StrategiewechselObama erklärt Pazifikraum zur Priorität Nummer Eins

Freihandel, Militärkooperation, Asean-Gipfel: Die USA sichern sich Einfluss in einer geopolitisch wichtigen Region. Der Westen alter Ordnung ist nur noch zweite Wahl. von dpa, AFP und Reuters

Die USA haben den asiatischen Pazifikraum zum neuen strategischen Schwerpunkt erklärt. Präsident Barack Obama erläuterte in einer Rede vor dem Parlament im australischen Canberra, als Pazifik-Nation würden die USA "eine größere und langfristigere Rolle in der Gestaltung dieser Region und ihrer Zukunft spielen".

Da neben der Mehrheit der Atommächte auch etwa die Hälfte der Menschheit in Asien beheimatet sind, werde die Region "in hohem Maße bestimmen, ob das kommende Jahrhundert von Konflikt oder Zusammenarbeit, unnötigem Leid oder menschlichem Fortschritt gekennzeichnet sein wird", sagte Obama. Er hat auch eine persönliche Beziehung zu der Region. Er ist auf Hawaii geboren und in Indonesien zur Schule gegangen.

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Vor wenigen Tagen hatten sich die USA und acht Pazifikstaaten auf die Grundzüge eines Freihandelsabkommens geeinigt. Obama hofft auf zahlreiche Exportaufträge aus der Region. Zu den acht zukünftigen Wirtschaftspartnerstaaten gehören Australien und Neuseeland, das Sultanat Brunei, die Andenstaaten Chile und Peru, außerdem Singapur, Malaysia und Vietnam. Während seiner Reise durch Australien wollte er im Laufe des Tages in Darwin an der Nordküste eine verstärkte militärische Zusammenarbeit mit Australien offiziell ankündigen. Die USA wollen im Norden Australiens bis zu 2.500 Soldaten stationieren, schon 2012 sollen 250 US-Marineinfanteristen den Anfang machen.

Die US-Präsenz im Asien-Pazifikraum habe Vorrang und oberste Priorität, sagte Obama. "Die USA sind eine Pazifik-Macht, und wir sind da, um zu bleiben." Damit rücken die Partner in der Atlantikregion in den Hintergrund. Mit dieser Analyse hatte Außenministerin Hillary Clinton bereits vor Tagen die Europäer verblüfft.

Unwille in China

China verurteilte die verstärkte militärische Kooperation zwischen den USA und Australien. Es sei "unangemessen" militärische Allianzen zu intensivieren und auszuweiten und "eventuell nicht im Interesse der Länder in der Region", sagte ein Sprecher des Außenministeriums.

Obama sagte dagegen, die Vorstellung, die USA würden China wegen seines Aufstiegs "fürchten", sei "ein Fehler". Ebenso sei die Ansicht, "dass wir versuchen China auszuschließen, ein Fehler".

Um aber an einer transpazifischen Partnerschaft teilzuhaben, müsse China internationale Regeln respektieren. Der US-Präsident appellierte an das Land, sein Verhalten im globalen Handel zu "überdenken". Die beiden Länder liegen seit Längerem im Streit über den Kurs des Yuan. Die USA machen den schwachen Yuan für ihr hohes Außenhandelsdefizit verantwortlich und werfen dem Land vor, den Kurs künstlich niedrig zu halten. Chinas Wirtschaft profitiert von einem niedrigen Währungskurs, weil chinesische Waren im Ausland dadurch günstig sind.

Noch am Donnerstag fliegt Obama weiter nach Bali in Indonesien. Dort findet das Gipfeltreffen der Südostasiatischen Staatengemeinschaft Asean sowie ein größeres Treffen mit Partnerländern in der Region statt. Die USA sind dabei erstmals zu Gast.

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Leserkommentare
  1. „Um aber an einer transpazifischen Partnerschaft teilzuhaben, müsse China internationale Regeln respektieren.“
    Brave New World, in der ein Land wie die USA, die, um nur ein Beispiel unter vielen zu nennen, einen auf Lügen basierenden Lügen gegen den Irak begonnen haben, von anderen Nationen den Respekt internationaler Regeln fordern.

  2. ...als das altbekannte Monopoly, nur mit härteren Bandagen/Spielregeln!

  3. wer heute die Dollarmaschine am Gehen hält und wer morgen das Sagen hat.
    Insofern konsequente Schwerpunktlegung.

  4. Warum reagiert die "Gegenseite" nicht - z.B. mit einem "alternativen Militärbündnis"?!

    Was spricht denn gegen russische/chinesische Truppen in Venezuela? Sollte man nicht auch über neue Raketenbasen in verschiedenen Teilen der Welt nachdenken?

    Solange sich die "Blockfreien" nicht einig sind, haben sie dem Imperium nicht viel entgegenzusetzen...

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    http://en.wikipedia.org/wiki/Collective_Security_Treaty_Organisation

    http://en.wikipedia.org/wiki/Shanghai_Cooperation_Organisation

    Ron Paul 4 President. Kann diese sich ständig ausweitende Drohkulisse nicht mehr sehen und hören.

    • colca
    • 17. November 2011 10:25 Uhr

    Derlei Blockspielereien ist Denken aus Zeiten des Kalten Krieges. Die chinesische Führung ist zu schlau, um sich auf ein solches Spiel einzulassen. Es entspricht auch nicht der uralten chinesischen Staatstradition, militärische Konfrontation als erstes Mittel im Umgang mit Komkurrenten einzusetzen.
    Viel lieber schauen sie den Amerikanern zu, wie sie sich selbst totrüsten und in nutzlosen, ungewinnbaren Kriegen verzetteln. Dass sie ihnen für diesen selbstzerstörerischen Unsinn auch noch die Kredite geben dürfen, an denen sie später Washington bei Bedarf am Nasenring führen werden - das dürfte in Peking für so manchen Schenkelklopfer sorgen.

    Die 2500 neuen GIs in Australien sind eine leere Geste, die an Gestrigkeit und Hilflosogkeit kaum noch zu überbieten ist. Die Amis bauen einen neuen Militärstützpunkt, während die Chinesen das Geschäft machen.
    Man braucht keine drei Finger um sich auszurechnen, wer diesen Wettlauf gewinnen wird.

  5. 5. [...]

    [...]

    Wenn China der Export- und Wirtschaftsweltmeister ist, so kann China zu großen Teil die Spielregeln selbst bestimmen oder haben die USofthef*ckingA ein göttliches Mandat? Vermutlich schon, da sie jedes Land angreifen, welches versucht eine alternative Währungsstrategie zu fahren (zuletzt goldegedecktes Libyen).

    Wenn Obama ein Problem mit Chinas Währung hat, dann soll sein Land doch Währungsreserven aufkaufen - höhö! Im übrigen sind es in der Regel die USA, welche ihre Währung bewusst abwerten (wer erinnert sich nicht an Bush dollar/eur 1,50 und paar Monate später Krieg im Sandkasten).

    Furchtbar dieser Obama.

    Gekürzt. Bitte achten Sie auf Ihre Wortwahl. Danke, die Redaktion/mk

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Bitte achten Sie auf Ihre Ausdrucksweise und verzichten auf Polemik. Danke, die Redaktion/se

    ... dass Sie hier lupenreinen Rassismus unter umgekehrten (nämlich antiamerikanischen) Vorzeichen betreiben? "Yankees" und "US of-- (nicht zitierfähig)"; haben Sie eine Vorstellung davon, wie sich Ihre Tirade anhören würde, wenn Sie die gleichen Affekte und die gleiche Rhetorik etwa gegen die Türkei oder ein anderes muslimisches Land in Anschlag bringen würden? Eine ziemlich braune Soße wäre das, möchte ich sagen.

  6. Zumindest "offiziell". Aber der Irak hat ja auch Massenvernichtungswaffen.

    http://www.youtube.com/watch?v=7s9StxsFllY

  7. Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ...dachte ich an etwas "Größeres" - in dem auch Staaten aus Lateinamerika eine Rolle spielen - und wo man geschlossen und "aktiv" auftritt, um der NATO die Stirn zu bieten.

  8. seine Leistungen preiswert anzubieten ist böse. Da müssen die Chinesen aufpassen, dass sie nicht mit Deutschland und einigen anderen Ländern mit Exportüberschuss auf eine neue Achse des Bösen kommen...

    Überhaupt eine Sauerei seine Einkünfte nicht sofort wieder raus zu werfen. Da kommen die ganzen Kreislaufmodelle ins Stottern.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP, Reuters
  • Schlagworte Barack Obama | Hillary Clinton | China | USA | Allianz | Australien
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