Die Nato gibt der serbischen Bevölkerung im Kosovo noch einen Tag mehr Zeit, um ihre Straßensperren im Norden des Landes zu räumen. Der deutsche General Erhard Drews, der den Einsatz der Nato-Truppe KFor leitet, habe geplante Nachschubkonvois zur Versorgung seiner Soldaten in der Grenzregion zu Serbien auf Dienstag verschoben, teilte die Nato mit. Er wolle den Anwohnern "mehr Zeit" zum Abbau der Barrikaden geben.

Seit einem Monat behindern die Straßenblockaden die Versorgung der KFor-Soldaten an den beiden umstrittenen Grenzübergängen Jarinje und Brnjak im Nordkosovo. Damals hatten Kosovo-Serben die Barrikaden errichtet, um den Abzug von Zöllnern und Grenzpolizisten der albanisch dominierten Regierung in Prishtinë zu erzwingen. Der Nato zufolge sind sie nun bereit, die Blockaden aufzugeben, bitten aber um Aufschub. Drews habe daher "entschieden, ihnen einen zusätzlichen Tag zu geben". Er begrüße die Bereitschaft der Kosovo-Serben, ihre Blockaden zu räumen.

Ob diese Bereitschaft tatsächlich existiert, ist jedoch unklar. Bisher hatten es die Bürgermeister der vier serbischen Gemeinden im Nordkosovo abgelehnt, die Straßensperren wie verlangt aufzuheben. Ihrer eigenen Darstellung zufolge wollten sie erst am Mittwoch in ihren Führungsgremien darüber beraten.

Serben warnen vor Gewalt

Drews hatte ursprünglich angekündigt, seine Truppe werde am Montag versuchen, ihre Soldaten an den beiden Grenzposten nach Serbien auf dem Landweg zu versorgen. Dafür müssten die Serben alle Barrikaden auf der Strecke zwischen der Stadt Mitrovica und den beiden Grenzposten zu Serbien räumen, berichtete der Bürgermeister von Mitrovica, Krstimir Pantic. Die Bürgermeister hatten Drews aufgefordert, seine Versorgungsaktion zu verschieben.

Die Serbenführer im Nordkosovo warnten vor einer gewaltsamen Räumung der Barrikaden. "Das gefährdet den heutigen brüchigen Frieden", sagten sie. Die kosovarischen Serben wollten "gegen die KFor keinen Krieg führen". Sollten die KFor-Soldaten aber Gewalt anwenden, "dann könnte die Lage nicht mehr kontrolliert werden, nicht von den Bürgermeistern und nicht von der KFor".

Der Norden des Kosovo an der Grenze zu Serbien ist seit Monaten Schauplatz von Feindseligkeiten zwischen Kosovaren und der dort lebenden serbischen Minderheit. Hintergrund der Vorfälle ist ein Handelsstreit zwischen Serbien und der einstigen südserbischen Provinz Kosovo, die sich im Februar 2008 für unabhängig erklärt hatte. Im Juli hatte der Kosovo als Reaktion auf ein Einfuhrverbot von serbischer Seite ein Importverbot gegen serbische Waren verhängt. Daraufhin entbrannte ein von Ausschreitungen begleiteter Streit mit der serbischen Minderheit im Nordkosovo über die Kontrolle der Grenze.

Um wie angestrebt als EU-Beitrittskandidat anerkannt zu werden, muss Serbien die Beziehungen zu seiner fast nur noch von Albanern bewohnten früheren Provinz normalisieren. Die EU-Kommission hatte am Mittwoch vorgeschlagen, Serbiens weitere Annäherung an Brüssel von einem Nachgeben im Kosovo-Konflikt abhängig zu machen. Die endgültige Entscheidung über den Kandidatenstatus müssen die EU-Mitglieder einstimmig Anfang Dezember treffen.