Sparprogramm Griechen protestieren auch gegen Papademos

Eine neue Regierung, doch das Volk geht weiter auf die Straße. Dabei ist es auch zu Krawallen gekommen. Die Regierung legt in Kürze den Sparplan vor.

In Griechenland haben mehrere Tausend Menschen gegen das Sparprogramm der neuen Regierung unter Ministerpräsident Lucas Papademos demonstriert. Sie forderten eine gerechte Lastenverteilung bei der Überwindung der Finanzkrise. Es war die erste Massendemonstration seit Bildung der Regierung der nationalen Einheit unter Papademos.

In Athen marschierten etwa 30.000 Menschen durch die Stadt mit der Forderung "EU, IWF raus". Die Demonstranten schlugen Trommeln und trugen rote Fahnen. Zunächst verliefen die Proteste friedlich, später kam es zu Krawallen vor dem Parlament und der amerikanischen Botschaft. Dort waren etwa 300 vermummte Demonstranten zusammengekommen. Brandflaschen wurden gegen die Polizei geschleudert, Mülleimer angezündet, Schaufenster eingeschlagen. Die Beamten setzten Tränengas ein, um die Randalierer auseinanderzutreiben. Auch in der westgriechischen Hafenstadt Patras kam es zu Randalen. Vermummte versuchten, die Fassade einer Bank zu zerstören. Die Polizei setzte auch hier Tränengas ein.

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Die Beteiligung an den Demonstrationen war nach Berichten der griechischen Presse weitaus geringer als erwartet. Aus Angst vor den Ausschreitungen hatte die Polizei in Athen ein großes Sicherheitsaufgebot zusammengezogen. Rund 7.000 Polizisten waren im Einsatz. Die Polizei sperrte zahlreiche Straßen im Stadtzentrum sowie den größten Teil des Platzes vor dem Parlament.

In den vergangenen Monaten haben Autonome immer wieder am Rande friedlicher Demonstrationen gegen die Sparpolitik in Griechenland randaliert. Die Proteste fielen mit dem 38. Jahrestag des blutig niedergeschlagenen Studentenaufstandes gegen das Militärregime am 17. November 1973 zusammen. An diesem Tag lieferten sich autonome Gruppierungen in der Vergangenheit immer wieder Straßenschlachten mit der Polizei. Die Proteste führte letztlich zum Sturz der Militärs im Jahr 1974.

57 Milliarden Euro werden gesucht

Indes beriet der griechische Ministerrat in einer Sondersitzung über den Haushalt 2012, dessen Entwurf an diesem Freitag dem Parlament vorgelegt werden soll. Aus Kreisen des Finanzministeriums hieß es, es werde "verzweifelt" nach 57 Milliarden Euro Einnahmen gesucht, damit das Land erstmals Ende 2012 einen sogenannten primären Überschuss aufweise. Zu den Sparzielen der Regierung Papademos schrieb die Athener Zeitung To Vima auf ihrer Internetseite, es käme "einem Wunder" gleich, wenn Athen dieses Ziel erreichen würde.

Es scheint schwierig für Griechenland, die anvisierten Ziele zu erreichen. Bisher liegen die Einnahmen unter den Erwartungen. So sollen die Einnahmen durch Steuern aller Art bis zum Jahresende 50 Milliarden Euro erreichen. Bis Ende Oktober waren aber nur 38 Milliarden in die Staatskassen geflossen.

 
Leser-Kommentare
    • keibe
    • 17.11.2011 um 20:41 Uhr

    tragt Eure Zwöstigkeiten:

    "Griechen protestieren auch gegen Papademos

    Eine neue Regierung, doch das Volk geht weiter auf die Straße. Dabei ist es auch zu Krawallen gekommen."

    auf dem Scholhofe aus.

    Tretet aus der Währungsunion aus, damit Ihr dann einen wirklichen Grund zum Protest findet (und by the way nicht mehr Deutschland die Schuld geben könnt, dass Deutschland sich nicht mehr an der Finanzierung Eures jahrelang über Eure Verhältnisse-leben beteiligen möchte).

    Ernsthaft: Ich fände es prima, wenn das griechische Volk nach Austritt aus der Währungsunion gegen in der Vergangenheit selbst eingebrockten Schlendrian, Korruption, Missmanagement, Parteienfilz etc. protestieren würde.

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    ...wenn sie skandieren "EU, IWF raus". Aber Volksentscheide sind natürlich tabu und werden von den Gläubigern unterbunden, stattdessen setzt man willige Banker ein, die die Rezession-Spar-Politik wider jeder Vernunft weiter durchboxen und damit die Chance für eine Rückzahlung ebenso reduzieren, wie die Wahrscheinlichkeit dass die Wirtschaft sich demnächst wieder erholt.

    Man fragt sich warum. Wollen die, dass die EU auseinanderfliegt? Sind die einfach nur dumm? Verdienen die vielleicht daran? Wie auch immer die Griechen tun mir leid.

    "Ernsthaft: Ich fände es prima, wenn das griechische Volk nach Austritt aus der Währungsunion gegen in der Vergangenheit selbst eingebrockten Schlendrian, Korruption, Missmanagement, Parteienfilz etc. protestieren würde."

    Sehr witzig. Und die Deutschen protestieren gegen die Lohnsenkungen die sie sich selbst eingebrockt haben und gegen die Kredite die sie blauäugig an Griechenland gegeben haben, damit die unsere Exportüberschüsse damit bezahlen können?

    Seltsame Logik, die nicht nur die existierenden Machtverältnisse negiert, sondern auch seltsame Schuldige ausmacht.

    ...wenn sie skandieren "EU, IWF raus". Aber Volksentscheide sind natürlich tabu und werden von den Gläubigern unterbunden, stattdessen setzt man willige Banker ein, die die Rezession-Spar-Politik wider jeder Vernunft weiter durchboxen und damit die Chance für eine Rückzahlung ebenso reduzieren, wie die Wahrscheinlichkeit dass die Wirtschaft sich demnächst wieder erholt.

    Man fragt sich warum. Wollen die, dass die EU auseinanderfliegt? Sind die einfach nur dumm? Verdienen die vielleicht daran? Wie auch immer die Griechen tun mir leid.

    "Ernsthaft: Ich fände es prima, wenn das griechische Volk nach Austritt aus der Währungsunion gegen in der Vergangenheit selbst eingebrockten Schlendrian, Korruption, Missmanagement, Parteienfilz etc. protestieren würde."

    Sehr witzig. Und die Deutschen protestieren gegen die Lohnsenkungen die sie sich selbst eingebrockt haben und gegen die Kredite die sie blauäugig an Griechenland gegeben haben, damit die unsere Exportüberschüsse damit bezahlen können?

    Seltsame Logik, die nicht nur die existierenden Machtverältnisse negiert, sondern auch seltsame Schuldige ausmacht.

  1. Da setzt das internationale Finanzestablishment einer ihrer Funktionäre an die Regierung eines vormals "demokratischen" Staates um dort die Menschen in die völlige Zinsknechtschaft zu unterwerfen, und die Bevölkerung protestiert dagegen!
    Unverschämt, diese Griechen!

    Wenn uns der IWF Ackermann als kommissarischen Kanzler "empfehlen" würde, wir wären heilfroh, endlich so einen wirtschaftskompetenten Mann an der Staatsspitze zu haben, der international doch soviel Anerkennung genießt!

  2. dass das übrige Europa die griechische Party nicht mehr wie bisher finanzieren wird. Pubertärer Kram: Die Leute sind kurz vor dem Erwachsenwerden. Bald werden sie die Ärmel hochrämpeln, und beim moralischen und ökonomischen Wiederaufbau ihrer verlotterten Gesellschaft mitmachen, weil ihnen nichts mehr anderes übrigbleiben wird, wollen sie nicht das Pakistan Europas werden.

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    "Bald werden sie die Ärmel hochrämpeln, und beim moralischen und ökonomischen Wiederaufbau ihrer verlotterten Gesellschaft mitmachen, weil ihnen nichts mehr anderes übrigbleiben wird, wollen sie nicht das Pakistan Europas werden."

    Und jetzt erklärst du uns noch, wie man sowas macht, in einer Gesellschaft der das Geld ausgeht. In einem Land, wo allein die Jugendarbeitslosigkeit die 40%-Marke überschritten hat.

    "Bald werden sie die Ärmel hochrämpeln, und beim moralischen und ökonomischen Wiederaufbau ihrer verlotterten Gesellschaft mitmachen, weil ihnen nichts mehr anderes übrigbleiben wird, wollen sie nicht das Pakistan Europas werden."

    Und jetzt erklärst du uns noch, wie man sowas macht, in einer Gesellschaft der das Geld ausgeht. In einem Land, wo allein die Jugendarbeitslosigkeit die 40%-Marke überschritten hat.

  3. Mindestens 30000 Menschen gab es nur in einer der drei Demos.
    Bitte, informieren Sie Ihre Leser richtig.

  4. "Griechen protestieren auch gegen Papademos"

    Ganz praktisch das Ganze...

    Früher mussten die Banker "irgendwie" die Politiker erstmal dazu bringen ihre Entscheidungen im Sinne der Finanzwelt zu treffen. Jetzt spart man sich den Umweg und macht gleich einen Banker zum Ministerpräsidenten. Früher nannte man das: "Den Bock zum Gärtner machen".

    Aber man hat schliesslich ein Problem das harsche Massnahmen erfordert.
    Es droht ein Haircut, ein Schuldenschnitt, und jede neue Unterstützungstranche die man vor einem solchen noch ganz schnell aus Rest-Europa abzocken kann, erhöht den Profit der Gläubiger/Banken.
    Von den gerade bezahlten 8 Milliarden gingen weniger als 20% nach Griechenland, der Rest ging als Zinszahlungen an diverse Banken.
    Herrn Papademos Aufgabe ist es dafür zu sorgen, dass der Haircut noch lange ausbleiben möge, denn ein 50%er Cut würde auch 50% weniger Zinsen, also weniger Profit bedeuten. Wobei sich die tatsächlichen Fachleute seit Monaten klar sind, dass man mindestens 75% kürzen müsste um überhaupt einigermassen eine Chance zu haben das Problem in den Griff zu kriegen.

    Und da protestieren diese undankbaren Griechen gegen einen solchen Herrn, der doch nur ihr Bestes (ihr Geld) will...

  5. Wer hier noch vom Sparen in Griechenland faselt hat nicht verstanden, dass zur Zeit ein Land nach dem anderen unter enormen Schulden in die Rezession gespart wird. Solange die privaten Banken bei den Hilfsmassnahmen zwischengeschaltet bleiben, wird sich Griechenland nicht erholen sondern schlussendlich Zahlungsunfaehigkeit erklaeren muessen. Es gibt bei den aktuellen Zinssaetzen gar keine andere Alternative.

    Und wenn die boesen Nachbarn endlich Pleite sind, was wird sich das Deutsche Volk wundern wie die Exporte wegsacken. Nach jahrelangem Lohndumping ist unsere Kaufkraft naemlich im Keller, und die fiesen Griechen werden unsere Panzer nicht mehr kaufen. Und wie die beschraenkte Frau Merkel es jetzt vormacht, werden Millionen Deutsche die Schuld im Ausland suchen.

    Wie hat Heiner Flassbeck so schoen gesagt: "Das wird Europa politisch nicht aushalten." Sehr lesenswert: http://www.tageswoche.ch/...

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    ...würde es den Flassbeck nicht geben, ich hätte längst jegliches Vertrauen in die Volkswirtschaftslehre verloren.

    "Wie hat Heiner Flassbeck so schoen gesagt: "Das wird Europa politisch nicht aushalten.""

    Hoffen wir es.

    Und danke für den Link!

    ...würde es den Flassbeck nicht geben, ich hätte längst jegliches Vertrauen in die Volkswirtschaftslehre verloren.

    "Wie hat Heiner Flassbeck so schoen gesagt: "Das wird Europa politisch nicht aushalten.""

    Hoffen wir es.

    Und danke für den Link!

  6. ...wenn sie skandieren "EU, IWF raus". Aber Volksentscheide sind natürlich tabu und werden von den Gläubigern unterbunden, stattdessen setzt man willige Banker ein, die die Rezession-Spar-Politik wider jeder Vernunft weiter durchboxen und damit die Chance für eine Rückzahlung ebenso reduzieren, wie die Wahrscheinlichkeit dass die Wirtschaft sich demnächst wieder erholt.

    Man fragt sich warum. Wollen die, dass die EU auseinanderfliegt? Sind die einfach nur dumm? Verdienen die vielleicht daran? Wie auch immer die Griechen tun mir leid.

    "Ernsthaft: Ich fände es prima, wenn das griechische Volk nach Austritt aus der Währungsunion gegen in der Vergangenheit selbst eingebrockten Schlendrian, Korruption, Missmanagement, Parteienfilz etc. protestieren würde."

    Sehr witzig. Und die Deutschen protestieren gegen die Lohnsenkungen die sie sich selbst eingebrockt haben und gegen die Kredite die sie blauäugig an Griechenland gegeben haben, damit die unsere Exportüberschüsse damit bezahlen können?

    Seltsame Logik, die nicht nur die existierenden Machtverältnisse negiert, sondern auch seltsame Schuldige ausmacht.

  7. "Bald werden sie die Ärmel hochrämpeln, und beim moralischen und ökonomischen Wiederaufbau ihrer verlotterten Gesellschaft mitmachen, weil ihnen nichts mehr anderes übrigbleiben wird, wollen sie nicht das Pakistan Europas werden."

    Und jetzt erklärst du uns noch, wie man sowas macht, in einer Gesellschaft der das Geld ausgeht. In einem Land, wo allein die Jugendarbeitslosigkeit die 40%-Marke überschritten hat.

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