MilitäraktionPakistans Regierung verurteilt schweren Nato-Angriff

Mehr als zwei Dutzend pakistanische Soldaten sind offenbar während eines Nato-Angriffs an der afghanischen Grenze getötet worden. Die Nato will den Vorfall untersuchen. von Reuters, AFP und dpa

Nato-Hubschrauber haben nach pakistanischen Militärangaben am frühen Morgen einen Kontrollposten der Armee an der Grenze zu Afghanistan angegriffen. Dabei seien mindesten 24 pakistanische Soldaten ums Leben gekommen. Mehr als ein Dutzend seien verletzt worden. 

Die Armee sprach von einem "grund- und wahllosen Angriff". Die Regierung der Nachbarprovinz Khyber Pakhtunkhwa nannte die Attacke über die Staatsgrenze zwischen Afghanistan und Pakistan hinweg "inakzeptabel und nicht zu tolerieren". Unter den Toten befänden sich auch zwei Offiziere, sagte ein hochrangiger Angehöriger der pakistanischen Armee. Behördenvertreter im Stammesgebiet Mohmand, wo sich der Vorfall ereignete, sagten, die Opferzahl könne noch steigen. Seit dem Beginn des internationalen Militäreinsatzes in Afghanistan vor rund zehn Jahren sind noch nie mehr Menschen bei vergleichbaren Vorfällen getötet worden. Pakistans Regierungschef Yousuf Raza Gilani verurteilte den Angriff laut einer Mitteilung des Außenministeriums "scharf".

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Nach dem Angriff stoppte seine Regierung nach Angaben lokaler Behördenvertreter die Nachschublieferungen für die Nato nach Afghanistan. Etwa 40 Lastwagen und Tankfahrzeuge seien zurückgewiesen worden. Es habe entsprechende "Anweisungen der Regierung" gegeben, sagte ein Verantwortlicher im Stammesgebiet Khyber. Alle Lieferungen würden "zurück nach Peshawar" geschickt. Nach Nato-Angaben läuft rund die Hälfte der Versorgungslieferungen für die Soldaten in Afghanistan über Pakistan.

Nato will Vorfall untersuchen

Die Nato hat mittlerweile eine eingehende Untersuchung des mutmaßlichen Angriffs seiner Internationalen Schutztruppe (Isaf) zugesagt. Der Vorfall habe sein "höchstes persönliches Interesse", erklärte der US-General und Isaf-Chef, John Allen am Samstag in einer kurzen Mitteilung. Er solle "gründlich" untersucht werden. Den Hinterbliebenen der Opfer sprach Allen sein Mitgefühl aus.

Der US-Botschafter in Islamabad, Cameron Munter, wurde ins Außenministerium in Islamabad zitiert. Die pakistanische Regierung legte bei ihm, in Washington und im Nato-Hauptquartier in Brüssel Protest gegen den Angriff ein. Regierungschef Gilani rief außerdem eine Sondersitzung des Verteidigungsausschusses des Kabinetts ein.

Masood Kausar, der Gouverneur der Provinz Khyber-Paktunkhwa und Regierungschef der pakistanischen Stammesgebiete, bezeichnete den Vorfall als einen Angriff auf die Souveränität des Landes. "Wir werden solche Angriffe nicht länger tolerieren", fügte Kausar hinzu.

Der betroffene pakistanische Stützpunkt liegt in einem Gebiet, in das sich die radikal-islamischen Taliban zurückziehen. Die USA schicken wiederholt Drohnen um Aufständische in der Region anzugreifen.
Die Beziehungen zwischen den Regierungen in Islamabad und Washington sind seit der Tötung des Al-Qaida-Chefs Osama bin Laden in Pakistan angespannt.

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Leserkommentare
  1. In Afghanistan und vermutlich auch im Pakistanischen Grenzland geht man ja schon seit Jahren sehr seltsam vor. Die Opfer unter den eigenen NATO-Soldaten werden tränenreich beweint, aber die Einheimischen, die in viel grösserer Zahl dem militärischen Eingreifen zum Opfer fallen, sind bestenfalls ein Kollateralschaden und nur eine Randnotiz.
    Wie man auf diese Weise die Bevölkerung davon abhalten will, sich gegen die NATO-Besatzer zu wehren, ist mir ein Rätsel. Mit der Militäraktion erzeugt man doch erst die Feindseligkeit gegenüber den "westlichen" Menschen, die man doch so gerne unterdrücken will. Mit Cowboymethoden wird das nichts.
    Der Einsatz in der Region ist zum Scheitern verurteilt, wenn man das Recht auf Leben der Einheimischen nicht respektiert.

    14 Leserempfehlungen
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    Der ganze Cowboyeinsatz ist erst in sich geschlossen logisch, wenn man eine ausreichend arrogante Perspektive einnimmt.

    Sie argumentieren mit Wert des Lebens, sind da aber in der Kausalkette schon einen Schritt zu weit.

    Dieses Leben, das ja lebenswert sein muss, dass muss den Menschen dort ja erst einmal durch den westlichen Militäreinsatz gebracht werden.

    Wenn man's so betrachtet wird es zwar widerwärtiger, aber immerhin ergibt es so halbwegs einen Sinn.

    Vielleicht ist dieser traurige Ansatz sich in die Gedankenwelt einiger Entscheidungsträger einzufühlen ein hilfreicher um den Wahnsinn verstehen zu können.

    > In Afghanistan und vermutlich auch im
    > Pakistanischen Grenzland geht man ja
    > schon seit Jahren sehr seltsam vor.
    > Die Opfer unter den eigenen NATO-Soldaten
    > werden tränenreich beweint, aber die
    > Einheimischen, die in viel grösserer Zahl
    > dem militärischen Eingreifen zum Opfer
    > fallen, sind bestenfalls ein Kollateral-
    > schaden und nur eine Randnotiz.

    Was ist das für eine Feststellung? Hat es das schon jemals gegeben, dass die Angehörigen des Feindes bzw. von Drittländern im gleichen Maße beweint wurden wie die eigenen Verluste? Wann und wo?

    > Wie man auf diese Weise die Bevölkerung
    > davon abhalten will, sich gegen die
    > NATO-Besatzer zu wehren...

    Warum sollte man die Bevölkerung davon abhalten wollen, sich gegen "Besatzer" zu wehren? Das wäre doch schlicht irre? Und wieso ist man "Besatzer", wenn man Taliban & Co vertreiben will, die die Bevölkerung unterjochen wollen?

    > Mit der Militäraktion erzeugt man doch erst
    > die Feindseligkeit gegenüber den "westlichen"
    > Menschen...

    Das heißt, die Bevölkerung hätte lieber die Taliban, wenn damit nur die Kollateralschäden aufhörten?

    > Der Einsatz in der Region ist zum Scheitern
    > verurteilt, wenn man das Recht auf Leben der
    > Einheimischen nicht respektiert.

    Inwiefern wurden hier einfach mal so ein paar Menschen umgebracht, und zwar mit Vorsatz, den ein angeblicher "mangelnder Respekt" ja nahelegt?

    Ist das wirklich Mitgefühl mit den Opfern, Sorge um den Frieden oder antiwestliche Propaganda?

    Wir führen also Krieg gegen die Bevölkerungen von Afghanistan und Pakistan, habe ich das richtig verstanden? Um den Wilden endliche die Moral einzubläuen? Das zu erledigen, was in den Stellvertreterkriegen des "kalten" Krieges nicht erreichbar war, und woran vorher schon die Kolonisatoren gescheitert sind?
    Deshalb bombardieren wir unschuldige Zivilisten, um ihnen klar zumachen, dass man nicht unschuldige Zivilisten mit Bomben in die Luft sprengen darf? Die überlegenen Herren aus "dem Westen" dürfen die Wilden nach Lust und Laune "zivilisieren"? Die Taliban wollten schon die Russen vertreiben. Jetzt werden wir zur Abwechselung die Geister nicht mehr los, die wir gerufen haben... "Von den Taliban befreien" ist sinnlose Propaganda.

    Ich habe auch begriffen, dass Tote aus der direkten Umgebung einem näher gehen, als irgendwelche bärtigen Wahnsinnigen mit Frauen und Kindern in den Bergen weit weg von hier. Aber das macht die Sache keinesfalls besser. Wo da die "antiwestliche Propaganda" sein soll, ist mir nicht klar.

  2. Armeeposten befreundeter Staaten zu liquidieren, durch eine immer dem Frieden und der Freiheit dienenden Institution wie der Nato, das dürfte vermutlich daran liegen, dass man am liebsten den gesamten Großraum weiträumig von Bewohnern oder sonstwie anwesendenden Personen befreien möchte, oder? Der Unterschied, ob sich dortige Posten als Grenzposten oder als Taliban definieren, dürfte bei solchen Zielen eher marginal sein...

    4 Leserempfehlungen
  3. 3. [...]

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Polemik und beteiligen Sie sich mit sachlichen Argumenten an der Diskussion. Danke. Die Redaktion/ag

  4. Was waren wohl dieses Mal die Gründe für diesen Angriff? Waren es wieder einmal offensichtlich am Töten erfreute US-Hubschrauberpiloten, wie in dem Video aus der Kamera eines US-Kampfhubschraubers, das vor einiger Zeit gegen den Willen der US-Regierung von Wikileaks veröffentlicht wurde und die Tötung von mehreren Menschen und eines Reporters zeigte? Oder haben die USA entschieden, dass es wieder einmal Zeit war, irgendjemandem zu zeigen, dass sie sich alles erlauben, was sie sich erlauben wollen? Wie z. B. ihre weltweiten Ermordungen von Menschen, ohne völkerrechtliche Legitimation oder Gerichtsurteile. Oder sollte Pakistan provoziert werden, um im Weiteren endlich gegen deren Atomwaffen vorgehen zu können? Es gefällt den USA ja bereits seit einiger Zeit nicht, dass Pakistan über Atomwaffen verfügt. Andererseits sollen die USA ja auch das pakistanische Militär seit Langem finanziell unterstützen. Auch das ägyptische Militär hat unter der Führung des vom Westen unterstützen Despoten Mubarak ja seit vielen Jahren über eine Milliarde Dollar Hilfe von den USA erhalten.

    Wieso verhält sich die Menschheit bis heute so dämlich? Vermehren sich wie die Karnickel. Seit Kurzem über 7 Milliarden? Na, herzlichen Glückwunsch. Halten bis heute an Staaten fest, die sich oft gegenseitig bekämpfen. Wie schön könnte es auf der Erde sein, wenn die Menschheit sich vernünftig verhielte!

    3 Leserempfehlungen
  5. Der ganze Cowboyeinsatz ist erst in sich geschlossen logisch, wenn man eine ausreichend arrogante Perspektive einnimmt.

    Sie argumentieren mit Wert des Lebens, sind da aber in der Kausalkette schon einen Schritt zu weit.

    Dieses Leben, das ja lebenswert sein muss, dass muss den Menschen dort ja erst einmal durch den westlichen Militäreinsatz gebracht werden.

    Wenn man's so betrachtet wird es zwar widerwärtiger, aber immerhin ergibt es so halbwegs einen Sinn.

    Vielleicht ist dieser traurige Ansatz sich in die Gedankenwelt einiger Entscheidungsträger einzufühlen ein hilfreicher um den Wahnsinn verstehen zu können.

    5 Leserempfehlungen
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    Die Wilden müssen erst zivilisiert werden, um als Menschen zu gelten.

    Die Methoden haben sie das erste Mal bei der Indianererziehung angewandt. Damals ohne besonderen Erfolg, deshalb wurden die ausgerottet.

    Mehr Erfolg hatten sie in Deutschland. :-)

  6. Die wollen ja auch nicht bemerkt haben, dass Osama Binladen in einer Offizierssiedlung eine Villa hatte. Ich gehe fast davon aus, dass es ein gezielter und nötiger Luftschlag war gegen unsere "Verbündeten".

    Eine Leserempfehlung
  7. Es stellt sich lediglich die Frage, ob das zur Stabilität in der region beiträgt oder die Region weiter ins Chaos zieht.

    2 Leserempfehlungen
    • Valtrex
    • 26. November 2011 11:26 Uhr

    Während die Demokraten dem Kundus-Minister den Teppich ausrollen, werden wieder einmal Zivilisten kaltblütig ermordet.

    http://youtu.be/5rXPrfnU3G0

    2 Leserempfehlungen

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  • Quelle ZEIT ONLINE, Reuters, AFP, dpa
  • Schlagworte Regierung | Nato | Militäraktion | Osama bin Laden | Afghanistan | Drohne
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