Bei seinem ersten Truppenbesuch am Hindukusch hat Bundespräsident Christian Wulff mehr gesellschaftliche Unterstützung für den Afghanistan-Einsatz gefordert. "Die deutsche Gesellschaft sollte Danke sagen und sich bewusst sein, was hier geleistet wird", sagte Wulff im Bundeswehr-Standort in Masar-i-Scharif. In Umfragen lehnt eine Mehrheit der Deutschen den Einsatz ab.

In Masar-i-Scharif besichtige der Bundespräsident ein Polizei-Ausbildungszentrum. Wulff sagte, das Ziel aller militärischen und zivilen Anstrengungen müsse sein, "dass die Afghanen ihre Zukunft selbst in die Hand nehmen". Bis Ende 2014 sollen die afghanischen Sicherheitskräfte im ganzen Land die Verantwortung von der Nato übernehmen. Als eine der wichtigsten Aufgaben gilt daher der Aufbau von Armee und Polizei.

Insgesamt sind in Afghanistan derzeit etwa 5.000 deutsche Soldaten stationiert. Mit dem Abzug der Bundeswehr soll Ende dieses Jahres begonnen werden. Unklar ist bislang, um wie viele Soldaten die Truppenstärke verringert werden soll.

Wulff dankt US-Soldaten

Im Regionalkommando Nord der Internationalen Schutztruppe Isaf in Masar-i-Scharif, das von der Bundeswehr geführt wird, traf Wulff auch mit US-Soldaten zusammen. "Es war mir ein Bedürfnis, den Amerikanern zu danken", sagte er. "Viele deutsche Soldaten haben mir berichtet, dass sie nur deshalb noch leben, weil sie amerikanische Hubschrauber unter Beschuss aus Gefechtssituationen herausgeflogen haben."

Wulff war bei seinem Staatsbesuch am Sonntag in Kabul mit Präsident Hamid Karsai zusammengetroffen. Dort hatte er Afghanistan deutsche Unterstützung auch nach dem für 2014 geplanten Abzug der internationalen Kampftruppen zugesagt. Deutschland werde auch nach Übergabe der Sicherheitsverantwortung ein "verlässlicher und dauerhafter Freund und Partner" sein.

Wulffs Reise ist der erste Staatsbesuch eines Bundespräsidenten seit 44 Jahren. Zuletzt war Bundespräsident Heinrich Lübke 1967 zu einem offiziellen Besuch in Kabul. Aus Sicherheitsgründen war die Reise Wulffs vorher nicht angekündigt worden. Eine im vergangenen Monat geplante Reise war aus Sicherheitsgründen im letzten Moment abgesagt worden. Kanzlerin Angela Merkel war zuletzt im Dezember vorigen Jahres in Afghanistan.