Ein desertierter libyscher Soldat erklärt Aufständischen den Gebrauch einer SAM-7-Rakete. © ROBERTO SCHMIDT/AFP

Experten der Nato sorgen sich um den Verbleib Tausender Boden-Luft-Raketen aus den Beständen des gestürzten libyschen Machthabers Muammar al-Gadhafi. Das berichtet Spiegel Online und beruft sich auf eine vertrauliche Unterrichtung für deutsche Bundestagsabgeordnete.

Während der Unterrichtung habe der Vorsitzende des Nato-Militärausschusses, Giampaolo di Paolo, vor möglichen Terroranschlägen auf die zivile Luftfahrt mit den verschwundenen Raketen gewarnt. Di Paolo habe gesagt, dass die Militärallianz trotz Luftüberwachung und Geheimdiensttätigkeit jede Spur von mindestens 10.000 Raketen aus den Lagern der libyschen Armee verloren habe.

Die Nato befürchtet offenbar, dass die Raketen in andere Länder geschmuggelt werden und dort in die Hände von Terrororganisationen wie al-Qaida fallen könnten. Von den Waffen, die von der Schulter oder vom Boden aus abgefeuert werden könnten, gehe eine "ernsthafte Gefahr für den zivilen Luftverkehr aus". Viele Boden-Luft-Raketen (SAM) sind dem Bericht zufolge mit Hitzesensoren ausgestattet, die sie direkt in die Turbinen von Flugzeugen leiten. Im November 2002 wurde eine SAM-7-Rakete auf ein israelisches Verkehrsflugzeug im kenianischen Mombasa abgefeuert, sie verfehlte aber ihr Ziel.

Zuvor hatte der Rüstungsbeauftragte des Nationalen Übergangsrats in Libyen, Mohamed Adia, das Verschwinden von fast 5.000 Boden-Luft-Raketen des Typs SAM-7 eingeräumt. Berichten zufolge ähneln die SAM-7 den Stinger-Raketen aus US-Produktion, sind leicht in der Handhabung und könnten etwa genutzt werden, um ein Passagierflugzeug abzuschießen.