TerrorismusIran plante offenbar Terroranschlag in USA

Die US-Regierung beschuldigt iranische "Regierungselemente", einen Mordanschlag auf den saudischen Botschafter in Washington vorbereitet zu haben. Teheran dementiert. von AFP, dpa und Reuters

Der saudische Botschafter Adel Al-Jubeir in den USA

Der saudische Botschafter Adel Al-Jubeir in den USA  |  © Joe Marquette/dpa

Die US-Regierung erhebt schwere Vorwürfe gegen Iran: "Elemente der iranischen Regierung" sollen einen Bombenanschlag auf den saudischen Botschafter in Washington geplant und finanziert haben. Präsident Barack Obama sprach von einem "eklatanten Verstoß gegen US- und internationales Recht".

Außenministerin Hillary Clinton forderte schärfste Maßnahmen gegen die Regierung in Teheran und warnte vor weiteren Anschlägen. Das Außenministerium rief alle Bürger zu erhöhter Wachsamkeit auf. Nach dem aufgedeckten Komplott sehe die US-Regierung Hinweise auf einen "aggressiveren Fokus der iranischen Regierung bei terroristischen Aktivitäten gegen Diplomaten aus verschiedenen Staaten". Dies schließe auch Anschläge in den USA ein. Die Warnung gelte bis zum 11. Januar 2012.

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Als mutmaßliche Drahtzieher nannte das Justizministerium einen 56-Jährigen mit iranischer und amerikanischer Staatsbürgerschaft sowie ein Mitglied der Al-Quds-Eliteeinheit der iranischen Revolutionsgarden. Einer der Verdächtigen sei Ende September am New Yorker Flughafen John F. Kennedy festgenommen worden, der zweite Mann sei flüchtig. Beide hätten bei ihren Anschlagsplänen eng mit Teilen der iranischen Regierung zusammengearbeitet.

Die "Verschwörung" sei von Iran aus "erdacht, gefördert und gelenkt" worden, sagte Justizminister Eric Holder. Ranghohe Mitglieder der Revolutionsgarde Al-Quds und des iranischen Militärs hätten die Pläne gebilligt. Die USA würden sowohl die beiden Angeklagten als auch Iran für ihr Handeln zur Rechenschaft ziehen.

Die Verdächtigen sollen versucht haben, ein mexikanisches Drogenkartell mit 1,5 Millionen Dollar dafür zu gewinnen, den Anschlag auszuführen. Der saudische Botschafter Adel Al-Jubeir sollte in einem Restaurant getötet werden. Die USA werfen den Verdächtigen zudem weitere Straftaten vor, darunter Pläne, "eine Massenvernichtungswaffe zu benutzen".

Iran nennt Vorwürfe "konstruiertes Szenario"

Iran wies die Anschuldigungen zurück. Ein Berater von Präsident Mahmud Ahmadinedschad nannte die Vorwürfe ein "konstruiertes Szenario", um von den innenpolitischen Problemen der USA abzulenken. Die Beziehungen zwischen Washington und Teheran sind insbesondere wegen des iranischen Atomprogramms angespannt. Saudi-Arabien ist ein Verbündeter der USA im Nahen Osten und zugleich Rivale Irans im Kampf um die Vorherrschaft in der Golfregion.

Präsident Obama habe seit Juni von der Ermittlungen gewusst, teilte das Weiße Haus mit. Die Pläne seien von der Bundespolizei FBI und der Drogenfahndung DEA aufgedeckt worden. FBI-Direktor Robert Mueller sagte der Washington Post, der Anschlag lese sich "wie ein Hollywood-Drehbuch". "Doch die Auswirkungen des Anschlags wären schwer gewesen."

Die Behörden kamen dem Komplott nach eigenen Angaben auf die Spur, als einer der beiden Verdächtigen in Texas unwissentlich einen verdeckten Mitarbeiter der US-Geheimdienste einweihte, den er für ein Mitglied einer mexikanischen Drogenbande hielt. Der Mann habe sich über eine mögliche Unterstützung durch das Drogenkartell bei der Ermordung des Botschafters erkundigt.

Die Iraner seien bereit gewesen, 1,5 Millionen Dollar für das Attentat zu bezahlen. Der Bombenanschlag habe "so bald wie möglich" in einem von Botschafter Al-Jubeir besuchten Restaurant stattfinden sollen. Der New Yorker Bundesstaatsanwalt Preet Bharara sagte, bei der Planung hätten die Verdächtigen keine Rücksicht auf Zivilisten genommen. Auf den Hinweis, dass sich bis zu 150 Menschen in dem Lokal aufhalten könnten, habe einer der Angeklagten geantwortet: "Kein Problem." US-Medien zufolge sahen die Pläne auch Bombenanschläge auf die saudi-arabische und die israelische Botschaft in Washington vor.

Einer der Verdächtigen erschien am Dienstag zu einer Anhörung vor Gericht in Manhattan, er blieb bis auf Weiteres in Haft. Sein Anwalt sagte, der US-Iraner werde auf nicht schuldig plädieren.

Iran gehört für die USA seit Längerem zu den Staaten, die Terrorismus fördern. Doch seit Jahren hat die Regierung in Washington Iran nicht mehr derart konkrete Vorhaltungen gemacht. Durch die neuen Anschuldigungen könnten sich nun die Spannungen zwischen beiden Staaten nochmals verschärfen.

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Leserkommentare
  1. aber jetzt wo die WallStreet besetzt wird ist das ein aktuelles Thema. Es ist doch so eine lächerliche Ablenkung. Die Medien in den USA weigern sich zum großen Teil über die Proteste an der WallStreet zu berichten. Wenn wird falsch berichtet oder die Teilnehmer werden als verrückte Hippies dargestellt.

    Die USA sind absolut unglaubwürdig.So lange man Angst vor den Mullahs hat brauch sich die Bevölkerung nicht mit den Leuten zu beschäftigen die für die schlechte Situtation der USA verantwortlich sind.

    Das ist doch die Agenda. Aber ich prognostiziere das die WallStreet Proteste der Anfang einer umfasssenden Veränderung sind. Auch wenn sich die amerikanischen Medien dagegen streuben. In Deutschland lebt man als Teil der Mittelschicht 10 mal besser als in den USA. Die einzigen Menschen die ein eingermaßen gutes Leben in Amerika führen sind die meist weißen Vorstadtbewohner.
    Man sollte sich klar dazu bekennen das die USA in keinster Weise ein Vorbild für Deutschland sind. Ich kann über das Land nur Lachen. Soviele dumme Menschen und die die was erfunden oder erreicht haben sind in der Regel Ausländer die in die USA eingewandert sind oder mit ausländischen Wurzeln dort geboren wurden.
    Ein Tipp noch an die MEinungsmacher. Man sollte aufhören zu versuchen die Saudis als Sympahten darzustellen. Diese Land steht entgegen aller westlichen Werte. Frauen und ungläubige sind dort einen Dreck wert. Menschen werden gesteinigt und mit dem Schwert geköpft.

    • kai1
    • 12. Oktober 2011 11:38 Uhr

    ...ein iranisch-saudischer Konflikt. Wenn, wie es hieß, der saudische Botschafter IN DEN USA getötet werden sollte, dann ist das ganz banal durchaus auch eine amerikanische Angelegenheit (nur ein politisch und militärisch schwacher Staat wie der deutsche fühlte sich wahrscheinlich in einer vergleichbaren Situation, aus Angst, die Beziehungen zum Mullah-Regime zu belasten, nicht offiziell betroffen). Aber selbst dann, wenn von Iran aus ein Terroranschlag in Saudi Arabien selbst durchgeführt würde, könnte und würde das die Amerikaner als Schutzmacht der strategisch und ökonomisch eminent wichtigen Golfregion nicht kalt lassen. Auch wenn das Szenario bizarr wirkt (irgendwie erinnert das Ganze an die sogenannte „Zimmermann-Depesche“ von 1916, als das Deutsche Reich Mexiko zu einem Angriff auf die USA animieren wollte und ihm im Erfolgsfalle Teile von deren Territorium versprach. Der britische Geheimdienst deckte das Komplott auf, was den, den Briten nicht unliebsamen Kriegseintritt der USA im Jahre 1917 mitbedingte und beschleunigte. Schon damals war die Rede von einer Finte) und die Amerikaner in der Vergangenheit (und nicht nur sie) durchaus "kreativ" waren, wenn es um die Erfindung von Kriegsanlässen ging, sollte man den Bericht nicht in Bausch und Bogen verwerfen. In der iranischen Führung gibt es durchaus Irrlichter, denen ein solches Vorgehen zuzutrauen wäre.

  2. Für die ungeheure Wohltat des Rückgangs der Kriege hat man schliesslich auch das Römische Reich akzeptiert. (Renan)

    Bis die Europäische und die Afrikanische Union soweit sind, muss wohl noch einiges geschehen.

    Nicht umsonst wird AFRICOM bei Stuttgart ausgebaut.

    via ZEIT ONLINE plus App

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    zieht sicherlich bald nach Tripolis um.

  3. sondern um Hass auf die USA auch Ghaddafi in Libyen befahl Terroranschläge (Lockerby),
    die USA bombardierten daraufhin seine Privathäuser,
    danach wurde er zahm wie ein Kätzchen,
    das ist leider die einzige Sprache, die diese Leute verstehen

    Antwort auf "Nutzen?"
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    das Lockerbie und Lybien nichts gemein haben.

  4. Fragen zur Moderation richten Sie bitte an community@zeit.de oder ziehen Sie die Netiquette zur Rate. Danke, die Redaktion/se

    • kai1
    • 12. Oktober 2011 11:40 Uhr

    Diese Kräfte, deren Hauptvertreter Ahmadinedschad ist, handeln dabei nicht immer streng rational im Sinne der Interessen ihres Landes, wenn es nur darum geht, den „Großen Satan“ zu treffen. Verbale Kostproben seiner geistigen Verfasstheit hat der Iraner in der Vergangenheit zur Genüge geliefert.
    Das Pikante an der Diskussion im hiesigen Forum ist, dass sich diejenigen, die nun im Namen des Weltfriedens die USA verurteilen, moralisch selbst beschmutzen, indem sie sich „willy-nilly“ zu Komplizen des anrüchigen Mullah-Regimes machen, dessen Gegenpropaganda sie in ihrem antiamerikanischen Überschwang mehr oder weniger kritiklos übernehmen.

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    • Klaatu
    • 12. Oktober 2011 15:06 Uhr

    "Das Pikante an der Diskussion im hiesigen Forum ist, dass sich diejenigen, die nun im Namen des Weltfriedens die USA verurteilen, moralisch selbst beschmutzen, indem sie sich „willy-nilly“ zu Komplizen des anrüchigen Mullah-Regimes machen..."

    Wieso wird man zum Komplizen von Ahmadinedschad, wenn man die (inzwischen meiner Meinung nach empirisch bewiesene)Methodik der Konstruktion eines "casus belli" der USA anpragert? Ich glaube nicht, dass unter den USA-kritischen Mitforisten auch nur ein Ahmadinedschad-Freund ist... Ihre Aussage erinnert mich jedoch an Bush "Wer nicht für uns ist, ist gegen uns"... Es sind solche schwarz-weiß Denker wie Sie, die die USA für ihre Politik gerne sieht... Nicht nachfragen - und ein klares Feindbild vor Augen...

    Hoffentlich kommen jetzt nicht auch wieder Merkel und Westerwelle und erklären ihre tiefe Beunruhigung und ihre unerschütterliche Solidarität... Mir ist unsere Aussenpolitik inzwischen sowieso schon mehr als peinlich.

  5. Wie es aussieht kommen sie mit dem kürzen der Kommentare garnicht mehr nach.....
    Also DAS nenne ich mal Zensur !

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    • Kelhim
    • 12. Oktober 2011 14:03 Uhr

    Und ich bin als Leser sehr dankbar dafür, dass hier mehr auf einen vernünftigen Umgangston und auf Sachlichkeit Wert gelegt wird als in den Foren anderer Nachrichtenseiten.

    • bugme
    • 12. Oktober 2011 11:43 Uhr

    Stichwort: Mykonos-Attentat ...
    Der Iran ist natürlich der friedlichste Staat auf Erden - aber die US-basher sehen natürlich nur was sie sehen wollen. Toll, diese Medienkompetenz hier im Forum!

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, dpa, Reuters
  • Schlagworte Iran | USA | Barack Obama | Terrorismus | Hillary Clinton | FBI
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