Amnesty international (ai) hat einen Bericht zur Lage der Menschenrechte in Libyen vorgelegt. Darin werden Verbrechen der Gadhafi-Truppen geschildert. Er enthält aber auch Berichte über systematische Folterungen, Tötungen, öffentliche Exekutionen und Vertreibungen durch die Rebellen.

Der Bericht beschreibt unter anderem einen Fall, in dem Soldaten gefesselt und erschossen vorgefunden wurden. Manche Medien hatten berichtet, sie seien von anderen regimetreuen Soldaten niedergeschossen worden, weil sie einen Schießbefehl verweigert hätten. Amnesty sah die Fotos der zuvor durch die Rebellen verhafteten Soldaten. Erst danach seien sie erschossen worden.

Amnesty international berichtet auch über systematische Angriffe auf Schwarze. Nach Exekutionen seien Leichen öffentlich gezeigt worden, wobei die Täter eine Rebellenfahne gehisst hätten. Laut ai hat der Übergangsrat keine ausreichenden Schritte unternommen, um solche Verbrechen zu stoppen.

Insgesamt hinterlässt der Bericht den Eindruck, dass auf beiden Seiten des Konflikts Menschenrechtsverletzungen begangen wurden. In vielen westlichen Medien lesen wir jedoch überwiegend von Befreiung.

In einem Bericht des Wall Street Journal wird zum Beispiel über die Stadt Tawergha geschrieben, die von Rebellen eingenommen wurde. Dort seien die schwarzen Bewohner der Stadt, die nicht entkommen konnten, von den Rebellen verhaftet oder verschleppt worden. Häuser seien mit den Worten Sklave oder Neger beschmiert gewesen, manche seien niedergebrannt worden. "Tawergha is no more", werden die Rebellen zitiert.

Derzeit tobt der Kampf um die letzten von Gadhafi-Loyalisten beherrschten Städte. In Sirte, einer solchen Stadt, gibt es nach Angaben des Roten Kreuzes derzeit eine humanitäre Notlage. Sie kam nicht überraschend, sondern wurde durch die Rebellen angekündigt. Laut einem Bericht der Associated Press (AP) hatten die Rebellen ihre Absicht erklärt, die Stadt von der Wasser- und Stromversorgung zu trennen und von der Nato bombardieren zu lassen. Das ist mittlerweile geschehen. In meinen Augen ist das ein Kriegsverbrechen, da unschuldige Zivilisten von jeglicher Versorgung abgeschnitten wurden.

Ergänzt wird das Bild durch Plünderungen in Orten, die von Rebellen eingenommen wurden. Sogar die Sklaverei wurde nach Angaben von Human Rights Watch in einigen der offiziellen oder privaten Gefängnisse wieder eingeführt, wo Schwarze im Unterschied zu inhaftierten Weißen gezwungen werden, schwere körperliche Arbeit in Industrieanlagen zu verrichten.

Die genannten Beispiele stellen Verbrechen dar, die mich dazu veranlassen, an dem bisher positiven Bild der Rebellen zu zweifeln. Aber die Welt schweigt größtenteils.