Handys, Netbooks und Spielkonsolen sind fester Bestandteil unseres Alltages. Diese Geräte funktionieren auch dank bestimmter Mineralien, die zum Beispiel in Afrika abgebaut werden. Viele von diesen sind sogenannte Konfliktmineralien, gewonnen unter besonders gefährlichen, inhumanen Bedingungen. Die Arbeit wird von Milizen und bewaffneten Gruppen überwacht. Im Osten der Demokratischen Republik Kongo (DRK) finanziert und heizt der Erlös solcher Mineralien den Kampf weiter an und destabilisiert die gesamte Region.

Um die Situation zumindest auf der Abnehmerseite zu lindern, reagierten die Vereinigten Staaten 2010 mit dem sogenannten Dodd-Frank-Act. Artikel 1502 dieses Gesetzes verpflichtet Unternehmen, die Verwendung von Konfliktmineralien aus der DRK und den angrenzenden Ländern offen zu legen. Die Maßnahme soll den Handel mit Konfliktmineralien transparent machen.

Auch die Europäische Union (EU) befindet sich in der Beratungsphase für ein ähnliches Zertifizierungsprogramm, insbesondere für Mineralien aus der Region der Großen Afrikanischen Seen. Deutschland arbeitet sogar konkret an einem System. Für beide gilt: die Zertifizierung sollte keine Kopie des amerikanischen Gesetzes werden. Stattdessen sollten die Europäer einen Schritt weiter gehen. Sie können aus den Erfahrungen mit dem Dodd-Frank-Act lernen, denn es hat mehr Fragen aufgeworfen, als Antworten gegeben.

Dodd-Frank-Gesetz erzeugt wirtschaftliche und soziale Zusatzkosten

Bei der Entwicklung eines europäischen Zertifizierungprogrammes gilt es gleich mehrere Probleme zu bewältigen. Erstens ist es sehr schwierig, konfliktfreie Lieferwege aus den Kivu-Provinzen im Osten Kongos zu schaffen. In diesem Gebiet existiert die kongolesische Regierung nur auf dem Papier. Die beiden höchsten Autoritäten der Staatsmacht haben sowohl 2009, als auch 2010 zur Entmilitarisierung von Abbaustätten gerufen. Der Erfolg blieb aus.

Zweitens ist es problematisch, eine wirklich zuverlässige Methode zur Überprüfung der Lieferkette zu etablieren. Im Falle Deutschlands wird das System der zertifizierten Handelsströme im Bergbau von Experten der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe in Hannover erstellt. Die Zertifizierung der Exporte selbst soll hingegen durch die Regierungen der exportierenden Länder erfolgen. Doch die Beglaubigung konfliktfreier Mineralien durch korrupte Regierungen stellt die Glaubwürdigkeit der gesamten Aktion in Frage.

Drittens verursacht die Herkunftskennzeichnung der Mineralien vor allem für die Importeure zusätzliche Kosten. Das wirkt sich auf die Preise der kongolesischen Mineralien aus und beeinträchtigt deren Wettbewerbsfähigkeit. Die Importeure werden folglich einfach in anderen Ländern einkaufen. So entstehen durch das Dodd-Frank-Gesetz wirtschaftliche und soziale Zusatzkosten und die Zurückhaltung der Käufer führt zu Arbeitslosigkeit bei den Bergleuten.