Großbritannien bereitet nach Darstellung der Zeitung The Guardian einen Militärangriff auf Ziele im Iran vor. Es gehe um die Unterstützung eines möglichen US-Angriffs. Britische Militärstrategen untersuchen offenbar, wo Schiffe und U-Boote der Royal Navy stationiert werden könnten, um Tomahawk-Marschflugkörper auf Ziele im Iran abzuschießen. Denn falls die USA sich für einen Angriff entschieden, würden sie um militärische Hilfe aus Großbritannien nachsuchen und sie auch erhalten, berichtet der Guardian unter Berufung auf Quellen im Londoner Verteidigungsministerium.

Dort halte man es für möglich, dass die USA ihre Angriffspläne vorantreiben: Versuche des Westens, das Uran-Anreicherungsprogramm des Iran zu unterminieren, seien wenig erfolgreich gewesen. Die USA und Israel hatten versucht, mit dem Computerwurm Stuxnet die Nuklearanlagen des Iran zu manipulieren. Der Schaden sei inzwischen wieder behoben, schreibt der Guardian. Westliche Diplomaten gingen sogar davon aus, dass in der "Atomstadt" Ghom inzwischen noch leistungsfähigere Anlagen installiert worden sind. Innerhalb der nächsten zwölf Monate könnte das Material zur Herstellung einer Atombombe so gut versteckt werden, dass es mit Flugkörpern nicht mehr erreichbar sei, zitiert die Zeitung eine Quelle aus dem Umfeld der britischen Regierung.

"Neue Aggressivität"

Beunruhigung herrscht dort auch über drei Mordkomplotte auf ausländischem Boden aus jüngster Zeit, die nach Erkenntnissen westlicher Geheimdienste Teheran koordiniert haben soll: "Der Iran scheint eine neue Aggressivität an den Tag zu legen, und wir wissen nicht genau, warum."

Grundsätzlich habe US-Präsident Barack Obama kein Interesse, in ein neues militärisches Abenteuer gezogen zu werden. Die Einstellung Washingtons könne sich aber ändern, wenn sich Erkenntnisse westlicher Geheimdienste über neue Nuklearpläne Teherans verdichten sollten, analysiert der Guardian. Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) will nächste Woche einen Bericht vorlegen, der Auskunft über ein mögliches Atomwaffenprogramm des Iran geben könnte.

Netanjahu drängt auf einen Angriff

Spekulationen um einen israelischen Militärschlag gegen Iran hatte ein Bericht der Zeitung Haaretz ausgelöst, Regierungschef Benjamin Netanjahu bemühe sich im Kabinett um eine Mehrheit für einen solchen Einsatz. Das iranische Militär warnte Israel vor einem Angriff: "Wir würden sie einen derartigen Fehler bedauern lassen und sie schwer bestrafen", sagte Generalstabschef Hassan Firusabadi. "Sollte uns das zionistische Regime angreifen, dann werden auch die USA getroffen."

Israelische Medien hatten berichtet, Regierungschef Benjamin Netanjahu und Verteidigungsminister Ehud Barak drängten zu einer Attacke auf iranische Atomanlagen. Am Montag dementierte Barak im Armeerundfunk die Existenz derartiger Pläne. Solche Entscheidungen könnten nicht im Alleingang getroffen werden. Allerdings seien Teherans "Fortschritte bei der Entwicklung von Atomwaffen die Hauptbedrohung für die Sicherheit der Region".

Israels Bevölkerung ist einer Umfrage zufolge in der Frage eines möglichen Militärschlages gegen die Nuklearanlagen des Iran gespalten. 41 Prozent der Befragten würden einen solchen äußerst riskanten Angriff befürworten, 39 Prozent ihn aber ablehnen, berichtete Haaretz. Die übrigen 20 Prozent seien unentschieden. Auf die Frage, ob sie bei dem Thema Iran-Angriff Vertrauen zu Netanjahu und Barak hätten, antworteten 52 Prozent mit Ja.

Bei einer Übung für einen möglichen Raketenangriff haben im Großraum Tel Aviv am Vormittag die Sirenen geheult. Einheiten des israelischen Heimatschutzes, der Polizei, der Feuerwehr und des medizinischen Notdienstes probten die Evakuierung von Gebäuden sowie die Versorgung von Zivilisten. Daran waren auch Spezialisten für chemische und biologische Angriffe beteiligt.