TerrorismusUSA befürchten ein Erstarken von al-Qaida im Irak

Die USA ziehen ihre Truppen bis Ende 2011 aus dem Irak ab. US-Beamte bezweifeln, dass das Land dafür bereit ist. Auch heute gab es einen schweren Anschlag in Bagdad.

Explosion auf einem Markt im Geschäftsviertel Schurja

Explosion auf einem Markt im Geschäftsviertel Schurja

Der geplante Truppenabzug der USA aus dem Irak wird von Befürchtungen überschattet, das Terrornetzwerk al- Qaida könnte wieder erstarken. Zwar sei die Organisation durch militärische Schläge geschwächt, jedoch zeige sie sich überraschend widerstandsfähig, berichtete die New York Times unter Berufung auf amerikanische und irakische Regierungsbeamte.

Al-Qaida habe die Taktik geändert und greife beispielsweise jetzt in kleinen Gruppen irakische Sicherheitskräfte an, schreibt die Zeitung. Die Gruppe wolle so das Vakuum durch den Abzug der Amerikaner ausnutzen und wieder blutige ethnische und religiöse Konflikte entfachen. Zwar seien die üblichen Nachschubkanäle über Syrien unterbrochen, durch die ausländische Kämpfer in den Irak gelangten, berichten US-Geheimdienstler. Auch ist die Gewalt seit ihrem Höhepunkt 2006/07 weniger geworden. Dennoch verübt al-Qaida weiterhin im Durchschnitt etwas mehr als 30 Anschläge pro Woche und zudem größere Angriffe alle vier bis sechs Wochen.

Anzeige

Auch am heutigen Sonntag gab es einen größeren Bombenanschlag: Bei mehreren Explosionen auf einem Markt in der irakischen Hauptstadt Bagdad wurden mindestens zehn Menschen getötet. Insgesamt drei Bomben seien auf dem Platz im Geschäftsviertel Schurja detoniert, teilte die Polizei mit. Der Markt sei sehr voll gewesen, da die Leute für das muslimische Eid-al-Adha-Fest eingekauft hätten. Ein Sprecher der Sicherheitsbehörden in Bagdad sprach von Sabotage. Die Attentäter hätten Benzin eingesetzt, um den ganzen Markt in Flammen aufgehen zu lassen. Bisher hat sich allerdings noch niemand zu dem Anschlag bekannt.

Das Terrornetzwerk wirbt verstärkt um Nachwuchs

Der US-Militärsprecher Generalmajor Jeffrey Buchanan schätzt, dass al-Qaida im Irak zwischen 800 und 1.000 Mitglieder zählt. Zudem habe die Gruppe ihre Bemühungen verstärkt, Iraker für Selbstmordkommandos anzuwerben. Einer US-Militäranalyse vom Juli 2010 zufolge bilden etwa 200 Al-Qaida-Kämpfer den harten Kern.

US-Präsident Barack Obama hatte unlängst angekündigt, nach rund acht Jahren Krieg bis zum Jahresende alle derzeit noch verbliebenen 33.000 US-Soldaten aus dem Irak abzuziehen. Dann soll nur noch eine Handvoll amerikanischer Sicherheitskräfte die US-Botschaft bewachen. Die irakischen Sicherheitskräfte sollen dann die Verantwortung für den Schutz der Bevölkerung voll und ganz übernehmen.

Wegen der Befürchtungen plant Obama jedoch laut der New York Times eine Verstärkung der Militärpräsenz am Persischen Golf. Dieser Schritt könnte den Angaben zufolge zusätzliche Kampftruppen in Kuwait einschließen, um etwa auf eine Konfrontation mit dem Iran oder ein Sicherheitschaos im Irak vorbereitet zu sein.

 
Leserkommentare
  1. Hatte Sie doch Bin Laden erst aufgebaut und bezahlt

    12 Leserempfehlungen
  2. war vor dem Sturz Saddam Husseins 2003 nicht existent im Irak. Diese konnten sich erst nach der Okkupation durch US-Soldaten breit machen. Die zwei (offiziell verkündeten) Hauptmotive für den Einmarsch in den Irak war der "Kampf gegen den Terrorismus" und die "Vernichtung von Massenvernichtungswaffen". Beides gelogen.

    Den Terrorismus haben die USA selbst gefördert. Das Plündern fremder Ressourcen hat seinen Preis.

    18 Leserempfehlungen
    • Zack34
    • 06.11.2011 um 17:19 Uhr
    10 Leserempfehlungen
  3. ...33.000 US-Krieger kämpfen seit acht Jahren gegen 200 al-Qaida Terroristen. Und weil die US-Krieger nun genau so strafrechtlich verfolgt werden sollen, wie in jedem Staat mit Menschenrechten, will Obama diese abziehen.

    Was diese 33.000 US-Krieger nicht geschafft haben, soll nun eine Kriegsschiff-Armada im Ozean schaffen...

    Ich habe das Gefühl, dass Obama der schlimmste Busch aller Zeiten wird. Den Preis für die meisten Tötungsdelikte ls Friedensnobelpreisträger dürfte er schon inne haben.

    5 Leserempfehlungen
  4. Und um Saddams Massenvernichtungswaffen ging es doch ursprünglich?

    War zwar alles erlogen - aber egal.

    Mit den nächsten konstruierten Kriegsgründen versuchen USA und Israel es eben einfach nochmal - gegen den Iran.

    7 Leserempfehlungen
  5. Die Unterstützung der USA für ein terroistisches Netz-
    werk hat Früchte am Baum der Primitivität wachsen lassen.

    Ehemals befreundete, liebevoll aufgenommene Freiheits-
    kämpfer,mit US- Waffen vollgestopft sind die heutigen
    Terroristen.
    Wer übt eigentlich Terror in diesem Land aus?
    Ist es nicht möglich, diesem Land nach jahrzehntelangem
    Krieg, Frieden und Ruhe zu geben?
    Weshalb werden diese Menschen durch andere Nationen auf
    das schändlichste behandelt?

    Wo und wer sind die wirklichen Terroisten?

    6 Leserempfehlungen
  6. Ein Frieden ist immer der zeitliche Zustand zwischen zwei Kriegen.

    Liebe Amerikaner, zumindest die Amerikaner, die diese Irakgeschichte angezettelt haben !

    Legt euch schon die Argumente zurecht.

    2 Leserempfehlungen
    • MeÖz
    • 06.11.2011 um 18:10 Uhr

    Das passiert wenn Gier und die Sucht nach macht Rationalität und Vernunft besiegen. Saddam hatte Angst vor Quaida und hat sie bekämpft. Aber die USA mussten das ja ändern. Es ist bekannt das Saddam Angst vor Islamisten hatte und nicht mit ihnnen unter einer Decke war.

    3 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    sollte man zuvörderst den Muslimen überlassen.
    Die sind es schließlich auch und nicht etwa der Westen, die am meisten unter ihnen leiden.
    Sowohl solche Terrorgruppen als auch diverse Terrorregime rechtfertigen sich doch nur damit, dass sie gegen Kolonialismus und Imperialismus kämpfen. Mit dem Abzug fremder Truppen aus dem Land aber entfällt dieser Rechtfertigungsgrund
    Was dann übrig bleibt, ist eine Sekte ohne Rückhalt in der weiten Bevölkerung. Damit sollten die Staaten eigentlich selber fertig werden können.
    Es wird wirklich Zeit, eine Tatsache anzuerkennen: kein Land mag unter fremden Besatzungstruppen leben. Wenn es aber unter solchen leben muss, so wird es immer genügend Rekruten und genügend Schutz durch die Bevölkerung für die Befreiungskämpfer geben, weil die Menschen üblicherweise alle Meinungsverschiedenheiten dann zurück stellen, um sich unter dem Dach des gemeinsamen Kampfes gegen diese Besatzung zu vereinigen.

    sollte man zuvörderst den Muslimen überlassen.
    Die sind es schließlich auch und nicht etwa der Westen, die am meisten unter ihnen leiden.
    Sowohl solche Terrorgruppen als auch diverse Terrorregime rechtfertigen sich doch nur damit, dass sie gegen Kolonialismus und Imperialismus kämpfen. Mit dem Abzug fremder Truppen aus dem Land aber entfällt dieser Rechtfertigungsgrund
    Was dann übrig bleibt, ist eine Sekte ohne Rückhalt in der weiten Bevölkerung. Damit sollten die Staaten eigentlich selber fertig werden können.
    Es wird wirklich Zeit, eine Tatsache anzuerkennen: kein Land mag unter fremden Besatzungstruppen leben. Wenn es aber unter solchen leben muss, so wird es immer genügend Rekruten und genügend Schutz durch die Bevölkerung für die Befreiungskämpfer geben, weil die Menschen üblicherweise alle Meinungsverschiedenheiten dann zurück stellen, um sich unter dem Dach des gemeinsamen Kampfes gegen diese Besatzung zu vereinigen.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters
  • Kommentare 19
  • Versenden E-Mail verschicken
  • Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
  • Artikel Drucken Druckversion | PDF
  • Schlagworte Irak | USA | Barack Obama | Terrorismus | Anschlag | Benzin
  • Artikel-Tools präsentiert von:

Service