Nichtwähler als Gefahr
Die in Marokko zugelassenen Parteien kritisieren den König nicht, das gilt auch für die Religiösen der siegreichen PJD. Anders die außerparlamentarische Bewegung 20. Februar, die zum Wahlboykott aufgerufen hatte, weil ihnen die Verfassungsreform des Königs nicht weit genug ging: Diese Sammlungsbewegung, benannt nach dem Tag der ersten großen Demonstration im Jahr 2011, wendet sich gegen die Auswüchse des (semi-)autokratischen Systems, gegen Ungerechtigkeit, Klientelismus und Korruption, von denen auch Marokko nach wie vor nicht frei ist .
Im 20. Februar haben sich unter anderem linke und säkulare Fraktionen zusammengefunden. Dominiert aber wird die Bewegung von der verbotenen islamistischen Gruppierung Gerechtigkeit und Barmherzigkeit ( al-Adl Wal Ihssan ). Bereits 1987 gegründet, gilt sie als größte und aktivste Islamisten-Bewegung. Die Wahlbeteiligung am Wochenende von nur 45 Prozent sowie möglicherweise bis zu 20 Prozent ungültige Stimmen sind daher auch als Erfolg für die nicht zur Wahl zugelassenen Parteien zu werten.
Die eigentliche Gefahr für das Herrscherhaus in Marokko ist daher die schweigende Mehrheit der Nicht-Wähler: Das Potenzial für Unruhen ist vorhanden, mehr als 30 Prozent der Jugendlichen sind arbeitslos, mehr als acht der 32 Millionen Einwohner leben unterhalb der Armutsgrenze.
Sollte es wirklich einmal zu echten Aufständen gegen das Königshaus kommen, würde wohl Gerechtigkeit und Barmherzigkeit an die Macht kommen. Wie radikal die Bewegung dann in ihrem Islamismus sein wird, weiß heute noch niemand.






......Vertreibungen von Despoten werden in den arabischen Ländern nicht von Heute auf Morgen funktionierende Demokratien entstehen, erst recht nicht solche, wie man sie in Europa kennt. Das ist ja auch garnicht zu erwarten. Arabische Länder werden ihre Wege zu einer Demokratie finden, die auf ihre Geschichte und ihren Kulturen basieren. Alles dauert seine Zeit.
Was aber in diesem Zusammenhang immer wieder im Westen besonders betont wird, ist das Erstaunen, dass islamisch ausgerichtete Parteien viel Zustimmung bekommen. Warum ist das erstaunlich? In Europa wundert sich doch auch kein Mensch darüber, dass sich christliche Parteien so erfolgreich schlagen. Man darf nicht vergessen, dass diese islamische Parteien, ausser den sozialistischen Parteien, die einzigen sind, die Programme haben. Die meisten Parteien werden gegründet, um am "Politikspektakel" teilnehmen zu können, in der Hoffnung, dass was für sie abspringt. Sie haben kein Programm, sondern nur bildliche Symbole. In allen arabischen Ländern, wo es Parteien gibt und Wahlen stattfinden, werden vor allen Dingen in ländlichen Gebieten nicht die Parteien gewählt, sondern Personen, die großen Einfluss haben, die sich u.U. hervorgetan haben, "Gutes" für die Menschen gebracht zu haben. Sie könnten jedes Jahr die Partei wechseln, sie würden nur auf Grund dieser Tatsachen wiedergewählt werden, oder auch nicht. Die unzähligen Parteien spielen bei Wahlen jedenfalls keine große Rolle.
"Sollte es wirklich einmal zu echten Aufständen gegen das Königshaus kommen, würde wohl Gerechtigkeit und Barmherzigkeit an die Macht kommen."
Auf keinen Fall. Die marokkanische Gesellschaft ist Lichtjahre vom extremen Radikalismus der Adlisten entfernt. Als Marokkaner kann ich nur kopfschuettelnd feststellen, dass der Autor dieses Land ganz und gar nicht kennt.
...regiert den überwiegenden Teil ihrer Existenz eine gemässigt christistische Partei die BRD.
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