Italiens Wikipedia-Angebot ist verschwunden . Jeder einzelne Eintrag der Online-Enzyklopädie: weg. Bis auf einen. Eine Erklärung, warum sich die italienischen Wikipedianer zu diesem drastischen Schritt entschieden haben.

Zu lesen ist dort, auch auf Deutsch : "Zum derzeitigen Zeitpunkt besteht die Gefahr, dass die italienischsprachige Wikipedia nicht mehr den nützlichen Service, den der Leser bisher erwarten konnte, erbringen kann. Zurzeit ist die Seite, die Sie gerade lesen möchten, nur versteckt, doch es besteht die Gefahr, dass wir bald dazu gezwungen werden können, sie wirklich zu löschen."

Die Aktion ist vorerst nur ein Hilferuf. Allerdings einer, der derart dringend ist, dass es verwundert, dass sich nicht mehr italienische Website-Betreiber sich an dem Streik beteiligen. News-Dienste, Blogs, Foren – sie alle nämlich wären von dem Gesetz betroffen, das die Regierungskoalition von Silvio Berlusconi derzeit durchs Parlament zu bringen versucht.

Dieses Gesetz, träte es in Kraft, wäre das Ende des italienischen Internets. Und es wäre das Ende des Rechtsstaates.

Hauptsächlich dreht sich der Gesetzesentwurf um Regelungen zur Telefonüberwachung und anderer Abhörmaßnahmen. Doch ab Seite 24 geht es an die Substanz dessen, was sich Meinungsfreiheit nennt.

Denn Website-Betreiber sollen gezwungen werden, innerhalb von 48 Stunden jegliche Art von Korrektur vorzunehmen, die ein Antragssteller einfordert. Im Klartext: Würde sich ein Politiker oder sonst irgendwer durch einen Wikipedia-Eintrag oder einen anderen Online-Text kritisiert fühlen, könnte er eine Änderung des entsprechenden Textes bestellen. Und der Website-Betreiber müsste Folge leisten. Ohne juristische Prüfung, ohne irgendeine Bewertung durch Dritte, einfach so. Dieser oder jener Artikel passt mir nicht? Weg damit!

Berichterstattung, Meinungsäußerung, Journalismus im Netz wären damit in Italien tot.