ItalienBerlusconi fühlt sich nach Amtsverzicht "erleichtert"

Italiens Ministerpräsident will nicht wieder zu Wahlen antreten. Sein Thronfolger soll Angelino Alfano werden, Chef der Partei "Volk der Freiheit". von dpa und AFP

Silvio Berlusconi und sein Parteifreund Angelino Alfano

Silvio Berlusconi und sein Parteifreund Angelino Alfano  |  © Franco Origlia/Getty Images

Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi will darauf verzichten, im Fall vorgezogener Wahlen nochmals anzutreten. "Ich werde nicht wieder kandidieren", sagte er der Turiner Zeitung La Stampa, "ich fühle mich erleichtert". Berlusconi favorisierte stattdessen den 43-jährigen Generalsekretär seiner Partei "Volk der Freiheit" (PDL) und früheren Justizminister Angelino Alfano: "Jetzt schlägt Alfanos Stunde, er wird unser Kandidat sein. Er ist gut." Berlusconi lobte vor allem dessen "Führungskraft".

Italien müsse seinen Pflichten im Kampf gegen die Schuldenkrise nachgehen, bevor er seinen Rücktritt einreiche, sagte Berlusconi: "Wir müssen den Märkten umgehend Antworten liefern." Er habe sich gegenüber der EU verpflichtet: "Bevor ich gehe, möchte ich mein Versprechen halten." Berlusconi hatte am Dienstagabend erklärt, er werde zurücktreten, sobald das Parlament seine Spar- und Reformpläne verabschiedet habe. Zu Neuwahlen gebe es keine Alternative. Er erwarte, dass diese Anfang Februar stattfinden könnten. Eine Übergangsregierung schloss er aus.

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Berlusconi räumte im italienischen Fernsehen ein, dass seine Mitte-Rechts-Koalition nach dreieinhalb Jahren am Ende sei: "Die Regierung hat nicht mehr die Mehrheit, die wir zu haben glaubten. Wir müssen also diese Situation realistisch zur Kenntnis nehmen und uns um die Lage Italiens kümmern und um das, was auf den Finanzmärkten geschieht."

Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte der dpa, Italien müsse seine Sparanstrengungen verstärken – "und das weiß die italienische Regierung". Kein Staat könne zur Zeit von sich behaupten, er sei am Ende des Reformweges: "Aber für Italien kann man sagen, dass das Land sich bereits viel vorgenommen hat." Der vorgelegte Plan müsse jetzt umgesetzt werden, "das Problem Italiens sei nicht seine wirtschaftliche Lage, sondern mangelndes Vertrauen. Dieses Vertrauen kann wiederhergestellt werden, wenn Italien seine Pläne glaubwürdig umsetzt."

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Leserkommentare
  1. Italien kann durchatmen! Einer der reichsten Italiener, der die Geschicke der wichtigsten italienischen Medien lenkt, verlässt im Zuge der Eurokrise die angeschlagene italienische Galeere. Egal, ob Berlusconi die Eurokrise abwehren hätte können oder nicht, sein Rücktritt bietet neue Chancen für Italien. Bleibt abzuwarten wie das italienische Volk bei den vorgezogenen Wahlen entscheiden wird.

  2. Dieser Mann ist ein so extremer Narziss, dass er so gar noch mit seinem Abgang kokettiert, als sei er Jesus Christus und habe bisher das Kreuz getragen, d.h. sein, wie er sagt "Scheißland" zu regieren. Er will bewundert, bemitleidet, geliebt werden. Dabei liebt er nur sich selbst und seine Milliarden. Er soll einfach gehen, endlich abtreten, heute, nicht in vier Wochen. Basta - wir haben fertig!

  3. "Aber für Italien kann man sagen, dass das Land sich bereits viel vorgenommen hat."
    scheint mir Frau Dr. Merkel ihre Kompetenz als bundesdeutsche Regierungschefin einmal mehr eindrucksvoll zu unterstreichen.

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