Taliban : Widersprüchliche Aussagen zu Steinigung in Afghanistan

Bewaffnete haben im Osten Afghanistans eine Frau und ihre Tochter getötet. Nach einem Medienbericht wurden sie gesteinigt – der Polizeichef sieht dafür keine Anzeichen.

Unbekannte haben in der ostafghanischen Provinz Ghazni eine Frau und ihre Tochter ermordet. Die BBC berichtete dazu, Bewaffnete hätten die beiden Frauen durch Steinwürfe getötet. Die Gewalttäter seien in das Haus eingedrungen, wo die Witwe mit ihrer Tochter lebte, nahmen beide mit und steinigten sie, zitierte der Sender Angehörige der Sicherheitskräfte. Nachbarn hätten nicht geholfen oder die Polizei informiert. Taliban hätten die Frauen des Ehebruchs und des unmoralischen Verhaltens beschuldigt.

Dem Tatbestand der Steinigung widersprach der Provinzgouverneur Musa Khan Ahmadsai. Er sagte, die beiden Frauen seien im Schlaf in ihrem Haus erschossen worden. Einem Nachbarn zufolge habe es Anzeichen dafür gegeben, dass die Opfer zunächst mit Steinen beworfen worden seien, bevor das Feuer auf sie eröffnet worden sei. Frauen der Nachbarschaft, die die Leichen gewaschen hätten, hätten entsprechende Spuren an den Toten entdeckt.

Ghaznis Polizeichef Delawar Sahid sagte dagegen, es gebe keine Anzeichen für eine Steinigung. Zwei Verdächtige seien festgenommen worden. Der Fall werde untersucht. "Zu diesem Zeitpunkt können wir nicht sagen, ob die Taliban oder eine andere Aufständischen-Gruppe dahinter stecken." Nach Angaben des Nachbarn hatte ein lokaler Geistlicher den beiden Frauen vorgeworfen, sich zu prostituieren.

In der Stadt sollen Religionsführer Fatwas verbreitet haben, in denen die Bewohner aufgefordert wurden, Menschen zu melden, die an "Ehebruch beteiligt" sind. Taliban herrschen in großen Teilen der Provinz Ghazni. Hochzeitsfeiern etwa sind verboten, nur Männern ist es erlaubt, sich gesellig zu versammeln – allerdings ohne Musik. Nur sieben der 18 Distrikte von Ghazni sind unter Kontrolle des afghanischen Staates.

Seit Jahren versuchen westliche Staaten, Afghanistan beim Aufbau einer demokratieähnlichen Staatsordnung zu helfen. Die Bundesregierung hatte am Donnerstag bekannt gegeben, bis 2013 etwa 1.000 Bundeswehrsoldaten aus der internationalen Afghanistan-Schutztruppe abzuziehen.

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Kommentare

61 Kommentare Seite 1 von 8 Kommentieren

Ich glaube, niemand in diesem Forum rechtfertigt Steinigung

Die Frage ist, ob Steinigungen die militaerische Intervention in einem anderen Land rechtfertigen. Bei
diesen Interventionen werden tausend mal mehr Unschuldige
Menschen umgebracht als durch eben diese Steinigung.
Solche Bestrafungen werden ueblicherweise NICHT durch
bewaffnete auswaertige Taeter vorgenommen, sondern durch
die Nachbarn einschliesslich der weiblichen Bewohner.
Wir haben auch Indien nicht bombardiert um Witwenverbrennungen zu verhindern.

@ Relevanz?

Ich hoffe inständig, dass Sie mit ihrer Einstellung zu einer kleinen Gruppe ignoranter Egoisten gehören, die denken, weil nicht jede Menschenrechtsverletzung öffentlich gemacht wird, gäbe es keine Berechtigung über einzelne Fälle zu berichten. Es ist doch grade das einzelne Schicksal, welches relevant ist. Unser Unwille, die Tragödie dahinter nicht sehen zu wollen, ist gefährlich und entfernt uns von unseren Mitmenschen. Fein nach dem Motto „Wie viele Tote gab es bei dem Erdbeben? 17? Ach nun ja da hat es schon schlimmere gegeben!“
Wir sollten uns fragen in was für einer Gesellschaft wir leben wollen!

Relevanz

Schlimm, aber ich kann dazu leider nur sagen " und in China ist ein Sack Reis umgekippt".

Sowas ist jeden Tag traurige Realität in AFG. Es ist gut möglich das während des schreibens dieses Artikels eine andere Frau irgendwo in AFG. gesteinigt wurde.

Die ISAF hat nur Kontrolle in größeren Städten un derren unmittelbaren Umland. Auf dem Lande sind die Taliban so tief verwurzelt, das sie fast zum normalen Bild gehören.

Barbaren!

Ich habe eine Lösung für das Problem: Sollen doch die USA ihren Afghanischen Freunden ein paar von ihrer elektrischen Stühlen und Fixerbestecken verkaufen. Dann hätten wir in Afghanistan endlich eine 100% humanistische, menschenwürdige und ethisch vollkommen einwandfreie Möglichkeit, Menschen totzuspritzen oder totzuvolten. Alternativ gingen auch Gas oder der Strick, vielleicht auch eine ferngesteuerte Drohne oder ein Rudel wild gewordener Auftragskiller von Blackwater. Aber Steine? Gott, wie barbarisch!

Bitte achten Sie auf einen sachlich argumentierten Beitrag und einen entsprechenden Diskussionston und verzichten Sie auf Polemik. Danke, die Redaktion/lv