Deutsche und Türken : Wenig Harmonie zwischen Merkel und Erdoğan

Sprachkenntnisse, doppelte Staatsbürgerschaft, EU-Beitritt: Das Treffen der Regierungschefs Deutschlands und der Türkei war geprägt von Vorwürfen des türkischen Premiers.
Merkel und Erdoğan im Berliner Kanzleramt © Odd Andersen/AFP/Getty Images

Die Differenzen über die Integration türkischstämmiger Menschen in Deutschland sind bei einem Treffen zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem türkischen Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan deutlich zutage getreten. Beim Festakt zum 50. Jahrestag des Anwerbeabkommens zwischen Deutschland und der Türkei betonte Merkel die Wichtigkeit von Ausbildung und Deutschkenntnissen.

Zuvor hatte der türkische Ministerpräsident mit einem Interview in der Bild-Zeitung in der Bundesregierung Verstimmungen ausgelöst. Erdoğan forderte erneut, junge Türken sollten erst Türkisch statt Deutsch lernen: "Wenn ein Kind eine neue Sprache erlernen will, muss es die eigene Sprache gut können."

Der türkische Ministerpräsident beklagte zudem mangelnde Unterstützung der Bundesregierung für einen EU-Beitritt der Türkei. "Weil wir Türken so viel Positives für Deutschland empfinden, fühlen wir uns gerade hier im Stich gelassen", sagte er. Erdoğan kritisierte, dass die deutsche Politik die Verflechtung der drei Millionen Türken in Deutschland mit ihrem Herkunftsland nicht genügend würdige. Zudem wandte er sich gegen die verlangten Deutschkenntnisse für den Zuzug von Familienangehörigen. "Wer Deutschkenntnisse zur wichtigsten Voraussetzung erklärt, verletzt die Menschenrechte", sagte er.

Merkel erklärt Deutschkenntnisse für zwingend

Dagegen brachte Merkel bei dem Festakt im Auswärtigen Amt in Berlin vor: "Die deutsche Sprache zu beherrschen und zu erlernen ist zwingend für gelungene Integration." Probleme bei der Integration dürften zudem nicht verschwiegen werden. Das Bildungsniveau von Menschen mit Migrationshintergrund habe sich zwar verbessert. "Dennoch können wir mit diesen Fortschritten noch nicht zufrieden sein", sagte Merkel.

Das Anwerbeabkommen war am 30. Oktober 1961 geschlossen worden, um dringend benötigte Arbeitskräfte nach Deutschland zu holen. Viele der damaligen Gastarbeiter ließen ihre Familien nachziehen. Heute leben in Deutschland mehr als 2,5 Millionen Menschen mit türkischen Wurzeln.

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Kommentare

68 Kommentare Seite 1 von 8 Kommentieren

Erdogan hat Recht!

Wo ist das Problem, wenn einer türkisch redet und die deutsche Sprache dazulernt? Erdogan ist ja nicht der Meinung, dass die Türken sich nicht integrieren sollen sondern genau das Gegenteil: Integration und Bildung ist das A und O! Nur assimilieren sollten sich die türken nicht. Und dafür wird er kritisiert...Merkel sollte ihre "populistisch geprägte christdemokratische Politik" bei den türken lassen. Hat keinen Sinn. Assimilieren kann sie vielleicht die polen nicht aber die türken. Dafür sind die Kulturen nun mal zu verschieden!

Was soll das?

Assimilieren kann sie die Polen aber nicht die Türken. Daraus spricht doch nicht die Bereitschaft sich zu integrieren und die Ziele zu erreichen, für die es sich lohnt in unserem Lande zu leben, sich wohl zu fühlen. Dazu gehört nun mal die deutsche Sprache, dazu gehört auch die Bildungschancen, die unser Land bietet, wahrzunehmen. Türkische Nationalisten können und wollen wir nicht akzeptieren. Deswegen verstehe ich Ihren Kommentar überhaupt nicht!!! Ich bin überhaupt kein Freund von Frau Merkel, nur sie als populistisch gegen die Türken zu bezeichnen, ist ein Unverschämtheit!!!

Mal ne ehrliche Frage....

Haben Sie überhaupt nachgedacht, bevor Sie den Kommentar geschrieben haben? Wie stellen Sie sich das vor? von 0 bis 10 Monaten erstmal Türkisch lernen und dann bis zum 15ten Monat Deutsch? Weil dann gehts ab in den Kindergarten...
oder steckt man das Kind dann gleich in einen Türkischsprechenden Kindergarten, um die Integration voranzutreiben. Denken Sie wirklich, dass die Deutschnoten,
welche bei Kindern mit Migrationshintergrund eh nicht so dolle sind dadurch besser werden? Nein, dann kann man ja wieder auf die Politik schimpfen... weil die ist ja einzig und alleine an den schlechten Bildungsbilanzen schuld.

Ich verstehe die Logik nicht, erst eine Fremdsprache zu lernen um dann die Landessprache sich anzueignen. Gerade bei Kindern. Es geht so früh los und Kinder mit Migrationshintergrund haben doch eh eher Probleme in der Schule.

Und dann immer dieses Wort "Assimilierung", das uns gleich an die Borg in Star Trek oder den Film "Die Fliege" erinnern soll - das zieht immer. Nein, das will niemand.

Aber in unserer Gesellschaft geht es nunmal mit 6 Jahren in die Schule. Wenn die türkischen Kinder so gescheit sind, dass sie bis dahin erstmal Türkisch und dann noch ausreichend Deutsch lernen... von mir aus. Wenn nicht, dann bitte blickt in Richtung Erdogan und nicht in Richtung Deutsche Politik, wenn ihr das nicht packt!

Der Ton macht die Musik

Erdogans Auftreten ist ein Musterbeispiel für das Verhalten, das bei mir besondere Vorbehalte gegenüber Türken hervorruft.
Erdogan respektiert einfach nicht die Vorbehalte, er wirbt nicht um Vertrauen sondern fordert ein.
Konsens bedeutet ihm offensichtlich wenig.
Als Folge, kann ich nicht darauf vertrauen, dass er meine/unsere Grenzen respektieren wird.
Das ist einfach stressig.
Ich bin ja bereit den sozialen Teil des Integrationsproblems mit lösen zu helfen.
Mit einzelnen netten Türken komme ich ja auch gut aus.
Aber der Integration der Gruppe der Türken in Deutschland oder gar der Sache des EU-Beitritts hat Erdogan mit seinem Auftritt keinen Diuenst erwiesen sondern sich eher in den Fuss geschossen.
Warum wohl?
Ich vermute aus innenpolitischen Gründen.

Also wirklich

Wer in Deutschland lebt soll auch im Alltag die deutsche Sprache nutzen! ich bin von der Nationalität her Brite, wir sprechen Zuhaus oft, mitunter auch automatisch, Englisch aber wenn wir als Familie in die Stadt fahren o.ä. reden wir Deutsch. Nun sitzen sogar in der Universität die türkischstämmigen Studenten sehr oft nur mit ihren Landsleuten und unterhalten sich während der vorlesung auf türkisch. Das kann doch nicht Sinn der Sache sein und führt vorallem dazu das die Anderen sich eben auch von diesen Leuten fern halten, allein schon weil sie nicht mitreden/lachen können. Wir reden hier also über Selbstausgrenzung auf dem höchsten Bildungsniveau! Ich halte das für sehr schwierig.
Das ist übrigens ein Fakt den ich (bin an einer Uni tätig) immer wieder beobachte.

Erdogan kann vor Kraft nicht Laufen - Und Deutschland kann aber

muss nicht. Unabhängig von den eigentlich wesentlichen Gründen warum Deutschland sich mit der Unterstützung der Türkei zu einem EU-Beitritt -mit Recht- zurück hält, ist das "Werben" darum von Herrn Erdogan recht ungeschickt und tölpelhaft. Wenn ich meinem Gastgeber regelmäßig vor das Schienbein trete, muss ich mich nicht wundern, wenn es beim nächsten Mal nur Käsewürfel und nicht Lachs gibt.

die Rentnerkolonien mal wieder

Die Türken können doch froh darüber sein, die Pensionäre geben dort ihre Rente aus und der Rest erledigt sich von ganz allein.

bei 2 verschiedenen Religionen ist eine Assimilation ausgeschlossen.

Da kommen wir der Sache näher, dass ist sicher _ein_ Grund für die Probleme. Aus meiner Sicht aber auch ein Grund die weitere Einwanderung aus diesem Kulturkreis nicht zu forcieren.

5 Maxximuss: Danke für die Offenheit!

Ich habe volles Verständnis dafür, dass hier lebende Türkischstämmige sich nicht assimilieren und Deutsche werden wollen- bitte haben sie dann auch für meine Bitte Verständnis dafür, dass diese Menschen in ihr Heimaltland, die Türkei, zurückgehen und dort leben.
Kein Land kann sich dauerhaft eine relative große Gruppe von Menschen leisten, die nicht Bürger dieses Landes werden wollen und in einer Parallelgesellschaft leben wollen.
Außerdem ist es gegenüber dem deutschen Steuerzahler und dem deutschen Staat unfair, alle Vorteile in D zu nehmen (Sozialsysteme, Bildungssystem, Sicherheit, religiöse und andere Freiheiten - alles Dinge, die es in vergleichbarer Weise in der Türkei nicht gibt), aber dennoch nicht dazugehören zu wollen.
Viel Glück und gute Reise!

Integration statt Assimilierung

Hallo BerndL,

Sie schrieben:

"Zuwanderung wird auf Dauer IMMER zu Assimilierung führen müssen..."

Da bin ich anderer Meinung. Zuwanderung wird auf Dauer immer zu Integration führen müssen, d.h. aus den vielen verschiedenen Kulturen wird langfristig eine neue Kultur entstehen, die sich aus den ursprünglichen Teilen entwickelt. Diese Kultur muss nicht völlig homogen sein, d.h. es kann durchaus unterschiedliche Subkulturen innerhalb einer Gesellschaft geben, die kleinere Differenzen bezüglich ihrer Werte und Normen haben. So ist es bereits heute: in Adelskreisen bedient man sich bspw. durchaus anderer Umgangsformen und Gepflogenheiten als in bildungsfernen Schichten. Grundlegende Werte müssen dabei allerdings übereinstimmen, sonst zerfällt die Gesellschaft.

Es wird also nicht so sein, dass eine Kultur fortbesteht und die anderen völlig verdrängt werden, sondern es wird etwas neues entstehen. Das ist mitunter schmerzhaft und daher kann ich Vorbehalte und Sorgen diesbezüglich gut verstehen.

Die Kulturveränderung ist m.E. aber auch ohne Zuwanderung unausweichlich. So haben bspw. technische Innovationen wie das Internet (denken Sie an facebook) oder aber auch Medien, z.B. Musik oder Filme eine kulturverändernde Wirkung. Insbesondere US-Serien und Hollywood-Filme oder auch bestimmte TV-Programme haben durchaus großen Einfluss auf die Werte und Normen, besonders bei jungen Zuschauern.

45 think-freely

Natürlich bewirken Zuwanderung und auch Assimilation Veränderungen der Kultur des Aufnahmelandes. Das sieht man gut in den USA- viele Zuwanderergruppen haben das Land geprägt. Assimilation ist nichts Schlechtes- das Zugewanderte geht im Aufnahmeland auf, so wie die Hugenotten, Polen etc in Deutschland.
Mein Punkt war, dass eine so große Gruppe wie die türkischen Zuwanderer aus völlig anderem Kulturkreis nicht derart lange parallel leben kann- das zerstört die Einheit des Landes, das Zusammengehörigkeitsgefühl, die Solidariät usw. Wir sind hier in D da an einer kritischen Stelle- wenn es nicht gelingt die Zuwanderungsprobleme zu lösen (entweder Deutscher werden oder zurück), dann sehe ich große Problem auf uns zukommen...

49 @BerndL

Danke für die Klarstellung. Mich stört der Begriff Assimilation etwas, da er für mich eine Unterordnung der Kulturen der Zuwanderer unter die deutsche Kultur und eine völlige Anpassung an deutsche Gepflogenheiten bedeutet. Dafür kann man selbstverständlich eintreten, die Frage ist nur, ob es sinnvoll ist und ob es funktionieren kann, da es von den Zuwanderern eine sehr große Opferleistung erfordert. Von neuen Zuwanderern könnte man das noch am ehesten verlangen, aber was ist mit den bereits in Deutschland lebenden Migranten und deren Kindern? Die kann man nicht einfach so wieder ausweisen, schliesslich leben sie teilweise seit mehreren Jahrzehnten in Deutschland.

Deshalb spreche ich lieber von Integration, da dabei ehemals getrennte Teile zu einem neuen Ganzen zusammengefügt werden. Dabei müssen alle Opfer bringen, was natürlich auch problematisch ist, da diese Opfer auch von allen akzeptiert werden müssen. Dennoch halte ich es für den einzig gangbaren Weg, aber das ist nur meine Meinung.

Ihre Einschätzung, dass es dringend notwendig ist Parallelgesellschaften aufzubrechen teile ich aber uneingeschränkt.

Entspricht nicht der Wahrheit

"Warum dürfen Ausländer in der Türkei nur
kleine Grundstücke und nur in Städten kaufen?"

Als ich noch meinen deutschen Pass hatte, konnte ich mir ohne Probleme ein großes Grundstück kaufen und ein Haus bauen lassen.

"Warum müssen Ausländer bestimmte KFZ Kennzeichen
haben um Sie direkt als Ausländer zu erkennen?"

Es gibt nur 3 verschiedene Kennzeichen.

1) Für Mietfahrzeuge 2) Für Staatsbeamte 3) Private Fahrzeuge

Möchte der Herr vielleicht noch irgendwelche unwahrheiten was erfinden?

....und außerdem finde ich, dass Erdogan vollkommen recht hat.

Ich kann nicht verstehen, dass sich einige daran sowas von aufgeilen, wenn Erdogan der Meinung ist, dass die als erstes türkisch lernen sollten.
Mir ist das vollkommen egal, wenn die dann gut deutsch können.

um dieses zu vermeiden

"Warum dürfen Ausländer in der Türkei nur
kleine Grundstücke und nur in Städten kaufen?"
http://www.welt.de/wirtsc...
Um so die Nahrungsmittel für jeden im Land erschwinglich zu halten, mit anderen Worten um Heuschrecken abzuhalten.

"Warum müssen Ausländer bestimmte KFZ Kennzeichen
haben um Sie direkt als Ausländer zu erkennen?"
Ist mir neu, aber in den USA ist auch jeder Touri an seinem Mietwagenkennzeichen zu erkennen.

Lage der Christen in der Türkei...

Menschenrechtsorganisationen wie die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) beurteilen die Behandlung und Situation der türkischen Christen negativ. Entgegen der in der Türkei nach Artikel 24 der türkischen Verfassung geltenden Religionsfreiheit gibt es zahlreiche Beeinträchtigungen, so das staatliche Verbot, Pfarrer und Religionslehrer auszubilden und Behinderungen beim Bau von christlichen Kirchen.