Syrische Regierungsgegner werden nach Informationen von Amnesty International in staatlichen Krankenhäusern misshandelt und gefoltert. Die Regierung habe aus vier Kliniken "Instrumente der Unterdrückung" gemacht, um die "Opposition zu vernichten", erklärte die Organisation.

Menschen, die bei den Protesten von den Einsatzkräften verletzt wurden, würden von Agenten der Geheimpolizei aus den Krankenbetten gezerrt und in Gefängnisse verschleppt. In anderen Fällen seien frisch versorgte Verwundete von Geheimdienst-Beamten und Schwestern zusammengeschlagen worden. Ärzte und Pfleger, die sich ernsthaft um die Verletzten kümmern, seien ihrerseits willkürlichen Verhaftungen und Misshandlungen durch die Geheimpolizei ausgesetzt. Der 39-seitige Bericht der Menschenrechtsorganisation stützt sich auf die Aussagen zahlreicher Ärzte, die diese Praktiken beobachten konnten oder wegen ihrer korrekten Haltung zu den Patienten selbst verfolgt wurden. 

Es sei "alarmierend", dass die syrischen Einsatzkräfte eine "freie Herrschaft in Krankenhäusern" ausübten und medizinisches Personal sie in vielen Fällen bei Folter und Misshandlung unterstütze, sagte Amnesty-Expertin Cilina Nasser. Dem Bericht zufolge lassen sich viele Menschen aus Angst bereits in privaten Krankenhäusern oder in schlecht ausgerüsteten provisorischen Kliniken behandeln.

Syrische Menschenrechtler gingen davon aus, dass in dem Land inzwischen 30.000 politische Gefangene festgehalten werden. Diktator Baschar al-Assad habe sämtliche große Fußballstadien des Landes zu "Gefängnissen und Folterzentren" umgewandelt, berichtete Radwan Ziadeh vom Damaskus-Zentrum für Menschenrechtler. Die Regierung habe deshalb sogar die aktuelle Meisterschaft abgesagt. Ziadeh ergänzte, das Scheitern einer Syrien-kritischen UN-Resolution im Sicherheitsrat habe die Assad-Gegner verzweifelter gemacht. Sie seien jetzt eher bereit, Waffen für die Verteidigung gegen die Einsatzkräfte einzusetzen.