Italiens Staatspräsident Giorgio Napolitano hat den früheren EU-Kommissar Mario Monti mit der Bildung einer Übergangsregierung beauftragt. "Senator Monti wurde der Auftrag zur Regierungsbildung erteilt", sagte ein Sprecher des Präsidenten nach einem Treffen der beiden Politiker in Rom. Der 68-jährige Monti tritt die Nachfolge von Ex-Regierungschef Silvio Berlusconi an, der gestern seinen Rücktritt eingereicht hatte.

Monti zeigte sich anschließend überzeugt, dass Italien in einer "kollektiven Anstrengung" die Krise "überwinden" könne. Italien, eines der Gründungsmitglieder der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG), dem Vorläufer der EU, müsse ein "Element der Stärke, nicht der Schwäche" in Europa sein, sagte Monti, der sich international Ansehen als Wirtschaftsexperte erworben hat.

Der Entscheidung waren Konsultationsrunden des Präsidenten mit den Parteichefs der verschiedenen italienischen Parteien vorausgegangen, um die weiteren Schritte in der Regierungskrise auszuloten. Napolitano hatte auch Senatspräsident Renato Schifani und den Präsidenten des Abgeordnetenhauses, Gianfranco Fini, empfangen.

EU begrüßt Nominierung von Monti

Die EU äußerte sich lobend zur Entscheidung, Monti zum italienischen Ministerpräsidenten zu ernennen. Dies sei nach der Verabschiedung der Spargesetze in Italien ein weiteres ermutigendes Signal zur Krisenüberwindung, sagten EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy und EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso in Brüssel. Beide machten deutlich, dass die Ernennung Montis nichts an der vereinbarten wirtschaftspolitischen Überwachung Italiens durch die Europäische Union ändern werde: "Wie beim Gipfel der Euro-Länder am 26. Oktober vereinbart, wird die Kommission weiter die Umsetzung der von Italien ergriffenen Maßnahmen zur Stärkung von Wachstum und Beschäftigung prüfen."

Bundeskanzlerin Angela Merkel erhofft sich von einer schnellen Neuordnung in Rom einen stabilisierenden Effekt auf die Euro-Zone. "Ich denke, dass wir in den nächsten Tagen eine Regierungsbildung haben werden", sagte sie nach der Nominierung Montis in Leipzig.

Notregierung zur Bekämpfung der Krise

Monti war von Napolitano in der vergangenen Woche zum Senator auf Lebenszeit ernannt worden, was im Vorfeld als Zeichen gewertet wurde, dass er sehr wahrscheinlich der nächsten Regierung vorstehen würde. Berlusconi hatte gestern bei Napolitano seien Rücktritt eingereicht. Zuvor hatte nach dem Senat auch das Abgeordnetenhaus das von der EU geforderte Sparpaket verabschiedet, was Berlusconi als Voraussetzung für einen Rücktritt genannt hatte.

Nach dem Rücktritt Berlusconis will das hoch verschuldete Euro-Land Italien schnell eine Notregierung zur Bekämpfung der Krise bilden. Zuvor hatte der Staatschef Gespräche mit Vertretern der Parteien geführt. Monti werden gute Chancen eingeräumt, für eine Experten-Regierung die notwendige Rückendeckung in den beiden Kammern des Parlaments zu bekommen.

Berlusconi war wie angekündigt zurückgetreten, nachdem das Abgeordnetenhaus ein von der EU verlangtes Sparpaket gebilligt hatte. Berlusconi musste abtreten, weil er keine Mehrheit im Parlament mehr hatte.