Italien Berlusconi laufen die Abgeordneten weg
Italiens Regierungschef muss um seine Mehrheit im Parlament fürchten. Jetzt haben Abtrünnige aus seiner Partei einen Brandbrief an ihn verfasst.
Unter Italiens Politikern gibt es eine neue Modeerscheinung: Wenn sie sich etwas Wichtiges mitzuteilen haben, dann schreiben sie Briefe. Jetzt hat Berlusconi so einen Brief abgeschickt. Der italienische Noch-Regierungschef wollte die EU überzeugen, dass er die Krise im Griff hat. Mit einem Brief starten jetzt auch sechs Abgeordnete von Berlusconis Partei PDL einen Affront gegen den eigenen Anführer.
Der Brief sei ein "letzter, herzzerreißender und dennoch freundlicher Aufruf" zu Reformen im Land, schreiben die Abgeordneten. Italien hat der EU bereits harte Sparanstrengungen versprochen. Doch die Regierung, schreiben die Abgeordneten, sei ganz offensichtlich nicht in der Lage, diese Versprechen auch einzuhalten. Um diese Notlage zu überwinden solle jetzt der Ministerpräsident "eine neue politische Phase, beziehungsweise eine neue Regierung" unterstützen. Das sind harte Worte aus dem eigenen Lager.
"Berlusconi steckt in einer Sackgasse", sagt Fabio Gava, einer der Abgeordneten, die das Dokument verfasst haben, gegenüber ZEIT ONLINE. Dafür gebe es zwei Gründe: "Zum einen fehlen ihm Stimmen, um die harten Reformen durch das Parlament zu bringen. Zum anderen streitet sein Kabinett erbittert über die nächsten Schritte des Stabilisierungsplans."
Tatsächlich ist die Beziehung zwischen Berlusconi und seinem Wirtschaftsminister Giulio Tremonti schon seit einigen Wochen deutlich abgekühlt. "Es gibt ein Problem und das Problem heißt Berlusconi", sagt Tremonti inzwischen über seinen ehemaligen Förderer. Dabei hat Berlusconi seinen Minister in besseren Zeiten schon mal als "Genie" bezeichnet.
"Man kann Berlusconi nicht fragen, ob er zurücktreten will"
Auch Berlusconis Koalitionspartner, der Chef der Lega Nord Umberto Bossi treibt den Ministerpräsidenten immer mehr in die Enge: Er lehnt die dringend benötigte Rentenreform kategorisch ab. Doch Bossi glaubt nicht, dass der Regierungschef so schnell das Handtuch wirft: "Man kann Berlusconi nicht fragen, ob er zurücktreten will. Er wird das nie tun", sagte er vor Journalisten.
Jetzt ist es nicht das erste Mal, dass Berlusconi Gegenwind aus der eigenen Partei und aus seiner Koalition bekommt. "Aber jede kritische Stimme bringt die Regierung näher an den Zusammenbruch", sagt Giustina Destro, die zu den Briefunterschreibern gehört. Sie will Reformen für ihr Land und sie ahnt, dass dies ohne einen Rücktritt Berlusconis nicht machbar sein wird.
- Datum 04.11.2011 - 06:19 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf einer Seite lesen
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 13
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:





... in weiten Kreisen der Italiener ist Berlusconi ja nicht trotz sondern wegen seiner Einstellung zu Frauen und Partyleben immer noch beliebt.
Man kann im Moment nicht genau abschätzen, ob es in Verbindung mit einer schwachen Opposition gelingen könnte, in Italien wieder handfeste Politik zu machen. Ein Abgang Berlusconis wäre in jedem Fall aber ein Zeichen an das Ausland, das das Land ja son lange nicht mehr ernst nehemen wird, so lange sich der lächerliche Ministerpräsident an der Macht hält.
Ich lebe in Italien und habe den Stimmungsumschwung erlebt. Selbst der letzte Depp hat inzwischen kapiert, daß Berlöusconi keinerlei Rezepte hat Italien vorwärts zu bringen.
Das Problem ist nur ihn vor den nächsten Wahlen auf rechtlich einwandfreie Weise loszuwerden.
Ich lebe in Italien und habe den Stimmungsumschwung erlebt. Selbst der letzte Depp hat inzwischen kapiert, daß Berlöusconi keinerlei Rezepte hat Italien vorwärts zu bringen.
Das Problem ist nur ihn vor den nächsten Wahlen auf rechtlich einwandfreie Weise loszuwerden.
Ich lebe in Italien und habe den Stimmungsumschwung erlebt. Selbst der letzte Depp hat inzwischen kapiert, daß Berlöusconi keinerlei Rezepte hat Italien vorwärts zu bringen.
Das Problem ist nur ihn vor den nächsten Wahlen auf rechtlich einwandfreie Weise loszuwerden.
oder doch nicht?
Die Ausnahme Krimi-Autorin Magdalen Nabb legt ihrem Mareciallo Guarnaccia die Worte in den Mund: Das Land wird von Banditen regiert....
Warum laufen dem Weiberheld, Macho und Boulevard-Politiker ERST JETZT die Abgeordneten weg?
Wer untersucht eigentlich seine dubiosen Verbindungen, wer untersucht das Desaster der noch immer nicht beseitigten Erdbebenruinen? Wer zieht ihn zur Verantwortung, damit er mit mit seinem Vermögen haftet? Und wer zieht die zur Verantwortung, die ihm mehrmals die Stimme bei den sogenannten "Vertrauensfragen" gaben. Das Geld, das sie dafür erhielten, sollten sie den Menschen geben, die es nötig haben, und der Infrastruktur zukommen lassen, die es teils dringend nötig hat.
"Doch manch ein politischer Insider vermutet andere Motive hinter der ablehnenden Einstellung gegenüber Neuwahlen. Wenn Abgeordnete nicht bis zum Ende einer Legislaturperiode im Parlament sitzen, dann haben sie keinen Anspruch auf eine lebenslange Rente."
Das mit den "Übergangsregierungen" scheint eine neue Mode zu werden.
Vorteil: Sie müssen sich keinen Wahlen stellen und können daher auch nicht vom Wähler für unerwünschtes Verhalten abgestraft werden.
So wird recht effektiv noch der letzte klägliche Rest an Demokratie beseitigt, den der Parlamentarismus uns bietet.
Bunga,Bunga ist schon oft politisch totgesagt worden und hat viele Abstimmungen und weggelaufenen Abgeordnete überlebt.
Erstaunlich ist doch, dass er die erste stabile Regierung in Italien bietet, denn was war vor ihm ?
Regierungswechsel im 1/2 Jahrestakt.
Das wissen die Italiener eben auch und darum wählen sie vielleicht , genau wir wir , nicht die Partei ihrer Überzeugung sondern das kleinere Übel.
Auch wenn es manchmal peinlich ist. Sind viele unserer Politiker doch auch, Doktorhüte , Parallelfamilien, da war doch mal was mit Koks auf der Bundestagstoilette.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren