Krise in Italien Berlusconis versprochener Rücktritt

Sobald die Sparpläne Gesetz sind, will Silvio Berlusconi sein Amt aufgeben. Wie es in Italien weitergeht, ist offen. Optionen gibt es viele.

Das Parlament in Rom soll den Sparplänen zustimmen, danach will Silvio Berlusconi zurücktreten.

Das Parlament in Rom soll den Sparplänen zustimmen, danach will Silvio Berlusconi zurücktreten.

"Erst soll das Stabilisierungsgesetz verabschiedet werden. Dann kann ich zurücktreten", so hat der italienische Premierminister Silvio Berlusconi vor Staatspräsident Giorgio Napolitano die Abwicklung der Regierungskrise zusammengefasst. Am Mittwoch soll der Senat über die Gesetzänderungen entscheiden, die die EU der Regierung in Rom vorgeschrieben hat. Da die Regierung im oberen Haus über eine solide Mehrheit verfügt, sollte die Abstimmung einigermaßen reibungslos verlaufen. Nächste Woche ist das Abgeordnetenhaus dran. Berlusconi hofft, dass es, angesichts seines angekündigten Rücktritts, eine Mehrheit für die Sparpläne gibt.

Was danach passiert, ist nach wie vor unklar. Der Staatspräsident wird wahrscheinlich alle Fraktionschefs einberufen und mit ihnen über eine alternative Mehrheit diskutieren. Daraus ergeben sich drei oder vier unterschiedliche Szenarien: Die Option, die sowohl Berlusconi als auch die Lega Nord bevorzugt, sieht Neuwahlen im Januar vor. Vermutlich würden die Märkte darauf positiv reagieren. Der versprochene Rücktritt führte bereits am Dienstag im US-Börsenhandel zu Kursgewinnen. Allerdings fürchten sowohl Berlusconis Partei Volk der Freiheit (PDL) als auch die Oppositionspartei PD die möglichen Wahlergebnisse.

Eine weitere Möglichkeit, die einige Berlusconi-Anhänger anstreben, ist die Fortsetzung der Regierung unter der Führung von Angelino Alfano, dem Chef der PDL. Als politische Wende würde das allerdings kaum gelten, da Alfano ein enger Vertrauter Berlusconis ist.

Anzeige

Eine andere Option wäre die Bildung einer Übergangsregierung, entweder unter der Führung des Chefs der Staatskanzlei, Gianni Letta, oder des ehemaligen EU-Kommisars Mario Monti. Obwohl Letta mit der Unterstützung der Oppositionspartei UDC rechnen könnte, würde vermutlich die positive Reaktion der Märkte ausbleiben. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Streitigkeiten innerhalb der Mehrheit wieder aufflammen, wäre zudem hoch.

Leser-Kommentare
  1. "Sobald die Sparpläne Gesetz sind, will Silvio Berlusconi sein Amt aufgeben. Wie es in Italien weitergeht, ist offen. "

    Man wird sicher auch für Italien eine Bankerregierung finden.

  2. Ich finde, die ständigen Verweise auf mögliche Reaktionen "der Märkte",Kursgewinne und Verluste symbolisieren das Kernproblem sehr gut.Kleptokraten regieren die Welt, nicht das Volk.

    11 Leser-Empfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Absolut richtig zusammengefasst! Da hat eine nicht unbedeutende (moralische) Minderheit in Italien seit Jahren versucht, dass diese Form selbstgefälliger Politik à la Berlusconi (selbst ein demokratisch legitimierter Plutokrat) endlich ein Ende findet und es nicht schaffen können. Da schnippen die "Märkte" mal einmal mit dem Finger und schon ist es soweit. Dies ist ein Paradebeispiel für die Funktionsweise des gegenwärtigen Herrschaftssystems!

    Absolut richtig zusammengefasst! Da hat eine nicht unbedeutende (moralische) Minderheit in Italien seit Jahren versucht, dass diese Form selbstgefälliger Politik à la Berlusconi (selbst ein demokratisch legitimierter Plutokrat) endlich ein Ende findet und es nicht schaffen können. Da schnippen die "Märkte" mal einmal mit dem Finger und schon ist es soweit. Dies ist ein Paradebeispiel für die Funktionsweise des gegenwärtigen Herrschaftssystems!

    • Lieps
    • 08.11.2011 um 22:24 Uhr

    ist noch immer vital und von bester Manneskraft. Wenn der einen Rücktritt verspricht, bleibt er garantiert im Amt.
    So gut glaube ich ihn doch zu kennen.Ist ja schließlich Politiker mit ausgeprägtem Durchhaltevermögen.Je unbeliebter, desto trotziger.

    Lieps
    Preußischer Diplomat

    Eine Leser-Empfehlung
  3. Ein Versehen in obigem Artikel: Berlusconi ist doch wohl eher in den Quirinalspalast und nicht in den Palazzo Chigi gefahren, um sich mit Herrn Napolitano zu beraten, denn dort residiert der Staatspräsident. Im Palazzo Chigi ist Berlusconi selbst, wenigstens noch bis zu seinem Rücktritt als Ministerpräsident, der Hausherr.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    Redaktion

    Absolut richtig, danke für den Hinweis.
    Beste Grüße,
    Markus Horeld

    Redaktion

    >Wenige Minuten später verließ Berlusconi den Saal und fuhr zu seinem Büro im Palazzo Chigi ... Anderthalb Stunden später fuhr der Regierungschef weiter zum Quirinalspalast, der Residenz von Staatspräsident Giorgio Napolitano, der später den Rücktritt versprach.

    Ich bedanke mich für den Hinweis. Der Unterschied zwischen Palazzo Chigi (Amtssitz des Regierungschefs) und Quirinale (Residenz des Staatspräsidents) scheint mir allerings im Zitat erkennbar zu sein.

    Redaktion

    Absolut richtig, danke für den Hinweis.
    Beste Grüße,
    Markus Horeld

    Redaktion

    >Wenige Minuten später verließ Berlusconi den Saal und fuhr zu seinem Büro im Palazzo Chigi ... Anderthalb Stunden später fuhr der Regierungschef weiter zum Quirinalspalast, der Residenz von Staatspräsident Giorgio Napolitano, der später den Rücktritt versprach.

    Ich bedanke mich für den Hinweis. Der Unterschied zwischen Palazzo Chigi (Amtssitz des Regierungschefs) und Quirinale (Residenz des Staatspräsidents) scheint mir allerings im Zitat erkennbar zu sein.

    • k2
    • 08.11.2011 um 22:38 Uhr

    "Ich werde irgendwann ohne es zu wissen zurückgetreten ";"aber ich werde nicht zurücktreten, weil Carlucci zu der UDC überläuft oder wegen der Zweifel einer Isabella Bertolini"¨[Silvio Berlusconi

    «Cosa non si fa pur di far cadere B.»[

    http://www.unita.it/itali...

    ]

    "Astensioni e non voto
    Il giorno dei "traditori"

    La Carlucci siede
    tra i banchi Udc
    alla destra di Cesa

    Es ist wie im alten Rom
    "_ab_urbe_condita_" an den Tagen des Zorns beim Republikverrat:
    "Otto traditori"

    "Giustina Destro, Fabio Gava, Roberto Antonione,Silvio Bonfiglio; in basso: Gabriella Carlucci, Giancarlo Pittelli,Luciano Sardelli e Franco Stradella"

    "Ich will in das Gesicht der Wahrheit sehen, die mich
    verraten haben"[Silvio Berlusconi].

    "Berlusconi cade?
    Forse porto sfiga"
    Gli scontenti della maggioranza
    al lavoro per un nuovo gruppo,
    La Carlucci siede nei banchi Udc"

    http://www3.lastampa.it/p...

    ].

    • _
    • 08.11.2011 um 22:39 Uhr

    Berlusconi hat sich sicher nur versprochen.

  4. .. stellt noch Bedingungen für seinen "Rücktritt".

    [...]

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Pauschalisierungen. Danke. Die Redaktion/vn

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service