Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy hat sein Land auf neue Sparanstrengungen vorbereitet. Das Wirtschaftswachstum im kommenden Jahr werde wahrscheinlich nur 1 Prozent betragen und nicht wie ursprünglich erwartet 1,75 Prozent, sagte Sarkozy in einem Fernsehinterview. Um das Staatsdefizit zu senken, seien Einsparungen oder zusätzliche Einnahmen in Höhe von sechs bis acht Milliarden Euro notwendig. In den kommenden zehn Tagen werde es dazu Entscheidungen geben.

Als Vorbild für erfolgreiche Reformen nannte Sarkozy mehrfach Deutschland. Die Einführung der 35-Stunden-Woche 2001 habe Frankreichs Wettbewerbsfähigkeit ruiniert, während der damalige deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder das Gegenteil gemacht habe, sagte der Präsident. Auch beim Steuersystem müsse über Angleichungen nachgedacht werden. Frankreich sei das Land mit den höchsten Steuern in Europa. "Mein Job ist es, Frankreich näher an ein System heranzubringen, das funktioniert, das Deutschlands", sagte Sarkozy. Eine von vielen Franzosen befürchtete allgemeine Erhöhung der Mehrwertsteuer schloss er allerdings aus.

Frankreichs Staatsdefizit verstößt gegen EU-Regeln

Wie in vielen anderen europäischen Staaten kämpft Frankreich gegen ein hohes Staatsdefizit, das nach EU-Regeln unzulässig ist. Frankreich hat zugesagt, es bis 2013 auf drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) zu senken. 2010 lag es bei sieben Prozent. Die bisherigen Pläne der Regierung sollen den Haushalt bis Ende 2012 um etwa zwölf Milliarden Euro entlasten.

Wegen der Schuldenprobleme ist auch Frankreichs Top-Bonität in Gefahr. Die Ratingagentur Moody's zweifelte jüngst an dem bisher stabilen guten Ausblick für die Kreditwürdigkeit der zweitgrößten Volkswirtschaft Europas und stellte das Toprating (AAA) auf den Prüfstand. Die Regierung müsse für Frankreichs Best-Bewertung wirtschafts- und haushaltspolitische Reformen umsetzen, schrieb Moody's in einem vor zweieinhalb Wochen veröffentlichten Bericht.

"Das Problem sind nicht die Rating-Agenturen, das Problem ist, dass wir zu viele Ausgaben haben", sagte Sarkozy. Statt auf die Rating-Agenturen zu schimpfen, solle besser mehr und besser gearbeitet werden.