IAEA-BerichtIran auf dem Weg zum Atomstaat

Das Regime betreibt eine breit gefächerte Urananreicherung und kennt die notwendigen Zündmechanismen. Die Befunde der Atomenergiebehörde sind alarmierend. von 

Atomanlage im iranischen Bushehr

Atomanlage im iranischen Bushehr  |  © Getty Images

Die Frage, wie nahe Iran an einer Atombombe dran ist, lässt sich in Jahren oder Monaten seriös kaum beantworten. Wohl aber in gewissen Schritten, und mit denen ist Iran laut dem neuesten Bericht der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) bereits bedrohlich weit gekommen. Wer eine Atombombe bauen will, muss zunächst spaltbares Material erzeugen, also entweder hochangereichertes Uran oder Plutonium. Als Nächstes muss er dieses Material zur Explosion bringen können. Drittens muss er Trägersysteme besitzen. Zwar scheint Iran keine dieser drei Phasen schon komplett bewältigt zu haben. Alarmierend sind die neuen Befunde trotzdem.

Demnach betreibt Iran trotz UN-Sanktionen eine breit gefächerte Urananreicherung. Zu einigen Anlagen gewährt sie den Inspektoren der IAEA Zutritt. Zu anderen nicht. Sprich: Die UN-Behörde weiß nicht, wie weit Iran die Anreicherung im Dunkeln vorangetrieben hat. Trotz eines Lieferverbots für sämtliche nuklearbezogene Technik verkündete Staatschef Mahmud Ahmadineschad Anfang 2010, Iran verfüge über Uran mit 20-prozentigem Anreicherungsgrad.

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Für Kernreaktoren wären nur 4 Prozent notwendig. Für Waffen-Uran hingegen sind es mindestens 80 Prozent. Allerdings wird die Konzentration technisch einfacher, je höher sie steigt: Von 20 auf 80 Prozent zu kommen ist weniger aufwendig als von 4 auf 20. Im Juli gab Teheran bekannt, neue Zentrifugen installiert zu haben. Möglich also, dass Iran begonnen hat, waffentaugliches Material zu horten.

Doch selbst wenn dies der Fall sein sollte – hochangereichertes Uran zur Explosion zu bringen ist eine komplizierte Sache. Es muss eine Kettenreaktion in Gang gesetzt werden, und zwar durch die Verdichtung des Urans zur sogenannten kritischen Masse. Damit dies geschehen kann, muss man das Uran in Kugelform mit Sprengstoff umgeben, der dann mit einer Synchronität im Nanosekunden-Bereich explodiert.

Laut IAEA-Bericht soll Iran jetzt Baupläne für einen derart höllisch präzisen Zündmechanismus besitzen. Es soll bereits Tests mit ihm gegeben haben. Die IAEA hebt hervor, dass seine Abmessungen mit der Ladekammer der Schahab-3-Mittelstreckenrakete übereinstimmen. Sie hat eine Reichweite von etwa 2000 Kilometern, könnte also Israel erreichen.

Teheran bestreitet die Vorwürfe. Es erklärt den Bericht für ein neuerliches Lügengespinst der USA.

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Leserkommentare
  1. Ist das die Technik, die 1945 eingesetzt wurde? Wie hat man das denn damals hinbekommen?

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    Man unterscheidet prinzipiell zwei verschiedene Mechanismen. Der erste ist das sog. Gun-Design. Hier gibt es zwei Teile Uran die für sich noch keine kritische Masse bilden, zusammen jedoch schon. Einer der getrennten Teile wird durch eine Sprengladung auf den anderen geschossen. In dem Moment wo beide vereint sind, bilden sie die kritische Masse und die Kettenreaktion kann einsetzen.
    Dies war das Design der Hiroshima-Bombe. Dieses ist technisch bedeutend einfacher und wurde ohne Test eingesetzt.

    Das zweite Design wurde schon im Text etwas beschrieben. Eine Plutoniumkugel wird durch Sprengladungen verdichtet. Dies muss absolut synchron geschehen. Dieses Design wurde für die Nagasaki-Bombe verwendet und wurde vorab beim Trinity-Test getestet, da man sich damals nicht sicher war, ob und wie gut das funktioniert.

    Weltweit wird hauptsächlich das letzt genannte Design verwendet, das sogenannte Implosionsdesign, da damit die Nutzung von Plutonium erst möglich wird und Früh- und Fehlzündungen weniger wahrscheinlich sind.

    Eine Bombe nach dem Gun-Design zu bauen ist technisch viel einfacher.

  2. Ich glaube, dass sich das langfristig nicht verhindern lassen wird. Trotz Atomwaffensperrvertrag und internationaler Kontrolle. Radikale Islamisten haben doch schon häufig gezeigt dass sie kein weltlich geltendes Recht wirklich akzeptieren. Hier lebende, bestens integrierte Studenten oder Wissenschaftler nutzen die bestehenden Rechtsformen und Systeme aus um Angriffe gegen den verhassten Westen vorzubereiten. Um ungestört ihre eigene Suppe weiter zu kochen akzeptieren sie die vorgefundenen Bedingungen. Ganz ähnlich schätze ich auch die Unterschriften Irans unter den Sperrvertrag ein.
    Die Frage was passiert, wenn diese Leute ihre heiß umkämpfte Technologie wirklich zum Einsatz bringen stellt man sich besser nicht. Das wäre eine Katastrophe. Aber nicht nur für Israel, sondern auch für die Mullahs.

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    sin nicht gefährlicher als fundamentlistische Zionisten oder imperialistische Amerikaner oder ausgehungerte Inder oder....

    Das ganze Prinzip von Kriegsführung für den vermeintlichen Frieden ist einfach FALSCH!!!

    Ich glaube Ihnen ist das Zeitgeschehen in den letzten 100 Jahren völlig fremd geblieben. Aus dem Iranischen Boden ist seit mehr als 200 Jahren kein Krieg ausgegangen. " weltlich geltendes Recht" verletzen...Wer verletzt denn ständig das internationale Rechtssystem.. Spielen Sie bitte nicht Wörtern die Sie nicht verstehen..

    "Hier lebende, bestens integrierte Studenten oder Wissenschaftler nutzen die bestehenden Rechtsformen und Systeme aus um Angriffe gegen den verhassten Westen vorzubereiten. Um ungestört ihre eigene Suppe weiter zu kochen akzeptieren sie die vorgefundenen Bedingungen. Ganz ähnlich schätze ich auch die Unterschriften Irans unter den Sperrvertrag ein."

    Immerhin halten sich die Iraner an den Vertrag (außer Geheimdienstvermutungen und altem, seit Jahren kolportiertem Käse enthält der Report nichts), im Gegensatz zu USA und den anderen Atommächten. Das wissen Sie aber wahrscheinlich selber. Sollten Sie über dieses Wissen nicht verfügen, gebe ich Ihnen gerne Auskunft (Verpflichtung zur Abrüstund oder Verbot der Zusammenarbeit mit Staaten, die nicht Teilnehmer am A-Sperrvertrag sind, wie Indien, Israel etc.)

    "Die Frage was passiert, wenn diese Leute ihre heiß umkämpfte Technologie wirklich zum Einsatz bringen stellt man sich besser nicht. Das wäre eine Katastrophe. Aber nicht nur für Israel, sondern auch für die Mullahs."

    Und Sie glauben, die Mullahs wissen das nicht?

  3. Hat sich irgendeine Nation daran gehalten, keine Atomwaffen zu entwickeln, wenn sie können? Gibt es einen guten Grund warum Israel und all die anderen Ländern Atomwaffen haben dürfen, aber bei Iran ist das jetzt plötzlich böse?
    Ich traue weder Israel noch dem Iran.
    Wenn die anderen Staaten ernsthaft die Weiterverbreitung von Atomwaffen vorantreiben wollen, dann sollten sie erstmal ihre eigenen Arsenale abschaffen. Ansonsten sind doch alle Aussagen von diesen Ländern lächerlich (Prinzip Glashaus).
    Ist es nicht so, dass der Atomwaffensperrvertrag, auch Abrüstung bei den Besitzerstaaten vorschreibt? Wo bleibt also der Militärschlag gegen die USA und Russland?

    Die Länder, die seit dem 2. Weltkrieg aktiv Krieg begonnen haben sind doch eher USA, UK, Israel und Russland? Warum ist dann der Iran so viel gefährlicher?

    Klar die haben manchmal eine "etwas" aggressive Rhetorik, aber da ist Israel ja auch nicht immer besser.
    Andere Länder drücken ihre Kriegswünsche zwar nett und besonnen aus, aber erfinden einfach ein paar Massenvernichtungswaffen dazu, damit man einen Grund findet in den Krieg zu ziehen. Ist das wirklich besser?

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    • joG
    • 09. November 2011 19:30 Uhr

    ... zu entwickeln, wenn sie können?"

    Ja.

    • FZ
    • 09. November 2011 23:26 Uhr

    sind keine Unterzeichnerstaaten des Atomwaffensperrvertrags. Folglich kann man ihnen auf dessen Grundlage auch den Besitz von Kenwaffen nicht verbieten.

    Iran ist Unterzeichner. Das ist mal, ganz grundsätzlich, der Unterschied.

    • alexkie
    • 10. November 2011 9:27 Uhr

    potenzielle Atomwaffenbesitzländer haben darauf verzichtet, z.B. die BRD.

  4. Entfernt. Bitte belegen Sie Ihre Aussagen mit Quellen. Danke, die Redaktion/mk

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    • joG
    • 09. November 2011 19:38 Uhr

    ....es Viele hier gibt, die die Kosten der Herstellung mit solchen Argumenten abzuwehren versuchen, wie Sie sie hier vortragen. Man führt auch gerne das GG und andere Dinge an. Alle unglaubwürdig von Außen betrachtet, naiv und sehr gefährlich für uns alle.

    So wird man haute wie gestern doch für ein paar Präventivaktionen Werbung machen dürfen, oder?

    Siehe hier:
    http://www.zeit.de/1998/0...
    http://www.zeit.de/2003/1...

    • Xdenker
    • 10. November 2011 0:32 Uhr

    Die Gnade der Gutgläubigkeit oder auch des Gottvertrauens besteht darin, dass man Zeit seines Lebens auf jeden Fall recht behält. Beziehungsweise darin, dass man seinen Irrtum keinesfalls bemerken wird, weil die Explosion gar zu schnell und zu gründlich vonstatten geht. Es ist in der Tat eine Gnade. Aber darauf angewiesen sein möchte ich nicht.

    Der Kommentar, auf den Sie sich beziehen, wurde entfernt. Die Redaktion/mk

    • FahadA
    • 09. November 2011 19:28 Uhr

    "Zu einigen Anlagen gewährt sie den Inspektoren der IAEA Zutritt. Zu anderen nicht." Welche bitte?

    "Trotz eines Lieferverbots für sämtliche nuklearbezogene Technik verkündete Staatschef Mahmud Ahmadineschad Anfang 2010, Iran verfüge über Uran mit 20-prozentigem Anreicherungsgrad." 19,75 %, um genau zu sein (per definitionem LEU, kein HEU). Ist der IAEA und uns allen seit Anfang 2010 bekannt. Der (angebliche) Grund fuer die Anreicherung auf 19,75 %: Brennstaebe fuer den Tehraner Forschungsreaktor, der Isotope fuer medizinische Zwecke herstellt. Wir erinnern uns, die Bitte, Iran mit dem Material zu versorgen, wurde von P5+1 abschlaegig beschieden. Brennstaebe konnten, soweit wir wissen, bisher nicht hergesttelt werden. Deshal bietet Ahmadinejad auch des oefteren an, die Produktion von auf 19,75 % angereicherten Urans auszusetzen, falls man das Land mit den dringend fuer medizinische Zwecke gebrauchten Brennstaeben versorgt.

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    20 Fragen , 20 Antworten.

    "Ali-Asghar Soltanieh ,Iran's envoy to the IAEA has answered 20 critical questions about Tehran's nuclear program and a host of related issues."

    Tehran Time von heute :

    http://tehrantimes.com/in...

    ""Question 1: Has the IAEA detected, after 4000 days of most intensive inspection in the agency's history, even one gram of uranium being diverted for military purposes?

    Response: No. Please study all of the reports by the agency's current and former director generals.

    Question 2: With respect to nuclear activities and materials which are claimed to have not been declared until 2003, has the IAEA found out that they had been diverted towards military activities?

    Response: No. All of these activities and materials were audited by the agency. Please study all the agency's reports to the Board of Governors between 2003 and 2004

    Question 3: Was Iran ethically obliged to declare Natanz enrichment facility before 2003?

    Response: No. Given that nuclear material had not been introduced into the facility until 2003, Iran was under no obligations to declare it. Particularly since Iran had not signed the Revised Code 3.1 of the Subsidiary Arrangements, as well as the additional Comprehensive Safeguards (CSA) and Nuclear Non-Proliferation Treaty (NPT) agreements....

    • FahadA
    • 09. November 2011 19:29 Uhr

    "Für Waffen-Uran hingegen sind es mindestens 80 Prozent." Eher 90+ %. Natuerlich ist man schon recht weit, wenn man bereits 19,75 % hat.

    "Möglich also, dass Iran begonnen hat, waffentaugliches Material zu horten." Moeglich, aber nicht wahrscheinlich. Die haben das nicht gemacht. Wetten, dass nicht?

    "Es soll bereits Tests mit ihm gegeben haben." Wissen wir seit 2004, war auf dem angeblich gefaelschten Files des Laptops, den weder die IAEA noch Iran jemals selber im Original untersuchen durften.

    Amano hat jetzt sein Pulver verschossen. Es wird nicht mehr moeglich sein, etwas drauf zu satteln. Moegen die MSM noch so sehr die Trommel ruehren: Wir wussten das alles schon vorher, das Annex beweist gar nichts und Iran ist fast schon aus dem Schneider. So kann's gehen.

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    ""Amano hat jetzt sein Pulver verschossen. Es wird nicht mehr moeglich sein, etwas drauf zu satteln.""

    Und so gehen Supermächte unter und mit ihnen ihre 'Helfeshelfer'.

    Sehr schade , dass die ZO mit diesen fast historischen Ereignissen so fahrlässig umgeht .
    " Agenda driven journalism at its finest " und keiner hört zu.

    • joG
    • 09. November 2011 19:30 Uhr

    ... zu entwickeln, wenn sie können?"

    Ja.

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    • Todoy
    • 10. November 2011 0:09 Uhr

    Hat sich irgendeine Nation daran gehalten, keine Atomwaffen....

    ... zu entwickeln, wenn sie können""

    Nein, keine.

    • Jan1234
    • 09. November 2011 19:35 Uhr

    haben sie ja auch die atombombe und kündigen laufend an, den iran anzugreifen und zu bombardieren, so dumm sind die iraner nicht, dass sie atombomben nach europa schicken, das ist absurd, also vor dem iran habe ich keine angst, bei den amerikanern mit den fanaten von der tea-party sieht das schon anders aus und die amis haben atombomben schon eingesetzt und man sollte auch nicht vergessen, wäre es im kalten krieg zu auseinandersetzungen gekommen, man hätte mitteleuropa mit a-bomben übersät, damit die russen aufgrund von radioaktivität nicht durchdringen können

    also mich überrascht das alles nicht, dass der iran nach der atombombe strebt, dann hat man ruhe vor den amerikanern

    und die amerikaner waren und sind es, die den rüstungswahn weltweit ankurbeln und überall ihre waffensysteme hin exportieren

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    Also derzeit steht hier Aussage gegen Aussage.

    Israel sagt: Der Iran will uns vernichten.

    Iran sagt: Quatsch, wieso sollte ich Israel vernichten und gleichzeitig alle arabischen Länder drumrum mit (inkl. Palästina).

    Also ich persönlich finde beide Regime nicht sonderlich symptisch. Was ich aber beurteilen kann ist, dass beide Länder innerhalb ihrer Starrköpfigkeit extreme nationalistische und fundamentalistische Gesinnungen entwickelt haben. Dazu kommt, dass Israel nicht gerade für seine Ehrlichkeit und Verlässlichkeit bekannt ist.

    Ob jetzt der Iran die Bombe hat oder Israel ist mir eigentlich egal. Beides bereitet mir Kopfschmerzen. Vermutlich ist es sogar besser, wenn der Iran die Bombe hat, denn das ist wohl das einzige was Israel an einer Kurzschlussreaktion hindert.

    • joG
    • 09. November 2011 20:10 Uhr

    .... europa schicken, das ist absurd, ..."

    WWI war auch absurd. Vieles ist absurd.

    Dabei ist das wichtigste an der iranischen Bombe nicht, dass es spezifisch der Iran ist, der sie bekommt. Die Mullahs sind zwar ein besonders gefährliches Beispiel derer, die Atomwaffen bekommen könnten, aber das ist wie bei Strafen im Inland. Sie sind primär wichtig, damit Andere sich an die Regeln halten. Das ist viel wichtiger für die Sicherheit, als die einzelne Tat zu bestrafen.
    Und hier ist es halt überwältigend wichtig, dass Proliferation nicht sich ausbreitet.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte IAEA | Iran | Mahmud Ahmadinedschad | Atombombe | Konzentration | Plutonium
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