Regierungskrise Italiens Präsident kündigt Berlusconis Rücktritt an

Erst will Berlusconi noch ein Reformgesetz mit Sparzusagen an die EU durch das Parlament bringen. Dann will er als Ministerpräsident Italiens zurücktreten.

Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi hat seinen Rücktritt angekündigt. Berlusconi werde nach Annahme eines Haushaltsgesetzes mit neuen Sparplänen zurücktreten, sagte Staatspräsident Giorgio Napolitano. Zunächst wolle er noch, dass das Reformgesetz mit Zusagen an die EU verabschiedet werde, dann werde er zurücktreten.

Berlusconi selbst kündigte das Ende seiner Regierung im Fernsehen an. "Nach Billigung des Gesetzes, das den Forderungen der europäischen Partner und der Euro-Gruppe Rechnung trägt, werde ich zurücktreten", sagte er im eigenen Sender Canale 5. Die Regierung habe nicht mehr die Mehrheit, die sie zu haben glaubte, sagte Berlusconi. "Wir müssen also diese Situation realistisch zur Kenntnis nehmen und uns um die Lage Italiens kümmern und um das, was auf den Finanzmärkten geschieht."

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Der Ministerpräsident hatte zuvor eine mit Spannung erwartete Abstimmung im Parlament gewonnen, die absolute Mehrheit jedoch verfehlt. Der Rechenschaftsbericht für das Jahr 2010 passierte nur wegen der Enthaltung der Opposition das Abgeordnetenhaus. Unmittelbar nach dem Votum berief Berlusconi eine Krisensitzung mit den Spitzen der Regierung ein. Zu den Teilnehmern gehörten Wirtschaftsminister Giulio Tremonti, Innenminister Roberto Maroni und der Chef der Koalitionspartei Lega Nord, Umberto Bossi.

Berlusconi in extrem geschwächter Position

Die linken Oppositionsparteien und eine Reihe von Abtrünnigen aus dem Lager der Mitte-Rechts-Koalition hatten zuvor entschieden, bei dem Votum um den Rechenschaftsbericht zwar präsent zu sein, sich aber der Stimme zu enthalten. Die Opposition hat mit ihrem Verhalten vor allem deutlich gemacht, dass Berlusconi im Parlament nicht mehr über die absolute Mehrheit von 316 der 630 Sitze in der Abgeordnetenkammer verfügt. Bei der Abstimmung gaben 308 Abgeordnete dem Rechenschaftsbericht ihre Zustimmung – acht weniger als für die absolute Mehrheit erforderlich. 321 anwesende Abgeordnete weigerten sich, an der Abstimmung teilzunehmen, einer enthielt sich.

Der Verlust der absoluten Mehrheit lässt Berlusconis Mitte-Rechts-Koalition in einer extrem geschwächten Position zurück. Bereits im Oktober hatte Berlusconi nach dem ersten Scheitern des Rechenschaftsberichts die Vertrauensfrage gestellt und dabei genau 316 Ja-Stimmen bekommen. Offen war zunächst, welche Konsequenzen Berlusconi ziehen wird.

Sein Koalitionspartner Bossi von der Lega Nord hatte Berlusconi bereits vor dem Votum aufgefordert, sein Amt aufzugeben. Stattdessen solle der Chef der Regierungspartei PDL (Volk der Freiheit), Angelino Alfano, den Posten übernehmen. Im Gespräch sind aber auch andere Kandidaten, darunter der ehemalige EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti als Chef einer Übergangsregierung aus Technokraten. Berlusconi lehnt Wahlen allerdings bisher ab. Ihn könnte auch sein enger Vertrauter, Kabinettsminister Gianni Letta, als Regierungschefs beerben.

Finanzmärkte reagieren erleichtert

Auch an den Finanzmärkten war der Druck auf Berlusconi gewachsen. Direkt nach der Abstimmung stieg der Zins für italienische Staatsanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren auf den Rekordwert von 6,76 Prozent, was die Verunsicherung der Anleger widerspiegelt. Auf die Rücktrittsankündigung reagierten die internationalen Finanzmärkte im späten Handel erleichtert. Der Dow-Jones-Index rückte 0,4 Prozent auf 12.113 Punkte vor. Der Deutsche Aktienindex schloss mit einem Plus von 0,6 Prozent auf 5.961 Stellen.

Italien weist nach Griechenland den höchsten Schuldenstand der Euro-Zone gemessen an der Wirtschaftsleistung auf. Angesichts seiner schwindenden Regierungsmehrheit gelang es Berlusconi trotz der Verabschiedung von zwei Sparpakten und allen Versprechungen gegenüber Brüssel bislang nicht, die Finanzmärkte zu beruhigen.

 
Leser-Kommentare
  1. Es gibt also auch noch gute Nachrichten!

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    Im viel Versprechen und dann nicht halten war er schon immer gut. Ansonsten wäre das wirklich mal ein Lichtblick am Horizont. Forza Italia!

    Im viel Versprechen und dann nicht halten war er schon immer gut. Ansonsten wäre das wirklich mal ein Lichtblick am Horizont. Forza Italia!

    • rwyss
    • 08.11.2011 um 20:31 Uhr

    Die Chance ist da, nun fähige Regierungsspitzen in den schwächelnden EURO-Ländern Griechenland und Italien einzusetzen und schlagkräftig miteinander zu kombinieren. Wird der ehemalige EZB Banker Papademos in Griechenland an die Macht kommen? Hoffentlich! Wie heisst das fähige Pendant zu Papademos für Italien? Hoffentlich auch ein erfahrener Banker vom Schlag eines Papademos - vielleicht aus den Reihen ehemaliger IWF Leute? So können die schwächelnden Euro-Völker auf die Vertretung durch das geballte KnowHow gut zusammenarbeitender Banker bauen. Und Europa wird endlich eins. Und kommen Sie liebe Foristen/innen jetzt bloss nicht wieder mit kruden Theorien a la Joachim Steinhöfel: http://www.mmnews.de/inde.... Das trifft es nun wirklich nicht - erkennt doch, dass sich hier erfahrene Fachleute für das Wohl Europas abmühen.

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    "Fähige Regierungsspitzen" und "erfahrene Fachleute, die sich für das Wohl Europas abmühen" - leider habe ich noch nicht sicher herausgefunden, ob Ihr Beitrag ernst oder satirisch gemeint ist. Steinhöfel dürfte aus meiner Sicht so falsch nicht liegen.

    In einem aber haben Sie wohl Recht: Erstrebt wird eine Einheitsregierung - möglichst für ganz Europa und unter der Oberaufsicht von Wall Street, IWF & Co. Wenn ich jetzt sage, wer dahintersteckt, dann werde ich gleich wieder von Frau Kelch ermahnt, dass ich "Spekulationen" unterlassen soll.

    "Fähige Regierungsspitzen" und "erfahrene Fachleute, die sich für das Wohl Europas abmühen" - leider habe ich noch nicht sicher herausgefunden, ob Ihr Beitrag ernst oder satirisch gemeint ist. Steinhöfel dürfte aus meiner Sicht so falsch nicht liegen.

    In einem aber haben Sie wohl Recht: Erstrebt wird eine Einheitsregierung - möglichst für ganz Europa und unter der Oberaufsicht von Wall Street, IWF & Co. Wenn ich jetzt sage, wer dahintersteckt, dann werde ich gleich wieder von Frau Kelch ermahnt, dass ich "Spekulationen" unterlassen soll.

  2. gewählt werden will, dann werden ihn die Wähler wieder wählen. Ihm gehört die Meinung von ganz Italien.

    Das ist meiner Ansicht nach wie mit der FDP hier in Deutschland, die kommen auch immer wieder, ganz egal wie tief sie fallen.

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    seien sie sich da mal nicht zu sicher!

    das ist Erfahrung.

    seien sie sich da mal nicht zu sicher!

    das ist Erfahrung.

  3. Im viel Versprechen und dann nicht halten war er schon immer gut. Ansonsten wäre das wirklich mal ein Lichtblick am Horizont. Forza Italia!

  4. seien sie sich da mal nicht zu sicher!

    Antwort auf "Wenn er nochmal "
  5. Interessant, wie die abtretenden Politiker dem Volk noch Sparreformen verpassen.

    Eine letzte Rache am Volk für den Abgang aus der Politik?

    Eine Leser-Empfehlung
  6. Berlusconi will nicht sofort abtreten. Laut "Le Monde" wird er erst Mitte November gehen, vielleicht auch noch ein wenig später. Er lasse sich doch nicht von den Märkten das Gesetz des Handelns disktieren, so der konservative Politiker, den Merkel und Sarkozy lange, allzu lange hofiert haben. Schließlich gehören alle drei der konservativen EU-Parteinfamilie an; da hält man zusammen.
    Mit der Wartezeit bis zur Bildung einer neuen Regierung sind aber neue Turbulenzen auf den Märkten programmiert, wie ich auf lostineurope.posterous.com erkläre. Bravo, Merkel und Sarkozy, die Krise wird nun noch schlimmer!

    • Ron777
    • 08.11.2011 um 20:37 Uhr

    Berlusconis Rücktritt ist Mario Draghis Werk. Er hat heute Italien die Pistole auf die Brust gesetzt und alle EZB-Stützungskäufe abgebrochen. Die Anleihen italienischer 10-Jahres-Papiere schossen dadurch auf fast 7 Prozent! So froh wir jedoch über den Abgang des Bunga-Bunga-Präsidenten sein können, hat sich uns zugleich ein verheerendes Schauspiel geboten. Nicht Bürger, demokratische Institutionen, staatliches Handeln hat den Präsidenten gestürzt, sondern Finanzkapital. Das ist ein Desaster für die Demokratie...

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