Seit zwei Wochen wartet die Familie des inhaftierten ägyptischen Bloggers Maikel Nabil Sanad darauf, ihn nach Hause zu holen. Nun hat ein Militärgericht in Kairo erneut eine überraschende und fragwürdige Entscheidung getroffen: Der 26-jährige Friedensaktivist, der seit fast zwei Monaten in Hungerstreik ist, um seine Freilassung zu erwirken, wird in eine psychiatrische Klinik eingewiesen.

"Für mindestens einen Monat soll er dort bleiben, angeblich, um seinen mentalen Zustand zu untersuchen", sagt sein Anwalt Adel Ramadan. In der Klinik solle festgestellt werden, ob Sanad schuldfähig ist. Anders gesagt: Das Militärgericht will den Anschein erwecken, er sei verrückt.

Seine Freunde und Unterstützer sind schockiert über die Entscheidung, die das Gericht am Dienstag gefällt hat. "Ich bin so wütend", sagt Sahar Maher, die mit Sanad eng befreundet ist und die Proteste für seine Freilassung mitkoordiniert. Er wiege mittlerweile nur noch 40 Kilo und sei schwer krank, sagt sein Bruder Mark, der Maikel vor einigen Tagen im Gefängnis besucht hat. Alle Bitten der Familie, ihn in ein Krankenhaus zu überstellen, wurden abgelehnt.

Die Entscheidung vom Dienstag ist der Höhepunkt einer Abfolge absurder Gerichtsurteile, die Sanad das Leben kosten könnten. Er war Ende März in seiner Wohnung in Kairo wegen einiger Texte , die er in seinem Blog veröffentlicht hatte , verhaftet worden . Darin kritisierte er das Vorgehen des Militärs vor und nach dem Sturz des Präsidenten Hosni Mubarak, er machte es für wahllose Verhaftungen und Folter von Gefangenen verantwortlich – ein Vorwurf, den auch andere erhoben, mittlerweile sind zahlreiche Fälle dokumentiert.

Sanad steht weiterhin vor einem Militärgericht

Maikel Nabil Sanad jedoch wurde dafür Mitte April zu drei Jahren Haft verurteilt, seither sitzt er im El-Marg-Gefängnis am Stadtrand von Kairo. Nachdem er am 23. August in Hungerstreik getreten war , wurde Anfang Oktober eine Berufungsverhandlung angesetzt. Gleichzeitig sollen Militärvertreter dem Vater gesagt haben, Maikel werde zusammen mit anderen Gefangenen freigelassen.

Daraufhin reiste die ganze Familie aus dem 400 Kilometer südlich von Kairo gelegenen Assiut in die Hauptstadt. Aber anstatt ihn freizulassen, verschob das Militärgericht die Berufungsverhandlung um eine weitere Woche. Maikel Nabils Mutter, die ihren Sohn seit Ende März nicht mehr gesehen hat und fürchtet, dass er jederzeit sterben könnte, brach im Gericht in Tränen aus. Aktivisten, die vor dem Gericht friedlich für seine Freilassung demonstrierten, wurden vorübergehend festgenommen und zu Geldbußen verurteilt.

Am 11. Oktober entschied das Militärgericht dann, dass das ursprüngliche Urteil aufgehoben sei, ließ Sanad aber wieder nicht frei. Und anstatt ihn, wie international gefordert, vor ein ziviles Gericht zu stellen, fand seine Berufungsverhandlung am 18. Oktober wieder vor einem Militärgericht statt. Nun soll er also in die Psychiatrie.