Bewegungen, die nicht wachsen, schrumpfen. So zeigt es die Geschichte. Dieses Schicksal droht auch der populistischen, europafeindlichen Schweizerischen Volkspartei (SVP). Sie hat bei der Nationalratswahl laut ersten Hochrechnungen sieben Sitze verloren .

Auch der vollmundig angekündigte Versuch der SVP, den Ständerat, die kleine Kammer des Parlaments, mit vielen zusätzlichen Parteivertretern zu besetzen, ist gescheitert. "Wir haben unser Wahlziel nicht erreicht. Das tut weh", sagt Parteipräsident Toni Brunner. Aber auch wenn die Parteioberen mit fast einem Drittel der Stimmen gerechnet hatten, ist die SVP mit 26,8 Prozent Wähleranteil immer noch die mit Abstand stärkste Partei des Landes.

Bedrängt werden die Populisten von neuen politischen Parteien, der konservativen Bürgerlich-Demokratischen Partei (BDP), einer Abspaltung der SVP, und von den wirtschaftsfreundlichen Grünliberalen (GLP), einer Abspaltung von den Grünen. Die frischen Mitteparteien sind die großen Sieger dieser Wahlen. Sie gewinnen fast aus dem Nichts zusammen mehr als zehn Prozent der Wählerstimmen und 21 Sitze im Nationalrat.

Damit zeigen die Schweizer, dass sie eine andere Politik wollen, eine irgendwie ökologischere und nachhaltigere – aber immer noch eine bürgerliche. Beide neuen Parteien haben sich für einen allmählichen Ausstieg aus der Atomenergie ausgesprochen, den die Regierung unter dem Eindruck der Katastrophe von Fukushima beschlossen hatte.

Darüber hinaus ist unklar, wofür BDP und die GLP stehen. Erstere ist vor allem eine gemäßigtere Variante der SVP . Letztere versucht, wirtschaftliche und ökologische Interessen zu vereinen. Aber geleistet haben sie bisher wenig – also konnten sie auch noch nicht viel falsch machen. Beide Parteien werden viele politisch Unerfahrene ins Berner Bundeshaus schicken.

Auch die FDP, die liberale Partei, die den Staat 1848 gründete, ist ein Opfer der neuen bürgerlichen Kräfte. Sie verliert fast drei Prozent und kommt noch auf 31 Mandate. Ihr Parteipräsident, der Tessiner Fulvio Pelli, wurde gar fast abgewählt.