Tawakkul Karman "Sie bedrohen mich, aber ich habe keine Angst"
Tawakkul Karman kämpft für die Demokratiebewegung im Jemen. Im Interview spricht die Friedensnobelpreisträgerin über die Situation in ihrem Land – und ihre Hoffnungen.
Tawakkul Karman ist die bekannteste Sprecherin der jemenitischen Demokratiebewegung. Die 32-Jährige ist Mitbegründerin der Organisation "Journalistinnen ohne Ketten" und setzt sich seit Jahren für die Menschenrechte in ihrer Heimat ein. Jetzt wurde sie mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Dieses Interview entstand kurz vor der Bekanntgabe der Auszeichnung.
Frage: Seit der Rückkehr von Präsident Ali Abdullah Salih vor einer Woche wird im Jemen geschossen und gekämpft. Wie ist die Situation in Sanaa?
Tawakkul Karman: Die Lage wird ständig schlechter. Wir wissen nicht, was Salih vorhat. Wir erwarten, dass er noch härter gegen uns Demonstranten vorgehen wird. Aber wir werden uns nicht einschüchtern lassen.
Frage:Was als friedlicher Aufstand begann, eskaliert zu einem Bürgerkrieg. Wie ist die Stimmung unter den Aktivisten?
Karman: Wir sind trotz allem optimistisch. Wir werden nicht aufgeben. Dass Salih in den Jemen zurückgekehrt ist, war ein Geschenk des Himmels. So kann er uns nicht mehr entkommen. So können wir ihm und seinem Sohn den Prozess machen. Eine tunesische Lösung wie bei Ben Ali, der von Saudi-Arabien geschützt wird und zu Hause nicht vor Gericht gestellt werden kann, wird es im Jemen nicht geben.
- Der Preis
Der Friedensnobelpreis ist mit umgerechnet 1,1 Millionen Euro (zehn Millionen Kronen) dotiert. Überreicht wird er – wie auch die anderen Nobelpreise – traditionell am 10. Dezember, dem Todestag des Preisstifters Alfred Nobel (1833-1896). Als einziger der sechs Preise wird er nicht in Stockholm, sondern in Oslo übergeben.
- Die Preisträger seit 2001
2011: Die Bürgerrechtlerinnen Ellen Johnson-Sirleaf, Leymah Gbowee (beide Liberia) und Tawakkul Karman (Jemen)
2010: Menschenrechtler Liu Xiaobo (China)
2009: Präsident Barack Obama (USA)
2008: Ex-Präsident Martti Ahtisaari (Finnland)
2007: Ex-Vizepräsident Al Gore (USA) und der UN-Klimarat
2006: Wirtschaftsfachmann Muhammad Yunus und seine Grameen Bank (Bangladesch)
2005: Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) und ihr Direktor Mohammed ElBaradei
2004: Umweltaktivistin Wangari Maathai (Kenia)
2003: Menschenrechtsaktivistin Schirin Ebadi (Iran)
2002: Ex-Präsident Jimmy Carter (USA)
2001: Vereinte Nationen und ihr Generalsekretär Kofi Annan (Ghana)
Frage:Wie sicher sind Sie persönlich?
Karman: Sie bedrohen mich, aber ich bin sicher. Sie schießen von den Dächern auf uns. Ständig werden Revolutionäre verhaftet, ins Gefängnis geworfen oder ihre Wohnungen verwüstet. Aber ich habe keine Angst. Wir alle wissen, dass wir für das Ziel der Freiheit auch persönlich einen Preis bezahlen müssen.
- Datum 07.10.2011 - 14:38 Uhr
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- Quelle Tagesspiegel
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Sehr geehrter Herr Joffe,
noch nie habe ich bei ZO etwas über die Nöte ihrer Jornalistenkollegin Tawakkol Karman lesen können.
Gleichzeitig setzen Sie sich sehr stark für die Interessen von M. Chordokowskij ein. Sehen Sie darin einen Widerspruch?
MfG
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