 21, teils national, etwa in den Protesten spanischer Jugendlicher gegen ihre Perspektivlosigkeit oder in der Occupy-Bewegung gegen die Macht der Banken. Selbstbewusste Bürgerinnen und Bürger protestieren nicht nur, sie wollen auch das Internet stärker zur demokratischen Teilhabe nutzen und wünschen sich mehr direkte Demokratie.

41, ist seit zwei Jahren Generalsekretärin der SPD und Mutter eines sechs Monate alten Mädchens namens Ella Marie. In die Partei trat sie 1988 ein.
Die Vorwahlen um die Präsidentschaftskandidatur der französischen Sozialisten (PS) sind ein beeindruckend gelungenes Experiment der Öffnung und der innerparteilichen Demokratie und ein weiteres Element dieser Repolitisierung. 2,7 Millionen Bürgerinnen und Bürger haben sich an der ersten Runde der Abstimmung beteiligt, 2,9 Millionen an der zweiten Runde. Das ist angesichts sinkender Wahlbeteiligungen in der gesamten EU keine Kleinigkeit und unterstreicht den Vorbildcharakter dieses Verfahrens.
Die PS hat rund 230.000 Mitglieder. Die Vorwahlen zeigen also ein starkes Interesse an den Personen und Inhalten weit über die eigene Anhängerschaft der Partei hinaus. In Umfragen haben sich nach dem Verfahren rund 30 Prozent der Abstimmenden zu jeweils gleichen Teilen als Sympathisantinnen und Sympathisanten anderer Linksparteien oder der Rechtsparteien bezeichnet. Dass dennoch der Kandidat gewonnen hat, der unter der wahlberechtigten Bevölkerung momentan die größten Chancen hat, gegen Präsident Nicolas Sarkozy die Wahl 2012 zu gewinnen, zeigt, dass die Ängste vor einer Unterwanderung der Partei unberechtigt waren.
Zu berücksichtigen ist jedoch, dass die Parteienlandschaft in Frankreich und das politische System dort grundlegend anders aufgebaut sind als in Deutschland. In Frankreich gibt es ein stark auf den Präsidenten orientiertes Regierungssystem, die politischen Parteien haben deutlich weniger Mitglieder als in Deutschland. Die beiden größten Parteien, die PS und die konservative UMP, haben mit zusammen etwa 500.000 Mitgliedern jeweils gerade einmal die Hälfte der Mitglieder einer der beiden großen Volksparteien SPD und CDU, die einzeln schon jeweils rund 500.000 Mitglieder zählen. Weiterhin vereint die PS traditionell eine Vielfalt an innerparteilichen Strömungen unter ihrem Dach. Damit sind auch andere Entscheidungsprozesse als in Deutschland gefragt.
Die SPD hat lange diskutiert, wie sie Nichtmitglieder in die politische Arbeit einbindet. Wir haben unter der Führung von Heiko Maas umfangreiche Vorschläge für den Ausbau der Demokratie gemacht, zu denen auch mehr direkte Demokratie in Deutschland auf allen Ebenen gehört. Der SPD-Parteivorstand hat dem nächsten Bundesparteitag außerdem neue Möglichkeiten der innerparteilichen Entscheidungsfindung vorgeschlagen, will aber einen anderen Weg gehen als die PS in Frankreich: In der SPD sollen sich Nichtmitglieder als Unterstützer mit vollen Rechten und Pflichten in die thematische Arbeit in Arbeitsgemeinschaften und Themenforen einbringen. Der Weg dazu soll eine Unterstützermitgliedschaft sein, die das aktive und passive Wahlrecht innerhalb der Arbeitsgemeinschaften und Themenforen beinhaltet und dort politische Mitsprache eröffnet. Die Unterstützermitgliedschaft ist an die Zahlung eines Jahresbeitrags gebunden.
Eine darüber hinaus gehende Beteiligung von Nichtmitgliedern an parteiinternen Vorwahlen wird von der Bundesebene nicht angestrebt, bleibt aber weiterhin möglich, wenn sich Gliederungen der Partei dafür entscheiden, beispielsweise Landes- oder Kreisverbände. Dies ist bisher schon regional oder auf Landesebene geschehen, allerdings nach jeweils unterschiedlichen Regeln. Um hier künftig eine einheitliche Anwendung dieses Instruments zu gewährleisten, wird der Parteivorstand eine entsprechende Richtlinie erlassen.
Wir sehen darüber hinaus gerade in Niedersachsen, wie schon zuvor in Schleswig-Holstein, dass eine Vorwahl um das Amt des Spitzenkandidaten für die Landtagswahl auch in der SPD zu einer stärkeren Mobilisierung führen kann. Das sollte uns ermutigen, verstärkt auf Urwahlen zu setzen.
Eine offene Vorwahl auf Bundesebene wie in Frankreich wird es allerdings mit hoher Wahrscheinlichkeit 2013 (noch) nicht geben.






War ja klar, aufgrund meiner 2000 Jährigen Politikerfahrung stelle ich fest das sich erste Ergebnisse immer erst nach den NÄCHSTEN Wahlen zeigen können. Dadurch verloren alle Parteien mit ihrer Hinhaltetaktik soviele Stimmen. Dadurch das die meisten in der Eile getroffennen Entscheidungen Katastrofen ähneln, hat sich das Volk entschlossen Angela wiederzuwählen, da es besser ist jemand macht gar nichts, als alles noch schlechter. Doch diese Erwartung wurde enttäuscht.
Die Vorwahlen im amerikanischen Wahlsystem, welche auch hier als Vorbild dienen sollen, versuchen die Chancen einer Partei bei einer Mehrheitswahl zu steigern. Das gilt insbesondere dann, wenn der Kandidat stellvertretend für mehrere Gruppen/Parteien antritt/antreten soll (insbesondere in den USA gibt es eine ganze Reihe von Gruppen aber auch Parteien, welche den/die Kandidaten der großen zwei Parteien unterstützen).
Die SPD ins Feld geführte öffentliche Suche nach einem Spitzenkandidaten spiegelt dies nur Teilweise wieder. Bundestagswahlen sind insgesamt keine Mehrheitswahlen, gibt es in der Bundesrepublik doch ein Verhältniswahlrecht. Überlegenswert wäre also eine öffentliche Suche nach Kandidaten einerseits für die Erststimme und andererseits insbesondere in Gegenden, in welchen traditionell andere Parteien den Wahlkreis gewinnen allerdings nur mit einer relativen Mehrheit (das dürfte einen Großteil der Wahlkreise betreffen).
Für den Spitzenkandidaten der SPD hingegen dürfte eine "Vorwahl" zwar zusätzliche Aufmerksamkeit bedeuten (für die ersten Versuche kann mit einem großen Presseecho gerechnet werden), zu einer wirklichen Verbesserung der Chancen der Partei trüge es nur dann bei, wenn der Kandidat von der Partei auch hinreichend getragen würde.
Die Idee beförderte eine andere Tradition der SPD wieder stärker in den Vordergrund. Über viele Jahrzehnte galt die SPD als demokratischste Partei in diesem Lande und somit kehrte sie zu ihren Wurzeln zurück.
Ich bin frohen Mutes, dass Parteien so wie sie momentan begriffen werden, in zwei Jahren überholt sein könnten.
Es wird immer weniger interessant, jemandem seine Stimme für 4 Jahre zu leihen und Alleingänger wie Schröder, Kohl, usw. sind sowieso Auslaufmodelle.
Der Bürger wird mehr direkten Einfluss nehmen wollen. Völlig unabhängig davon, was eine Nahles schreibt, ein Steinbrück erklärt oder eine Merkel verspricht.
... durch diese ganze direkte Mitsprache und das Mitbestimmen am Ende die Republik von einer Basis von Grantlern und Artikelkommentierern regiert wird?
Wer übernimmt dann eigentlich Verantwortung für die Entscheidungen? (Es ist ja nicht gesagt, dass Entscheidungen dann auf einmal richtig sind, wenn sie von allen bestimmt wurde.) Alle einzeln?
Und wenn mir die Politik dann nicht gefällt, muss ich mir dann ein anderes Volk wählen?
Mir gefällt in dem Zusammenhang ein Artikel in der Süddeutschen sehr gut:
http://www.sueddeutsche.d...
Grüße,
Christoph
macht er dann bessere Politik? hat er dann mehr Verstand ?
natürlich nicht,
im Marketing nennt man das Promotion. Es sollen Kunden/Wähler angelockt werden, durch Spektakel, mehr nicht.
verzweifelter Versuch, eine inhaltsleere Politik zu überdecken
... durch diese ganze direkte Mitsprache und das Mitbestimmen am Ende die Republik von einer Basis von Grantlern und Artikelkommentierern regiert wird?
Wer übernimmt dann eigentlich Verantwortung für die Entscheidungen? (Es ist ja nicht gesagt, dass Entscheidungen dann auf einmal richtig sind, wenn sie von allen bestimmt wurde.) Alle einzeln?
Und wenn mir die Politik dann nicht gefällt, muss ich mir dann ein anderes Volk wählen?
Mir gefällt in dem Zusammenhang ein Artikel in der Süddeutschen sehr gut:
http://www.sueddeutsche.d...
Grüße,
Christoph
macht er dann bessere Politik? hat er dann mehr Verstand ?
natürlich nicht,
im Marketing nennt man das Promotion. Es sollen Kunden/Wähler angelockt werden, durch Spektakel, mehr nicht.
verzweifelter Versuch, eine inhaltsleere Politik zu überdecken
Mit der anfallenden Gebühr für die "passive Mitgliedschaft" wird man eine Menge potentieller Interessen verschrecken - mich zum Beispiel.
Eine gegliederte Mitgliedschaft ist eine interessante Idee. Allein das Ausklammern von Mitgliedsbeiträgen würde eine signifikante Verbesserung darstellen. Da würde es sich der eine oder andere doch überlegen, passives Mitglied zu werden.
In der angedachten Form wird die passive Mitgliedschaft ein Rohrkrepierer, und zwar mit Ansage.
politischen Gegnern einschreiben und fuer den Kandidaten
stimmen, mit dem sie glauben das leichteste Spiel zu haben?
Schaun Sie sich doch bitte in Ihrer eigenen Partei um.
Vielleicht (was ich der SPD nicht zutraue, gelänge es dann den schon langem Wunsch Willi Brandts, nämlich den, einer Regierung/Koalition - Links von der Mitte.
Der Trennt, liebe Frau Nahles geht in die Richtung, einer gewünschten Rot-Schwarzen Koalition, die schon jetzt über die nächsten 2 Jahre, über Landeswahlen testet.
... da könnt Ihr Genossen und Genossinnen Euch meinetwegen Bärte ankleben oder sonstiges vorturnen.
Ohne eine reumütige Absage der Agenda 2010 werden viele Wählerstimmen nicht mehr zur SPD finden.
macht aus Hartz4 sinngemäß Basel4 nach dem Motto gibt den Bürgern Ihre Bürgschaften zurück!
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